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Stormarn Keyless-Go überlistet: Prozess wegen Autodiebstahls hat begonnen
Lokales Stormarn Keyless-Go überlistet: Prozess wegen Autodiebstahls hat begonnen
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17:03 17.04.2019
Der Prozess wegen Autodiebstahls wird am Landgericht in Lübeck geführt. Quelle: dpa
Lübeck

In Deutschland teure Autos stehlen und sie von einem Kurier nach Polen bringen lassen, wo sie gewinnbringend verkauft werden – so soll die Vorgehensweise eines Polen aussehen, dem seit Mittwoch vor dem Landgericht in Lübeck wegen schweren Bandendiebstahls der Prozess gemacht wird. Der Angeklagte, der den Prozess mit einer Dolmetscherin verfolgte, hatte sich zuvor bereits einer Haftstrafe in Österreich durch Flucht entzogen und war früher auch in Frankreich, Österreich und Großbritannien straffällig geworden. 2017 und 2018 soll er mehrere Straftaten im Süden Stormarns begangen haben.

Keyless-Go-System überlistet

Das Muster war laut Anklage immer dasselbe: Zusammen mit einem bisher unbekannten Komplizen soll der Angeklagte in 14 Fällen im Süden Stormarns und Hamburg Autos der Marken Mercedes und Audi, die jeweils einen Wert von rund 100 000 Euro hatten, durch Überwindung des Keyless-Go-Systems geöffnet und weggefahren haben. Dazu sei ein so genannter Funkwellenverlängerer benutzt worden, der das Schließsignal des Wagens aufzeichnet. Anschließend wurde der Wagen einem Kurier übergeben, der ihn nach Polen bringen sollte. In einigen Fällen funktionierte der Plan, in anderen Fällen wurden die Fahrzeuge später sichergestellt. Unter anderem kam es zu einer Verfolgungsjagd mit Unfall, bei der ein Kurier verhaftet werden konnte.

Das Landgericht Lübeck. Quelle: Grombein Florian

Auch der Angeklagte wurde einmal kontrolliert, benutzte jedoch gefälschte Papiere, um seine Identität zu verschleiern, heißt es in der Anklage weiter. Als der Mann 2018 auf einem Restaurant-Parkplatz von zwei Polizisten angesprochen wurde, die den per Haftbefehl Gesuchten festnehmen wollten, habe er zunächst falsche Papiere vorgelegt. Dann wollte er den Moment der Kontrolle nutzen, um sich zu entfernen. Die Polizisten hielten ihn fest und setzten schließlich Pfefferspray ein, als der Tatverdächtige sich wehrte. Da das Pfefferspray auch einen der Polizisten getroffen hatte, gelang es erst mit zwei weiteren Polizisten, den Mann zu überwältigen. Seitdem sitzt er in Lübeck in Untersuchungshaft.

Vorgerichtliche Verständigung gescheitert

Zu Beginn des Verfahrens versuchten Verteidiger und Staatsanwaltschaft, zu einer Verständigung zu kommen. Die Verteidigung habe angeboten, dass der Angeklagte im Falle eines Geständnisses zu unter drei Jahren Haft verurteilt werden könnte, erklärte der Vorsitzende Richter nach der Prozesspause. „Die Staatsanwaltschaft bleibt aber auch mit Geständnis bei einem Strafmaß nicht unter fünf Jahren Haft.“ So wurde der Prozess fortgesetzt. Der Angeklagte wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Als Erste bekam eine medizinische Sachverständige das Wort: Sie sollte beurteilen, ob bei dem 43-jährigen zur Tatzeit eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit vorgelegen haben könnte.

Bipolare Störung dokumentiert

Die Sachverständige sagte aus, dass es medizinische Berichte aus Polen gebe, nach denen bei dem Angeklagten eine bipolare Störung vorliege. Deswegen sei er stationär in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden. Angeblich habe der Angeklagte Stimmen gehört, die ihm befahlen, einen Straftäter zu finden. Nach Medikamentengabe habe der Angeklagte die Klinik wieder verlassen können. In der JVA Lübeck wurde er in Einzelhaft untergebracht, da er als gefährlich gilt. Daraufhin habe der Angeklagte einen Suizidversuch unternommen. „Mir gegenüber hat er gesagt, dass er damit Druck machen wollte, damit die Einzelunterbringung aufgehoben wird“, sagte die Sachverständige.

Im Gespräch habe der Angeklagte erklärt, dass er unter schwierigen Bedingungen groß geworden sei. Nach dem Besuch der Sonderschule habe er Gelegenheitsjobs ausgeübt und immer wieder als psychisch auffällig gegolten. Der Mann sei ambulant weiter behandelt worden. Sobald er die Medikamente nicht nehme, komme die Krankheit wieder. Ihr gegenüber habe der Angeklagte ausgesagt, dass er die Taten nicht begangen habe, sondern zu der Zeit in Polen gewesen sei. Die Anklage beruhe auf der Auswertung von Handy-Daten; das Gerät gehöre ihm aber gar nicht.

Keine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit

Abschließend kam die Medizinerin allerdings zu der Auffassung, dass beim Angeklagten zur Tatzeit keine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit vorlag. „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen psychischer Erkrankung und Tat, ich sehe eine hohe Bereitschaft zu kriminellen Handlungen.“ Sie sehe den Angeklagten als Teil einer international agierenden Bande. Die Diebstähle ließen eine differenzierte Planung erkennen, die ein Mensch mit einer aktiven manisch-depressiven Störung nicht hätte durchführen können.

Die Verhandlung vor dem Landgericht wird am 6. Mai fortgesetzt, dann sollen mehrere Zeugen gehört werden.

Bettina Albrod

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