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Stormarn Kinderarmut in Stormarn gestiegen
Lokales Stormarn Kinderarmut in Stormarn gestiegen
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19:13 20.09.2017
Florentyna (v.l.), Luise, Lars, Julian, Lilly und Nura von der Selma Lagerlöf Gemeinschaftsschule halfen Ingo Loeding dabei, 7100 Fähnchen zu stecken. Quelle: Foto: B. Albrod
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Ahrensburg

In diesem Jahr stecken rund 7100 Fähnchen für ebenso viele Kinder, die in einkommensschwachen Verhältnissen groß werden, auf der Schlosswiese in Ahrensburg. Die Zahl ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen, unter anderem deshalb, weil jetzt auch anerkannte Flüchtlinge Hartz IV bekommen.

Weltkindertag

Der Weltkindertag geht auf einen Beschluss der UN-Generalversammlung von 1954 zurück. Gestern wurde der Tag in Teilen Deutschlands begannen, wie auch in über 100 weiteren Ländern. An diesem Tag steckt der Kinderschutzbund seit 13 Jahren Fähnchen.

„Jedes Fähnchen ist im reichen Kreis Stormarn eines zuviel“, erklärt Ingo Loeding, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes. „Jedes sechste Kind bei uns ist von Armut betroffen.“ Damit liege Stormarn zwar leicht unter dem Bundestrend – da ist jedes fünfte Kind betroffen – aber angesichts einer immer weiter klaffenden Schere zwischen arm und reich sei das nicht hinnehmbar. „Gerade bei Alleinerziehenden sehen wir, dass 40 Prozent von ihnen in die Gruppe der Hartz-IV-Empfänger fallen.“

Das sei insbesondere bei den hohen Schulkosten ein Dilemma. „Zum ersten Mal hat es eine wissenschaftliche Studie dazu gegeben, was ein Kind pro Schuljahr kostet“, so Loeding, „danach fallen 1000 Euro pro Jahr extra an für Materialien, Sportsachen, Bücher, Ausflüge und andere Beteiligungen.“ Das Geld aus dem Bildungs- und Teilhabepaket für Hartz-IV-Empfänger sei mit 100 Euro pro Kind da viel zu gering angesetzt. „Das gilt seit 2007 und ist seitdem nicht mehr erhöht worden. Der Schulbesuch von Kindern ist für viele Familien zu einer nicht mehr zu leistenden finanziellen Belastung geworden.“

Eine Benachteiligung prangert Loeding auch beim Thema Kindergeld und Kinderfreibetrag an. „Kinder und Jugendliche, die Hartz- IV-Leistungen bekommen, sollen nur drei bis fünf Euro mehr erhalten, da das Kindergeld zu hundert Prozent auf das Sozialgeld angerechnet wird.“ Dadurch würden diese Kinder zusätzlich schlechter gestellt.

Hochburg bei der Kinderarmut ist nach wie vor Bad Oldesloe, wo im März 17,15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Bedarfsgemeinschaften lebten. Aber auch Glinde (16,45 Prozent), Reinfeld (11,67) oder Trittau (8,49 Prozent) weisen hohe Zahlen auf.

Aber Loeding sieht auch positive Signale. „Die Stadt Ahrensburg hat in diesem Jahr entschieden, das städtische Ferienprogramm für Kinder komplett kostenlos anzubieten.“ Loeding hofft, dass viele weitere Städte und Gemeinden diesem Beispiel folgen werden.

Die Fähnchensteckaktion soll für das Thema sensibilisieren und die Zahl der Betroffenen sichtbar machen. Seit einigen Jahren beteiligen sich Schüler von Ahrensburger Schulen an der Steckaktion, die dort Thema des Unterrichts ist. In diesem Jahr waren die Stormarnschule, die Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule und die Beruflichen Schulen Ahrensburg beteiligt.

„Wir freuen uns, dass wir für die Aktion die Schlosswiese zur Verfügung haben“, so Loeding, „das Schloss für Macht und Reichtum ist eine gute Kulisse für über 7000 Kinder im Kreis, die von Armut betroffen sind.“

Bettina Albrod

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