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Kirche einmal anders: Ein Pastor to go

Sülfeld Kirche einmal anders: Ein Pastor to go

Pastor Steffen Paar geht als „Pastor to go“ auf Menschen zu und lässt sich für gemeinsame Arbeiten mieten. Das Echo auf die Aktion ist groß.

Sülfeld. /Grabau. Wenn nicht schon der Erzengel Gabriel der Schutzpatron der Müllmänner wäre, dann könnte das ab sofort Steffen Paar übernehmen: Der evangelische Pastor aus Sülfeld, der auch für die Kapelle in Grabau zuständig ist, war am Donnerstag im Rahmen seines Angebots „Pastor to go – Leih dir den Pastor“ in Sülfeld als Müllentsorger mit dem Müllwagen des WZV (Wege-Zweckverband der Gemeinden des Kreises Segeberg) unterwegs, um die Restmülltonnen zu leeren. Es war die 27. Aktion seit Dezember, die Paar als „Pastor to go“ mitgemacht hat. Davor hat er schon im Supermarkt gepredigt, Essen gekocht oder im Blaumann gearbeitet.

Das Konzept sieht vor, dass man den Theologen für gemeinsame Arbeit oder Aktivitäten anfragen kann. So sollen Alltag und Theologie zusammen kommen. Zu der Idee hat Steffen Paar unter anderem Martin Luther inspiriert. „Es gibt zwei Gründe für die Aktion“, so Paar. „Zum einen feiern wir dieses Jahr 500 Jahre Reformation. Das war ja eine Bewegung auf der Suche nach der Kirche bei den Menschen. Ich will mich auf Suche machen, wo die Menschen sind, leben und arbeiten, ihre Sicht der Dinge hören und kennen lernen.“

Zum anderen werde er wenig abgerufen, wenn es darum gehe, Lebensbegleiter zu sein. „Ich werde zum Teil dafür bezahlt, Zeit zu haben und da zu sein. Und das will ich wieder ins Licht rufen, um mit Menschen unterwegs zu sein.“ Paar geht auf die Menschen zu, bietet ihnen seine Arbeitskraft an und dazu ein offenes Ohr im Gespräch.

Talar, Talar, du musst wandern, heißt es also für ihn, auch wenn Paar am Donnerstag die orangefarbene Schutzkleidung der Müllentsorger trug. „Ich habe von „Pastor to go“ in der Zeitung gelesen und daraufhin angefragt, ob er kommt“, erklärt WZV-Vorsteher Jens Kretschmer, der sich über Paars Zusage freute. „Vorher hat es eine Sicherheitseinweisung gegeben.“ Auch Paar gefiel die Idee: „Ich finde es abseits der möglichen Begegnungen mit den Mitarbeitern spannend und in der Karwoche passend – zumal eine Dimension von Karfreitag und Kreuz auch die Frage nach der Entsorgung unseres inneren Seelenmülls ist“, so Paar zu der Aktion.

Mit „Pastor to go“ erreiche er die Menschen an anderen Orten. „Die Kirche wird auch weiterhin davon leben, dass Menschen aus ihren Häusern zusammenkommen und sich Gemeinschaft, Zeit und Worte schenken. Die umgekehrte Bewegung braucht es auch, also Menschen dort aufzusuchen, wo Gott ja auch ist.“ Er begegne Menschen, die nicht mehr zum Gottesdienst kommen könnten oder mit Kirche nichts mehr am Hut hätten, weil sie enttäuscht wurden oder für ihren Glauben die Institution nicht brauchten. Wie bringt er die Menschen zum Reden? „Gar nicht“, antwortet Pastor Paar. „Die Erfahrung zeigt, dass beim gemeinsamen Arbeiten das Reden ganz automatisch geschieht. Und das sogar entspannter, als wenn wir uns in meinem Büro gegenüber sitzen würden.“

Die Bandbreite der Themen ist groß. „Das variiert je nach Lebensphase der Menschen“, hat Paar die Erfahrung gemacht. Jüngere Menschen würden oft über das Thema Druck sprechen, also allem gerecht werden zu müssen, bei Älteren seien es oft Sinnfragen und die Angst vor Einsamkeit. „Es scheint mir so zu sein, dass der Bedarf reden zu wollen, groß ist, aber nicht jeder jemanden hat, mit dem er das gut kann.“ Eine Botschaft bringe er nicht mit. „Ich signalisiere erstmal nicht mehr als: Ich habe jetzt Zeit für Dich, ich höre, ich arbeite mit und bin gespannt, was passiert. Der Rest geschieht dann beim Arbeiten und Reden, und da sind dann manchmal auch Botschaften für mich dabei.“

Das Bild des Pastors als jemand, der mit dem eigenen Leben wenig zu tun habe, werde so hoffentlich ein wenig aufgebrochen. „Ich habe den Eindruck, dass diese Aktion neugierig macht und provoziert.

Die Begegnungen waren bisher allesamt absolut toll und ich habe viel gelernt.“

Steffen Paar zog auch diese Wiche nach der Mülltour eine positive Bilanz: „Viel Spaß, neue Einsichten über diese Arbeit, zwei sehr freundliche Müllwerker kennengelernt.“

Bettina Albrod

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