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Stormarn Kein gutes Jahr für Pilze in Stormarn
Lokales Stormarn Kein gutes Jahr für Pilze in Stormarn
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20:32 26.10.2016
In diesem Jahr fällt die Pilzernte mager aus, nach zwei Stunden ist der Korb kaum halb voll. Quelle: Fotos: Bettina Albrod
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Bargteheide

Da ist einer: Unter Gras und Herbstlaub duckt sich ein Maronen-Röhrling, als wenn er wüsste, dass er in diesem Jahr besonders begehrt ist. Denn der Oktober, der wegen Masse und Artenvielfalt als der beste Pilzmonat gilt, hat Feinschmeckern in diesem Jahr nur wenig zu bieten. „Der Oktober 2016 ist der schlechteste Pilzmonat seit 40 Jahren“, erklärt der Pilzexperte Ingo Hartung aus Pölitz, der seit 20 Jahren in Stormarn die Delikatessen sammelt und Kurse dazu in Bad Oldesloe und Bargteheide anbietet. „Der Bestand ist um gut 60 Prozent zurückgegangen. Der Grund dafür sind die drei Wochen Sommer im September und der schneelose Winter, der den Grundwasserspiegel abgesenkt hat.“

Späte Hitze im September hat die Böden ausgetrocknet – Bestand ist um 60 Prozent gesunken.

Das hat für denkbar schlechte Wachstumsbedingungen für Fungi, so der lateinische Fachbegriff, gesorgt. „Der Birkenpilz fehlt“, hat Hartung beobachtet, „auch Rüblinge, Lacktrichter und Hallimasche gibt es diesen Herbst so gut wie gar nicht.“ Einige Pilze waren schon im Juli zu finden, Steinpilze seien erst später zu erwarten, aber auch da gebe es diesen Herbst keine Masse. Im Gegensatz zum Vorjahr, wo es Pilze im Überfluss gab, herrscht dieses Jahr Ebbe im Sammlerkörbchen. Fünf Stück davon hat die Gruppe, die an diesem Tag mit Hartung unterwegs war, auf den Tisch gestellt, damit der Fachmann prüfen kann, dass sich auch kein Giftpilz in der mageren Ernte verbirgt.

Das ist gar nicht so abwegig, denn viele Pilze haben giftige Doppelgänger, die sich nur für das kundige Auge vom genießbaren Speisepilz unterscheiden. Steinpilz oder Gallenröhrling, Violetter Rötelritterling oder Lila Dickfuß, Schafchampignon oder Kegelhütiger Knollenblätterpilz – hier muss vor dem Kochen klar sein, was in der Pfanne landet. „Bundesweit gibt es etwa 2000 Pilzvergiftungen pro Jahr“, warnt Hartung, „15 bis 20 Prozent davon verlaufen tödlich.“ In Mecklenburg habe sich die Zahl erhöht, weil Flüchtlinge Pilze für genießbar hielten, die es tatsächlich nicht sind. Dazu kommen neue Erkenntnisse der Forschung: „Der Ritterling war über Jahrzehnte ein beliebter Pilz auf Wochenmärkten. Mittlerweile ist er von der Liste der Speisepilze gestrichen worden, weil man herausgefunden hat, dass er für eine bestimmte Form der Muskelzersetzung ursächlich ist“, so Hartung.

Sein Blick auf die Pilze bleibt kritisch. Denn durch die feuchte Witterung haben viele Speisepilze Schimmel angesetzt, der auch nicht ganz ungefährlich ist. „Schimmel ist ungenießbar“, sagt Hartung, „dadurch kann es zu einer unechten Pilzvergiftung kommen.“ Dabei bilden sich Giftstoffe im Magen, die durch den Schimmel ausgelöst werden, oder die Pilze reagieren mit Alkohol, den man keinesfalls zu einem Pilzgericht trinken sollte. Am besten, so der Experte, bereitet man die frischen Pilze noch am selben Tag zu, dann können sie nicht verderben. In Butter gebraten oder gedünstet bieten Speisepilze ebensoviel Nährstoffe und gesunde Mineralien wie Gemüse. Da sie zu 89 Prozent aus Wasser bestehen, sind sie eine gesunde und kalorienarme Mahlzeit mit viel mehr Aroma, als wenn man sie im Laden kaufen würde. Dort, so Hartung, würden sie oft mittels Gamma-Strahlen haltbarer gemacht, verlören dadurch aber wertvolle Nährstoffe.

Apropos Strahlen: Vor Radioaktivität ist Südholstein verschont geblieben. „Nach Tschernobyl hat es radioaktiven Niederschlag um Kiel und Lübeck herum und beidseits des Nord-Ostsee-Kanals gegeben“, erklärt Hartung. „Überall sonst ist die Landschaft nicht mit Cäsium 137 belastet.“ Ganz bestimmt nicht betroffen ist der Tintenfischpilz: Er ist erst in jüngster Zeit aus Australien nach Stormarn eingewandert. „Den beobachte ich seit drei Jahren“, sagt Hartung, der vermutet, dass der Pilz, der nicht zum Verzehr geeignet ist, über den Hamburger Hafen eingeschleppt worden ist. Seine leuchtende Farbe macht ihn ebenso gut erkennbar wie den Fliegenpilz.

Der hatte es vor dem Deutschen Reinheitsgebot vom Pilz zum Pils geschafft, das mit Fliegenpilz angereichert besondere Rauschzustände auslöste und als Psychobier beliebt war, so Hartung. Auch von den hübschen Fliegenpilzen stehen ein paar im Wald herum, von Ferne sehen sie pelzig aus: Sie haben Schimmel angesetzt, weil die Witterung zu feucht ist.

Tier oder Pflanze?

Weil Pilze aus Zellen mit einem Zellkern bestehen, sind sie in der Biologie ein eigener Bereich, der den Tieren näher steht als den Pflanzen. Wie Tiere ernähren sie sich von organischen Nährstoffen in ihrer Umgebung, weisen aber Zellstrukturen wie Pflanzen auf. Von denen unterscheiden sie sich durch das Fehlen der Photosynthese.

Vermutlich existieren Pilze schon seit 900 bis 1200 Millionen Jahren auf der Erde. Sie bieten noch ein reiches Forschungsgebiet.   Quelle: wikipedia

Bettina Albrod

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