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Kinderarmut in Stormarn: Appell an Politik und Gesellschaft

Ahrensburg Kinderarmut in Stormarn: Appell an Politik und Gesellschaft

Stormarner Kinderschutzbund fordert bessere Hilfe – 7000 arme Kinder im Kreis.

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Emily (v.l.), Elena, Anouk und Laura von der Stormarnschule machten bei der Fähnchen-Aktion mit. „Uns geht es gut“, so die Sechstklässler, „wir wollen auf diejenigen aufmerksam machen, die es nicht so gut haben.“

Quelle: B.Albrod

Ahrensburg. Wenn in Bad Oldesloe der Eiswagen kommt und zehn Kinder erwartungsvoll hinrennen, müssen zwei enttäuscht ohne Eis umkehren, weil sie es sich nicht leisten können: Mit knapp 18 Prozent ist Bad Oldesloe Hochburg beim Thema Kinderarmut im Kreis. Seit zehn Jahren weist der Deutsche Kinderschutzbund, Kreisverband Stormarn (DKSB) einmal im Jahr zum Weltkindertag mit einer Fähnchensteck-Aktion auf die Not der Kinder im Kreis hin. In diesem Jahr haben rund 100 Schüler aus Ahrensburg 7000 Fähnchen vor dem Schloss gesteckt, 2006 waren es 3300.

 

LN-Bild

Ingo Loeding, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Stormarn.

Quelle:

Zahlen zur Kinderarmut

Bad Oldesloe         17,15 Prozent

Glinde             14,21 Prozent

Heilshoop           10,89 Prozent

Reinfeld           10,48 Prozent

Ahrensburg          8,89 Prozent

Trittau              8,15 Prozent

Reinbek            6,42 Prozent

Bargteheide          5,43 Prozent

Großhansdorf        5,25 Prozent

Siek              5,00 Prozent

Flagge zeigen für den Kinderschutz – damit setzt der DKSB ein Zeichen, das die Gesellschaft zum Handeln bringen soll, denn das, so Geschäftsführer Ingo Loeding, werde viel zu wenig getan. „Das sind nur die Zahlen der Hartz IV-Haushalte“, betont er, eigentlich müsse die Zahl verdoppelt werden.

„Beim Thema Kinderarmut geht der Trend weiter nach oben“, so Loeding. „Der Kreis und die Stadt Bargteheide sind schuldenfrei, die Arbeitslosigkeit ist mit 3,6 Prozent äußerst niedrig, aber die Kinderarmut steigt. Das ist eine skandalöse Tendenz. Für Kinder in Stormarn muss man mehr tun.“ Deutliche Worte richtet Loeding an Politik und Verwaltung in Stormarn. „Wir haben viele Ausschüsse besucht, um mit den Politikern über Kinderarmut zu sprechen. Überall ist die Betroffenheit groß, aber geändert hat sich nichts.“ Insbesondere die Ferienprogramme seien ein Indikator dafür. „In Bad Oldesloe herrscht die höchste Kinderarmut, aber nur 15 bis 18 Prozent der Ferienangebote sind kostenfrei“, kritisiert Loeding. „In Bargteheide sind 52 Prozent der Angebote kostenpflichtig." Das nehme armen Kindern die Chance zur Teilhabe und verhindere Integration.

Auch beim Thema Schulkosten sieht Loeding Missstände. „Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, die im Oktober erscheint und die Zusatzkosten pro Schuljahr mit 1000 Euro pro Kind beziffert. Aus dem Bildungs- und Teilhabepaket bekommt jedes Schulkind aber nur 100 Euro pro Schuljahr“, so Loeding. Birgitt Zabel, erste Vorsitzende des Stormarner DKSB-Verbands, zeigt sich ebenfalls enttäuscht.

Stormarn sei ein starker Kreis, aber die Kinder hätten davon nichts. Zabel und Loeding sehen Kommunen, Kreis, Land, Bund und Gesellschaft in der Pflicht, an der Situation etwas zu ändern.

Stattdessen, so Loeding, werde gerade beschlossen, den Hartz IV-Betrag für Lebensmittel und Getränke bei Kindern bis sechs Jahre ab 2017 zu senken.

Der Deutsche Kinderschutzbund sieht nach wie vor eine Kindergrundsicherung als Basis an, um Kinderarmut wirksam in den Griff zu bekommen. „Wir müssen weg von der Förderung der Familie hin zur Förderung der Kinder“, verlangt Loeding. Aber auch die Kommunen seien gefordert.

„Die Politik bewegt sich“, erklärte Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach dazu. „In den letzten Jahren ist viel Geld in die Kinderbetreuung geflossen. Die Sensibilität für das Thema ist da, aber es gibt Grenzen.“ Kreispräsident Hans-Werner Harmuth ergänzte, dass die Kommunen da ansetzen müssten, wo sie etwas bewegen könnten. Der Kreis trage insofern viel bei, als er Flüchtlingen und deren Kindern einen Schutzraum biete. Loeding freute sich über das Engagement der Ahrensburger Schüler. „Hier wird das Thema Kinderarmut im Unterricht behandelt, vielleicht macht die nächste Generation mehr dafür, die Situation von armen Kindern zu verbessern.“

Bettina Albrod

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