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Kohl, Kürbis und Karotte: Reiche Ernte aus kleinen Gärten

Bad Oldesloe Kohl, Kürbis und Karotte: Reiche Ernte aus kleinen Gärten

Alles Bio bei Oldesloer Hobbygärtnern. Natur als Gegenpol zum verkopften Job.

Bad Oldesloe. „Beim Garten ist es wie an der Börse. Am besten man streut die Anlagen“, sagt Holger Küssner und gießt noch ein wenig Wasser aufs Beet. Hätte er ausschließlich auf Kartoffeln gesetzt, wäre sein Ernte-Portfolio mehr als mager ausgefallen. Denn die Knollen wollten nicht so wie er. Doch der 69-Jährige, der einen Kleingarten am Brenner Moor in Bad Oldesloe liebevoll beackert, war schlauer und pflanzte mehrere Gemüsesorten. Die Bohnen sprossen schon so reichlich, dass er bereits dreimal ernten konnte. „Möhren und Salat sind zwar klein — aber dafür schmecken sie gut und ich weiß, was drin ist“, sagt Küssner.

Einige Kilometer Luftlinie entfernt steigt weißer Rauch neben akkurat gestutzten Koniferen auf. In der gepflegten Parzelle an der Industriestraße gibt‘s heute fleischliche Kost. Die Steaks bruzzeln auf dem Grill vor sich hin, während Roman Osada noch einen Blick auf seine Pflanzen wirft. „Das sollte eigentlich ein Kohlrabi werden. So stand es nämlich auf der Packung“, sagt er und umarmt einen dicken Rotkohlkopf. Das Samentütchen war wohl falsch ausgezeichnet worden. Anfangs hatte er sich gewundert, dass sich keine Knollen bilden bis er feststellte, dass er da eine ganz andere Pflanze heranzog.

Vor drei Jahren entdeckten Roman Osada (51) und Manuela Finnern (42) ihre Leidenschaft fürs Gärtnern. Beide sind beruflich sehr stark eingespannt, pendeln zur Arbeit nach Elmshorn und Kiel. Da bieten die Stunden im Garten eine willkommene Abwechslung. „Ich bin als Berater tätig und ein wenig verkopft. Ich befasse mich nur mit theoretischen Dingen“, erzählt Roman Osada. Das Unkrautjäten, Pflanzen und Ernten stehe ganz im Kontrast dazu. „Dabei kann man etwas anfassen, sich körperlich verausgaben“, erzählt er.

Nicht zuletzt genießen es die beiden, das Wachstum der Pflanzen zu verfolgen. Sie schwören darauf, nur naturbelassenes Gemüse zu ernten. Dünger kommt bei ihnen nicht in den Boden, allenfalls eine gehörige Portion Kompost.

Dora David aus der Parzelle von gegenüber ist stolz auf ihren Riesenkürbis. Doch sie kann ihn nicht richtig präsentieren. Das voluminöse Teil hat sich ausgerechnet zwischen die Kompostkiste und den Zaun zum Nachbargarten angesiedelt und lässt sich nicht gut fotografieren. Die 71-Jährige gärtnert nach einem ausgeklügelten Plan und hält sich streng an die Fruchtfolgen: pflanzt sie in einem Jahr Kartoffeln, sind im nächsten Jahr Erbsen dran. Und damit sich der Boden von all den Strapazen erholen kann, gönnt sie ihm dann und wann eine Gründüngung mit Senfsaat. Die ausgereiften Pflanzen werden einfach untergepflügt und spenden wieder reichlich Nährstoffe für die nächste Saison.

In punkto Vielfalt kann die Rentnerin in ihrem Garten so einiges vorweisen. Außer Kartoffeln, Johannisbeeren, Zwetschgen und Äpfeln — die in dieser Saison übrigens zu Hunderten am Baum hängen — zieht sie Möhren, Radieschen und auch Grünkohl. Letzerer muss erst Frost abbekommen, bevor sie ihn ernten kann.

Doch damit nicht genug. Im Gewächshaus baumeln beachtliche Gurken von der Stange und auch die Tomaten dürften für reichlich Salatbeilage sorgen. „Es macht einfach Spaß zu sehen, wie alles wächst und gedeiht. Und wenn es dann Apfelkuchen gibt mit reichlich Streusel obendrauf. Dann ist das einfach ein Gedicht“, sagt die Hobbygärtnerin und schließt verzückt die Augen.

Dorothea von Dahlen

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