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Stormarn Knapp sechs Jahre für den Messerstecher
Lokales Stormarn Knapp sechs Jahre für den Messerstecher
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20:10 02.07.2013
Von Uwe Krog
Am 14. November vergangenen Jahres hatte der 68-Jährige elfmal auf seine Frau eingestochen. Anschließend schlug er ihren Kopf auf den Fußboden. Die Spurensicherer, die hier gerade den Tatort in Bargtheide betreten, fanden eine blutüberströmte Wohnung vor. Quelle: Fotos: jeb*, ukk (2)
Bargteheide

Fünf Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe lautet das Urteil für den 68-jährigen Bargteheider Rentner, der seine Frau im November vergangenen Jahres mit elf Messerstichen ums Leben bringen wollte.

Ein Urteil, das der Angeklagte selber akzeptiere, wie sein Pflichtverteidiger Dr. Stefan Tripmaker hinterher sagte. Von Ausgewogenheit spricht Wahlverteidiger Christian Schumacher. „Wir gehen mit Sicherheit nicht in Revision.“ Auch die Staatsanwältin „kann mit dem Urteil leben“. Sie hatte zwar sieben Jahre Haft für versuchten Mord in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung gefordert, hält das Strafmaß aber „für vertretbar“.

Mildernd wirkte auf jeden Fall der, wie Richter Christian Singelmann ausführte, „vorbildliche“ Täter-Opfer-Ausgleich. Der von Nebenklagevertreter Frank-Eckhard Brand eingereichte Vergleich sieht vor, dass der Verurteilte seiner inzwischen von ihm geschiedenen Frau 93 000 Euro zahlt. Fast sein gesamtes Vermögen hat er ihr überlassen. Darin sieht die Erste Große Strafkammer am Lübecker Landgericht seine Bereitschaft, „das Leid des Opfers zu mildern“. Und die Frau erkenne dies als Geste der Versöhnung an.

Strafmildernd wirkte zudem, dass der Mann zu seinem Fehlverhalten stehe. „Sie haben nicht versucht, die Verantwortung abzulehnen“, sagte Singelmann. Die Kammer habe gesehen, „dass solche Delikte nicht zu ihrem Leben gehören“. Die Tat sei für den Angeklagten „persönlichkeitsfremd“. In der Tat war der Rentner nie zuvor strafrechtlich in Erscheinung getreten. Er war in dieser Ehe auch nie gewalttätig geworden.

Bis zu jenem Novembertag, als der Mann mit einem 14 Zentimeter langen Messer auf seine unter der Dusche stehende Frau elfmal einstach — und sie lebensgefährlich verletzte. Sie würde nicht mehr leben, hätte sie sich nicht tot gestellt, hätten von den lauten Schreien alarmierte Nachbarn nicht die Polizei gerufen. Sein Motiv waren ihre Scheidungsabsichten, mit denen er nicht fertig wurde. „Du hast mein ganzes Leben zerstört“, schrie er.

Aber das Opfer hat sich bis heute nicht erholt. Mehrfach musste die Frau operiert werden. Sie hat bleibende gesundheitliche Schäden, darf keinen Sport mehr treiben, meide öffentliche Veranstaltungen — und leide unter Dunkelangst.

Seine Erinnerungsstörungen an die Tat wertet die Kammer als Verleugnung. So könne er sich zwar nicht mehr an den Tathergang, jedoch an die Ankunft der Polizisten erinnern. Das glaubte ihm das Gericht nicht. Und es nahm ihm nicht ab, dass er am Abend zuvor im Keller einen vergeblichen Suizidversuch unternommen haben will. Sein Verhalten danach, er legte sich nach eigenen Angaben neben seine schlafende Frau, passe nicht zu einer solchen Verzweiflung.

Präzise hatte die Kammer bei ihrer Urteilsfindung das Geschehene auf alle Kriterien eines heimtückischen Mordversuchs durchleuchtet. Am Ende befand der Richter, dass es sich nicht um eine Effekttat gehandelt habe, dazu sei die Dauer seines brutalen Vorgehens viel zu lang gewesen. Bei guter Führung, sagt Verteidiger Tripmaker, habe der 68-Jährige eine Chance, vielleicht nach vier Jahren vorzeitig entlassen zu werden.

Uwe Krog

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