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Stormarn St. Josef verabschiedet junge Asylbewerber
Lokales Stormarn St. Josef verabschiedet junge Asylbewerber
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16:55 06.12.2018
30 junge Asylbewerber, die 2015 als unbegleitete Jugendliche ins Kinder- und Jugendhaus St. Josef nach Bad Oldesloe kamen, verabschieden sich. Quelle: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

Drei turbulente Jahre liegen hinter den Mitarbeitern des Kinder- und Jugendhauses St. Josef in Bad Oldesloe. Fast von einem Tag auf den anderen trafen bei ihnen neue Mitbewohner ein, Minderjährige, die ganz allein den gefahrvollen Weg aus krisengeschüttelten, von Bürgerkrieg ins Chaos gestürzten Ländern auf sich genommen hatten, um ihr Leben zu retten. 30 der einst unbegleiteten Jugendlichen sind inzwischen volljährig und gehen ihre eigenen Wege. Ende Januar ziehen sie in ein Asylbewerberheim, die eigene Wohnung oder eine Wohngemeinschaft um. Lebwohl sagten sie jetzt aber schon auf einer Feierstunde und bedankten sich bei allen, die sie über die gesamte Zeit begleitet haben.

Mission erfüllt mithilfe vieler Akteure

Welche Herausforderung es war, den jungen Leuten in dieser Situation nicht nur ein Quartier, sondern eine Ersatzheimat zu bieten, daran erinnerte Ute Jünemann, Bereichsleiterin von St. Josef. Ohne die Chefin des Hauses, Birgit Brauer, deren „Nerven zu Stahlseilen wurden“, sei das alles nicht möglich gewesen. „Sie hat es geschafft, im Chaos zu tanzen“, umschrieb Jünemann das Vermögen ihrer Kollegin, auch in stressigen Situationen nicht die Contenance zu verlieren. Auch dank des sehr engagierten Teams von St. Josef sowie der zu jeder Zeit einsatzbereiten Vormünder, Ehrenamtler und Dolmetscher, die auch ganz spontan Hilfe geleistet hätten, sei diese verantwortungsvolle Aufgabe gut gemeistert worden. Gefühlt Millionen Telefonate seien mit dem Ausländeramt und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geführt worden, um Formalitäten abzustimmen. Unzählige Krisengespräche hätten geführt, Entscheidungen von jetzt auf gleich getroffen werden müssen. Zu Beginn habe sich akut die Frage nach der Unterbringung gestellt, da kein Platz mehr im Kinder- und Jugendhaus vorhanden war. Letztlich habe ein Trakt des Seniorenwohnheims Forsthaus genutzt werden können, aus dem Ende Januar nun alle wieder auszögen.

Dankbar für Vertrauen und Respekt

„Ihr habt uns Euer Vertrauen geschenkt, uns teilhaben lassen an Eurer Geschichte und uns Respekt entgegengebracht. Ihr wart ein fester Bestandteil unseres Lebens“, sagte Jünemann sichtlich gerührt in Richtung der bald scheidenden Schützlinge. Ein wenig schelmisch wies sie aber auch darauf hin, dass diese mitunter Mühe hatten, sich an die Abläufe zu halten. „Warum sollte auch jemand, der es geschafft hat, Tausende Kilometer allein zu reisen, vor 20 Uhr Bescheid sagen, wenn er um 20.30 Uhr einen uns unbekannten Freund in einer anderen Stadt besuchen will?“, sagte sie. Speziell seien auch die vielseitigen Essensgewohnheiten der jungen Menschen gewesen, die sich je nach Herkunftsland sehr stark unterschieden. „Danke, Ihr habt unseren Blick geöffnet, für alles, was wir nicht kannten“, sagte Jünemann.

Junger Afghane studiert jetzt an der Uni

Zur Abschiedsfeier war auch Jan gekommen, der vor Jahren als Flüchtling aus Afghanistan in St. Josef aufgenommen wurde. „Ich fand es hier einfach toll. Man hatte gleich eine Familie und fühlte sich gut aufgehoben“, schwärmte der heute 23-Jährige. 2015 musste der sehr fleißige und sehr wissbegierige junge Mann allerdings um sein Bleiberecht bangen. Seine Freunde, das Betreuerteam und viele andere Unterstützer legten aber überzeugend gegenüber der Härtefallkommission dar, dass Jan inzwischen sehr gut integriert ist und sich sogar schon sozial engagiert in seinem Umfeld. Letztlich schaffte es der junge Mann nur in kurzer Zeit die Realschule und das Abi zu absolvieren. Inzwischen studiert er Biomedizintechnik in Lübeck. Sehr zur Freude übrigens von Birgit Brauer. „Es ist schon sehr beeindruckend, was er geschafft hat“, sagte sie.

Für die 15 Mitarbeiter von St. Josef, die sich bis dato um die Jugendlichen im Forsthaus gekümmert haben, beginnt ab Februar 2019 ebenfalls ein neuer Abschnitt. Einige von ihnen verlassen die Einrichtung, andere betreuen die noch im Haupthaus am Wendum verbleibenden Jugendlichen oder wenden sich anderen Aufgaben zu. Laut Birgit Brauer lässt St. Josef die einstigen Schützlinge nämlich nicht im Regen stehen, sondern bietet ihnen weiterhin einmal wöchentlich Hilfe an, bei der Suche nach Praktika, Lehrstellen oder in anderen wichtigen Lebensfragen.

Jugendhilfe seit 1902

Das Forsthaus, in dem das Team von St. Josef zunächst 50 und zuletzt 30 unbegleitete Minderjährige aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Eritrea, dem Irak, Marokko und Ägypten betreute, schließt zum 31. Januar 2019. Zusätzlich zu ihrer Kernaufgabe betreuten sie bis dato insgesamt 100 junge Flüchtlinge aus Krisengebieten, vermittelten Kenntnisse der deutsche Sprache und gesellschaftlichen Werte, begleiteten sie in Schule und Ausbildung.

Das Kinder- und Jugendhaus St. Josef ist seit 1902 eine Einrichtung der stationären und ambulanten Jugendhilfe in der Kreisstadt Bad Oldesloe. Zurzeit leben dort über 150 Kinder und Jugendliche, junge Volljährige und junge Mütter in insgesamt 16 Wohngruppen.

Dorothea von Dahlen

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