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Stormarn Kirche Siek: Zeitkapsel in Turmspitze gefunden
Lokales Stormarn Kirche Siek: Zeitkapsel in Turmspitze gefunden
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22:34 27.08.2018
Pastor Christian Schack zog unter anderem eine alte Ausgabe der LN aus dem Jahr 1954 aus der Zeitkapsel, die in der Spitze des Sieker Kirchturms verborgen war. Quelle: Fotos: B.albrod
Siek

2017 blies ein Sturm einen Tag vor dem Reformationstag den Wetterhahn von der Turmspitze der Sieker Friedenskirche. Der 17 Kilogramm schwere Vogel aus Kupfer schlug ein Loch in das Kirchendach und fiel dann daneben auf den alten Friedhof. „Damals kam gerade ein Feuerwehrmann aus der Gemeinde von einem Einsatz zurück und merkte, dass auf dem Turm etwas fehlt“, erzählt Sieks Pastor Christian Schack. „Er hat den Wetterhahn gefunden und bei mir geklingelt.“ Mit den Worten: „Ich bringe hier jemanden. . .“, lieferte der Finder den verbeulten Wetterhahn im Pastorat ab.

Ein Sturm hatte den Wetterhahn von der Turmspitze der Sieker Friedenskirche geweht. Jetzt wurde er repariert und von einem Steiger wieder auf den Turm gesetzt. Vorher war in der Turmspitze eine Zeitkapsel entdeckt worden, die am Sonntag geöffnet wurde. Darin lag auch eine LN.

Schnell war man sich im Kirchengemeinderat einig, dass der Vogel wieder aufs Dach sollte. Doch das war nicht so einfach. „Ein Gutachten war nötig, Gespräche mit der Versicherung, es mussten Angebote eingeholt werden und der Hahn musste repariert werden, weil er ziemlich verbeult war“, so Schack. Zunächst war geplant, den Wetterhahn mit einem Hubsteiger wieder auf den 53 Meter hohen Turm zu setzen, aber das Gerät war für den Untergrund zu schwer. Rund um die Kirche liegt der historische Friedhof, so Schack, da könne man nicht riskieren, dass der Hubsteiger einbreche.

Als zweite Lösung fand sich mit Henrik Meger ein Fachmann aus Rostock, der Schmied, Kirchturmspezialist und gleichzeitig ausgebildeter Industriesteiger ist. „Er ist durch eine Dachluke im Turm mit einem Seil nach draußen geklettert und hat sich dann wie mit einem Lasso Seil um Seil nach oben gearbeitet, um ein Gerüst an der Turmspitze anzubringen“, erläutert Gemeindesekretärin Andrea Rieckermann. Oben hat Meger die Kugel demontiert, auf der der Hahn befestigt war, und entdeckt, dass sich darin eine alte Zeitkapsel befindet. Von wann die Zeitkapsel ist, war das große Rätsel. „Es gibt historische Fotos, die die Kirche 1883 als Neubau mit Hahn nach einem Brand zeigen“, so Schack. Ob der gefallene Hahn der von 1883 war oder eine spätere Arbeit, zeigte sich dann am Sonntag, als die Zeitkapsel nach dem Gottesdienst geöffnet wurde.

Viele Sieker sahen zu, als Henrik Meger die alte Zeitkapsel vorsichtig aufschnitt. Pastor Schack zog anschließend eine Rolle Dokumente, Fotos und Zeitungen heraus, die das Rätsel lösten: „Die Zeitungen sind von 1954“, erklärte Schack. Ausgaben der regionalen Zeitungen, darunter eine LN vom 14. Februar 1954, kamen zutage. Auch diverse Fotos, eines von LN-Fotograf Raimund Marfels, das die Sieker Kirche zeigt, und eine „Hör Zu“ waren in der Kapsel sowie der Baubericht von 1954 mit Fotos der beteiligten Handwerker. „Der Hahn wurde 1954 neu auf die Spitze gesetzt, weil diese durch Rost abgeknickt war“, las Schack aus dem Baubericht vor. Im Hahn selber lag ein Täfelchen mit Namen, auch das auf 1954 datiert.

Weil der Hahn auch von 1883 hätte sein können, hatte Schack extra eine Dame dazugeladen, die Sütterlinschrift lesen kann. „Für alle Fälle ist auch ein Student hier, der Latein kann.“ Benötigt wurden deren Dienste dann doch nicht.

Die Reinstallation des Wetterhahns hat Pastor Schack mit einem kleinen Fest verbunden. Anwesende konnten die Dokumente sichten und ihre Namen auf ein Blatt schreiben, das mit in die neue Zeitkapsel kam. Die wurde in die Kugel gelegt und am Abend von Henrik Meger zusammen mit dem Hahn wieder auf der Kirchturmspitze befestigt. Dazu wurde der Hahn traditionell per Seilzug hochgebracht.

„Eigentlich haben katholische Kirchen einen Hahn auf der Turmspitze und evangelische ein Kreuz“, erläutert der Pastor. „Aber die Sieker Kirche gab es schon im 13. Jahrhundert, also vor der Reformation, vielleicht hat man das Motiv einfach beibehalten.“ Das erinnert an Petrus, der die Voraussage erfüllte, dass er Jesus dreimal verleugnen würde, bis der Hahn kräht. „Der Hahn ist ein schönes Zeichen, um uns daran zu erinnern, dass der Mensch fehlbar ist und trotzdem von Gott geliebt“, so Pastor Schack.

Gefährlicher Ort

Der Wetterhahn lebt gefährlich: 1880 wird die alte Sieker Kirche vom Blitz getroffen und brennt nieder.

1883 wird sie wieder geweiht.

1954 knickt ein Orkan die oberste Spitze des Kirchturms ab, später werden Risse im Gewölbe entdeckt.

1995 gibt es erneut heftige Sturmschäden am Turm.

2017 weht ein Sturm den Wetterhahn vom Kirchturm, am Sonntag wurde er wieder oben befestigt.

Bettina Albrod

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