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Kleidung für zwölfköpfige Familie — nur ein großer Herd fehlt noch

Bargteheide Kleidung für zwölfköpfige Familie — nur ein großer Herd fehlt noch

Durch eine Sonderöffnung der Kinder-Kleiderkammer konnten die Afghanen versorgt werden.

Bargteheide. Diesen einen Tag im August wird Edelgard Sternberg aus Bargteheide nicht mehr vergessen: Die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Kleiderkammer des Kinderschutzbundes öffnete spontan die Tür, um die zwölfköpfige Familie Aimaq aus Afghanistan mit Kleidung zu versorgen. Außerhalb der Öffnungszeiten „standen sie da mit nichts anderem als ihrer Kleidung, die sie am Leib trugen. Das ging mir schon nahe“, erinnert sich die engagierte Helferin. Sie, das sind fünf Jungs und fünf Mädchen im Alter von fünf bis 22 Jahren, die gemeinsam mit ihren Eltern Amanullah und Bano Aimaq direkt aus Afghanistan eingeflogen waren.

Kontigentflüchtlinge sind die Zwölf, mit einer sofortigen Aufenthaltserlaubnis. Sie durchlaufen kein Asyl- und auch kein sonstiges Anerkennungsverfahren, sondern erhalten mit ihrer Ankunft sofort eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen, sie dürften sogar sofort arbeiten. Für diese Familie gab es eine besondere Verantwortung: Amanullah Aimaq hat für die Bundeswehr in Afghanistan gearbeitet, hat die Mischa-Meier-Brücke bewacht (siehe unten). Das wurde ihm und seiner Familie gefährlich, er wurde bedroht, die Taliban töteten Verwandte, zündeten schließlich das Haus seiner Familie an. Ihre einzige Rettung: Die Ausreise nach Deutschland. „Wir sind hier alle zusammen in Sicherheit“, erklärt der älteste Sohn Farid (22) dankbar. Sicherheit, dieses so einfache Wort, dieses so große Gefühl bestimmt das Leben der Familie, die alles hinter sich gelassen hat.

„Ich vertraue den Deutschen“, übersetzt der älteste Sohn die Worte seines Vaters Amanullah Aimaq. Schließlich habe er für sie gearbeitet, sie schon in seinem Heimatland kennen gelernt. „Ich bin froh, dass meine Kinder hier zur Schule gehen können, das war in Afghanistan nicht möglich.“ Das Geld reichte gerade für Farid, der in Indien ein Studium beginnen konnte. Aber selbst wenn das Geld gereicht hätte, „für die Mädchen wäre es zu gefährlich gewesen, zur Schule zu gehen.“ Das ist hier anders. Wie so viele andere Dinge auch. „Die Art zu leben“, sinniert Farid in fließendem Englisch, „unterscheidet sich so stark“. Aber, es sei gut so, wie es ist — die Sicherheit.

Farids Mutter Bano sieht natürlich die Sicherheit für sich und die Familie und ist dankbar dafür — aber ihr Leid ist groß. Gesundheitlich angeschlagen, sehnt sie sich nach ihrer Heimat. „Ich vermisse meine Verwandten, meine Familie“, erzählt sie leise, ihr Sohn Farid übersetzt ins Englische, doch auch so ist die Trauer hörbar, es braucht keine Übersetzung. Die Muter vermisst die Gespräche mit ihren Lieben in Afghanistan. „Sie kann sich hier mit niemandem unterhalten“, so Farid. Außer mit ihren Kindern und ihrem Mann. Einen Sprachkurs gibt es für das Ehepaar noch nicht, „vielleicht Anfang des Jahres“, erklärt Olaf Timmermann, der gemeinsam mit seiner Frau Nuran und einigen Paten die Familie betreut. Aber auch das wird nicht so einfach: Weder Bano noch ihr Mann sind zur Schule gegangen.

So bleibt Banos Herz schwer. Früh um vier Uhr steht die Mutter jeden Morgen auf und backt das traditionelle Brot für ihre Familie. So wie früher in Afghanistan, die Kinder sollen es nicht vermissen und gestärkt in den Kindergarten oder die Schule gehen. „Das Brot ist köstlich“, weiß auch Timmermann und erklärt: „Die Familie könnte einen großen Herd mit großem Ofen gebrauchen“. So etwas hat die Kleiderkammer des Kinderschutzbundes in Bargteheide nicht im Angebot. Aber alle wollen sich umhören — und auch wieder spontan helfen. So wie im Sommer, an diesem einen Tag, den Edelgard Sternberg nicht vergessen wird.

K. Kuhlmann-Schultz

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