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Stormarn Kirchenführer Klein Wesenberg: Bildung im Vorübergehen
Lokales Stormarn Kirchenführer Klein Wesenberg: Bildung im Vorübergehen
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21:20 26.08.2016
Pastor Erhard Graf (l.) und Autor Klaus-Rainer Martin stellten die neue Broschüre zur Klein Wesenberger Kirche vor. Quelle: B. Albrod

Als in Klein Wesenberg noch die Slaven hausten, war der heutige Kirchberg Thingplatz und ihr besonderes Heiligtum. Im Zuge der Christianisierung durch Vicelin wurde dem heiligen Berg eine Kapelle übergestülpt, die von den Mönchen des Klosters Reinfeld später zu einer Kirche ausgebaut wurde. „Das Kloster hat damals Klein Wesenberg gekauft, weil es das Heiligtum haben wollte“, erklärt Pastor Erhard Graf. „Es gibt Besucher, die mir sagen, sie würden im Kirchenraum etwas spüren, das sei ein spiritueller Ort.“ Informationen wie diese lassen die Geschichte der Kirche lebendig werden, deshalb hat der Autor und Diakon Klaus-Rainer Martin, der seit 20 Jahren in Klein Wesenberg lebt, die wichtigsten Fakten rund um die Kirche aufgeschrieben. „Wissenswertes über die Klein Wesenberger Kirche“ ist der Titel der Broschüre, die vor allem bei Pilgern gefragt sein wird.

„Der Jakobsweg, der 2009 eröffnet wurde, bringt viele Besucher hierher, und sie wollen Informationen haben“, erläutert Pastor Graf, der die Fotos für das Heft gemacht hat. Fünf bis sechs Besucher am Tag, bis zu 150 Übernachtungen pro Jahr in der Pilgerherberge – neben dem Wandertrieb bringen die Besucher auch Wissensdurst mit. Jetzt erfahren sie, dass die alte Kirche durch einen Blitzschlag ins benachbarte Fährhaus abgebrannt ist, weil brennende Strohfetzen sie in Brand setzten. Elf Feuerwehrleute konnten sie nicht retten. 1884 wurde eine neue Kirche gebaut, die 1917 die große Glocke und 29 Orgelpfeifen für den Krieg geben musste. „1939 wurde der Trittauer Pastor nach Klein Wesenberg strafversetzt, weil er Hindenburg mit Moses verglichen hatte, einem Juden“, erzählt Martin, der die Archive nach Wissenswertem durchforstet hat. „Dessen Vorgänger war überzeugter Nationalsozialist, der dann Propst in Segeberg wurde.“

Martin weiß, dass die Hochzeitstreppe den Berg empor zur Kirche führt, damit Brautpaare nicht über den Friedhof laufen müssen, dass Feldsteine auf dem Ehrenfriedhof an die Gefallenen Klein Wesenberger in beiden Weltkriegen erinnern und dass der Gutsherr von Trenthorst anlässlich der Taufe seines Sohnes Jan Philipp Reemtsma 1953 in der Kirche die neuen Glocken spendete. Aus dem Brand gerettet wurde der alte Taufstein von 1650, das älteste Wertstück der Klein Wesenberger Kirche. Auch Altarkreuz, Opferstock und Wetke´sches Wappen – die Familie des Gutsherren auf Trenthorst – blieben erhalten.

„Unser Ziel ist es, künftig die Kirche tagsüber für Pilger und Besucher zu öffnen“, sagt Pastor Graf. „Das ist zurzeit nicht möglich, weil Turm und Dachstuhl abgesperrt werden müssen.“ Das Geld für die Baumaßnahme stehe bereit, das Projekt sei geplant, aber noch stünden die Entscheidung der Landeskirche und des Kirchenkreises dazu aus. „Wenn möglich, wollen wir die Kirche im Frühjahr 2017 öffnen.“

Die hat in den Augen von Erhard Graf auch großes Potenzial als Outdoor-Kirche. „Wir bedienen mit dem Jakobsweg das Thema Wandern, mit dem Radweg das Thema Fahrradfahren und mit der neuen Kanustation den Wassersport vorbei an Klein Wesenberg“, betont Graf. „Das sind drei stark frequentierte Wege, die an Klein Wesenbergs Kirche entlanggehen. Da bietet sich das Gotteshaus für einen Besuch an.“

Die neue Broschüre bietet einen Auszug aus der Arbeit von Klaus-Rainer Martin, der im vergangenen Jahr das Buch „Die evangelische Kirche in unruhigen Zeiten – über fünfzig Jahre deutsche Geschichte am Beispiel einer Dorfgemeinde 1901–1953“ veröffentlicht hat. Aus dem Verkaufserlös ist ein Teil als Spende für die Kirche gedacht.

Wissen in Kurzform

Die Broschüre „Wissenswertes über die Klein Wesenberger Kirche“ ist von Klaus-Rainer Martin geschrieben worden. Die Fotos darin stammen von Pastor Erhard Graf und aus dem Archiv.

Erschienen ist das Heft im Juli, Herausgeber ist der Kirchengemeinderat Klein Wesenberg. Es kostet fünf Euro, von denen ein Teil eine Spende für die Kirche ist. Auflage: 1000 Stück.

 Bettina Albrod

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