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Stormarn Kollekte: Pastoren in Zarpen finden viel Fremdwährung im Klingelbeutel
Lokales Stormarn Kollekte: Pastoren in Zarpen finden viel Fremdwährung im Klingelbeutel
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12:30 23.12.2018
Die Pastoren in Zarpen haben über viele Jahre gesammelt, was an fremder Währung im Klingelbeutel gelandet ist. Quelle: Bettina Albrod
Zarpen/Klein Wesenberg

Die evangelische Kirche hat in der Oberlausitz jetzt den ersten digitalen Klingelbeutel präsentiert: Die Technik im Rahmen macht es möglich, dass die Kollekte im Gottesdienst auch per Kredit- oder EC-Karte erfolgen kann. Wenn sich das bargeldlose Spenden durchsetzt, werden künftig ein paar Überraschungen beim Zählen der Kollekte wegfallen: In Zarpen sammeln die Pastoren seit Jahrzehnten Münzen aus der Kollekte, die nicht in den Klingelbeutel gehören.

Schon die Vorgänger haben gesammelt

„Drei Kästchen voll haben wir schon“, zeigt Pastor Nils Wolffson die Münzsammlung der Zarpener Kirche. „Ich weiß nicht, seit wann gesammelt wird, das haben auf jeden Fall schon meine Vorgänger gemacht.“ Der Griff in den Samtbeutel fördert nach dem Gottesdienst immer wieder mal Ungewöhnliches zutage. „Auch der klassische Knopf war schon dabei, und manchmal liegen kleine Zettelchen mit im Beutel, die sich wohl in der Hosentasche verfangen hatten.“ Im Kirchenbuch finden sich Bemerkungen wie: „70 Euro und zehn Pfennig“: D-Mark und Pfennige seien häufiger dabei, hat der Pastor beobachtet.

Resterampe oder Folgen der Globalisierung? Die Pastoren in Zarpen haben über viele Jahre gesammelt, was an fremder Währung im Klingelbeutel gelandet ist.

Tatsächlich aber sind die meisten Münzen weit gereist. „Es gibt viele Münzen aus anderen Ländern, die im Klingelbeutel landen“, so der Pastor. Dahinter stecke nicht immer Absicht: „Einige sind sicher versehentlich hinein gekommen, weil sie für unscharfe Augen wie Euro-Münzen aussehen.“ Andere zeugen vom jüngsten Urlaub und dem Gedanken: Hauptsache, es klingelt im Beutel. Wolffson fischt dänische Kronen, eine D-Mark, portugiesische Escudo, spanische Peseten, zehn Groschen aus Österreich, französische Franc, isländisches Münzgeld und einen jugoslawischen Denar heraus. Schweizer Franken sind vertreten, und auch eine Gedenkmünze hat es in die Sammlung geschafft. Nikolai Kopernikus lächelt von einem polnischen Zehn-Zloti-Stück, DDR-Münzen, Geld aus Japan, Münzen aus Französisch-Polynesien und Kanada sind dabei, und die USA sind mit Dime und zwei halben Dollar vertreten.

„Wenn ich Zeit habe, werde ich die Münzen in Lübeck einem Münzhändler vorlegen, um zu sehen, ob besondere Stücke dabei sind“, plant der Pastor. Mit einem Schatz rechnet er nicht, wahrscheinlicher sei, dass man an den Münzen ablesen könne, wo die Zarpener Urlaub gemacht hätten. „Viele denken sicher auch, dass es egal ist, welche Währung man spendet.“ Ihn interessiert auch, wie weit die Sammlung zurück reicht. „Es sind viele europäische Münzen dabei, die es seit der Einführung des Euro nicht mehr gibt.“

Kollekte als Fundraising

Die Praxis der Kollekte, so Wolffson, sei schon in der Bibel beschrieben. An Heilig Abend wird traditionell für „Brot für die Welt“ gesammelt. „Die Kollekte ist ein Akt der Nächstenliebe und der Solidarität“, so der Pastor, „es ist mehr als nur Geld sammeln. Der Geber trägt zur Veränderung bei.“ Wie man die Kollekte richtig ankündigt – das lernen Pastoren in Fortbildungen. „Das Ganze steht unter dem Stichwort Fundraising“, erläutert Wolffson. Man müsse konkret werden, betont Wolffson. „Wenn man allgemein sammelt, ist das nicht so überzeugend, als wenn man sagt, zehn Euro ermöglichen einem Kind in einem anderen Land eine Woche Schulbesuch.“

Für das Zählen der Kollekte gilt das Vier-Augen-Prinzip. „Wir zählen immer zu zweit, die Summe wird dokumentiert, und das Geld kommt in einen Tresor.“ Andere Gemeinden würden auch Spendenmarken verkaufen. Man kaufe 50 Ein-Euro-Marken und lege die nach und nach in den Klingelbeutel. Denn das Zählen der vielen Münzen sei mühsam und koste viel Zeit.

Pastor Erhard Graf hat den alten Opferstock der Kirche in Klein Wesenberg im Turm gefunden und wieder aktiviert. Quelle: Bettina Albrod

Pastor Erhard Graf aus Klein Wesenberg bestätigt das. „Wir bitten immer wieder darum, keine Cent-Münzen in die Kollekte zu legen, denn nach den Landeskirchlichen Richtlinien muss unmittelbar nach dem Gottesdienst unter Zeugen die Kollekte gezählt werden, obwohl eigentlich alle zu ihren Familien wollen, beziehungsweise der Pastor zur nächsten Kirche muss.“ Ein Kollege habe einmal die Weihnachtskollekte mit einem Fischernetz eingesammelt, damit die kleinen Münzen durchfallen, aber das habe viel Ärger gegeben.

Auch Pastor Graf kann mit einem besonderen Kollekten-Fund aufwarten: Bei Bauarbeiten am Kirchturm 2017 wurde in einer dunklen Ecke der Kirche von Klein Wesenberg ein alter Opferstock entdeckt. Beim Restaurieren kam noch eine Silbermünze von 1875 zum Vorschein. Ansonsten finde auch er Devisen. „Regelmäßig mit dabei sind DM-Münzen in allen Stückelungen und gern auch Münzen aus Urlaubsländern.“

Sammeln für den Tempel

Die Kollekte ist eine Geldsammlung für karitative Zwecke, die schon im Alten Testament belegt ist. Im 2. Buch der Könige wird erwähnt, dass im Tempel Geld gesammelt wird, das für die Ausbesserung der Risse im Tempel verwendet werden soll. Auch im Römerbrief des Apostels Paulus wird die Kollekte genannt.

In den Gemeinden der evangelischen Landeskirche wird per Klingelbeutel, am Ausgang oder mit einem Opferstock Geld gesammelt. An Heilig Abend ist die Kollekte stets zu Gunsten von „Brot für die Welt“ gedacht.

Bettina Albrod

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