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Stormarn Klein Wesenberg: Luther am Handy
Lokales Stormarn Klein Wesenberg: Luther am Handy
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20:10 17.06.2017
Klein Wesenberg

Die Nonne Katharina von Bora soll 1523 mit mehreren Gefährtinnen hinter Heringsfässern versteckt auf einem Planwagen aus dem Kloster Marienthron geflohen sein, ehe sie später die Frau von Martin Luther wurde. Die einprägsame Szene hat Erhard Graf, Pastor der Gemeinden Klein Wesenberg und Hamberge, zum Lutherjahr aus Playmobil nachgebaut.

Zum Sommerfest der Kirchengemeinde lädt Pastor Erhard Graf zur Fehlersuche.

Allerdings fliehen die Nonnen bei ihm in einem Heuwagen, in den der Pfarrer das Versteck gebastelt hat. „Fässer in der richtigen Größe habe ich nicht gefunden“, sagt er. Die Szene ist eine von zehn historischen Stationen auf dem Weg Luthers zum Reformator, die Graf in einer großen mittelalterlichen Playmobil-Stadt auf einer vier mal 1,2 Meter großen Fläche im Gemeindehaus verteilt hat, die Kindern und Jugendlichen anschaulich machen soll, wie es zu Luthers Zeiten zuging.

Da streitet Luther sich mit den Ablass-Händlern, an anderer Stelle flieht Luther auf die Wartburg, wo er sich als Junker Jörg versteckt hielt. Er sitzt in der Burg und übersetzt das Neue Testament, lässt sich von Lucas Cranach malen oder unterrichtet Studenten in seinem Seminar. Dazu zeigt ein Turm mit Fernrohr und Globus das Aufkommen der modernen Wissenschaft. Die klassische Szene zeigt Luther, wie er die 95 Thesen an die Kirchentür nagelt, dann wieder tobt in den Straßen der Stadt die Schlacht gegen die Türken. „Die Konfirmanden lasse ich manchmal die historischen Szenen suchen“, erläutert Graf. „Beim Sommerfest am 25. Juni werde ich Fehler in die Stadt einbauen, die die Kinder erkennen sollen.“ Luther mit Handy ist ein Beispiel dafür.

Die Playmobil-Stadt soll bis Ende des Jahres stehen bleiben, um im Lutherjahr über den Reformator zu informieren und zu zeigen, wie der Alltag damals ausgesehen hat. „Auch eine Druckpresse soll noch dazu kommen“, kündigt Pastor Graf an. Denn Gutenbergs Erfindung ist es zu verdanken, dass sich neues Gedankengut schnell ausbreiten konnte. Daneben hat Pastor Graf allerlei Materialien zu Luther von Bibeln über eine Spieluhr bis zu Zeichnungen ausgestellt, denn er ist selber von Luther geprägt. „Ich bin in der Lutherstadt Wittenberg geboren und im gleichen Taufbecken wie Luther getauft worden“, sagt Graf. Oft sei er damals an der Thesentür vorbei gegangen. „Im Predigerseminar war ich fast ein Jahr lang in Eisenach – da hat Luther die Lateinschule besucht.“ Hier übersetzte Luther auf der Wartburg das „Neue Testament“ ins Deutsche und warf mit dem Tintenfass nach dem Teufel. Zu sehen ist die Stube auch aus Playmobil.

Die Lutherfigur von Playmobil war so ein Renner, dass sie bei ihrem Erscheinen sofort vergriffen war. Jetzt ist sie wieder zu haben, nach einem theologischen Streit allerdings in veränderter Form, so Graf: „Die Figur hält ein Buch in der Hand, darin steht „Bücher des Alten Testaments Ende“ zeigt Graf die Ursprungsfigur. Gegen das Wort „Ende“ hatte die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau protestiert, weil sich das gegen das Judentum richte. Das Alte Testament sei mit dem Neuen Testament nicht am Ende, sondern habe weiterhin Bestand. „Mittlerweile hat der Hersteller die Figur geändert, das Wort „Ende“ wurde jetzt weg gelassen“, sagt Graf – Luther ist eben auch heute noch aktuell.

Die Kirche ist offen

Das Sommerfest der evangelischen Kirche in Klein Wesenberg am 25. Juni beginnt um 14 Uhr mit einem Gottesdienst. Anschließend gibt es im Gemeindehaus ein Festprogramm mit Gewinnspiel und echtem Lutherbier aus Wittenberg.

Die Kirche bleibt im Rahmen des Projekts „Tritt ein! – die Kirche ist offen“ ab 25. Juni auch außerhalb des Gottesdienstes geöffnet.

Bettina Albrod

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