Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Kommen noch 4400 Flüchtlinge?
Lokales Stormarn Kommen noch 4400 Flüchtlinge?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:38 16.03.2016
Dort, wo früher die Familienkasse Nord in Bad Oldesloe untergebracht war, leben heute Flüchtlinge. Die Räumlichkeiten wurden zur Gemeinschaftsunterkunft umfunktioniert. Platz ist für etwa 70 Personen. Quelle: K. Kuhlmann-Schultz

Es ist immer noch ein Kraftakt, auch wenn es gerade sehr wenig Zuweisungen gibt: Der Kreis Stormarn hat im vergangenen Jahr 2336 Flüchtlinge und Asylbewerber aufgenommen. Das waren 1132 mehr als ursprünglich geplant. Zwar gibt es noch keine aktuellen Hochrechnungen vom Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein, aber in Stormarn wird damit gerechnet, dass in diesem Jahr bis zu 4420 Asylsuchende ankommen. In der Vergangenheit haben die Kommunen es immer geschafft, die Menschen unterzubringen. Die Frage ist, ob das so bleibt.

„Bisher ist es uns immer gelungen, die Menschen unterzubringen. Wir haben jetzt einen gewissen Vorrat geschaffen“, erklärt der Leiter des Bad Oldesloer Bürgerbüros, Thomas Sobczak. Im Mai sei das ehemalige Schwesternwohnheim bezugsfertig. Dort stünde dann Wohnraum für 100 Personen bereit. Der meiste Platz ist für Einzelpersonen, es gibt aber auch vier Wohnungen für Familien. „Wir gehen nicht davon aus, dass das Heim auf einen Schlag belegt sein wird“, vermutet Sobczak. In den vergangenen Wochen habe es wenig Zuweisungen gegeben, so dass drei Wohnungen, die von der Stadt angemietet worden seien, noch leer stünden. Hier sollen Flüchtlingsfamilien untergebracht werden. Ziehen die Familien ein, wird die Miete im Rahmen der Kosten der Unterkunft des Asylbewerberleistungsgesetzes gezahlt, die Stadt hat finanziell den Rücken frei. Solange jedoch keine Flüchtlinge dort leben, muss die Stadt Bad Oldesloe die Miete selbst zahlen.

Bad Oldesloe ist nicht die einzige Kommune, die Wohnungen vorhält. Auch in Ammersbek oder im Amt Trittau gibt es freie Kapazitäten — bedingt dadurch, dass in den ersten beiden Monaten dieses Jahres gerade einmal 280 Flüchtlingen kamen. „Wir haben aktuell nicht den Druck, sind für die kommenden zwei bis drei Monate gut gerüstet und können schnell reagieren“, so Amtsvorsteher Ulrich Borngräber.

„Aber für die Gemeinden wird dies ein teurer Spaß, denn es gibt erst Geld, wenn die Unterkünfte belegt sind.“

Gleichwohl: „Wir gehen davon aus, dass wir weiterhin Luft holen können, eine Entwarnung ist das aber nicht“, erklärt Margot Sinning, Vorsitzende des Kreissozialausschusses, der Montag tagte. Ihr ist noch ein anderes Thema wichtig: Da unzählige Anträge auf Asyl beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge liegen würden, andere Flüchtlinge noch gar keine Möglichkeit gehabt hätten, ihre Anträge zu stellen, „sind die Kommunen gekniffen“. Denn die Integrationspauschale von 2000 Euro, die die Kommunen für die Betreuung der Flüchtlinge bekommen „zehrt sich auf“.

Die Leiterin des Fachbereichs Soziales und Gesundheit beim Kreis, Dr. Edith Ulferts, hofft, dass der „worst case“ mit 4420 Flüchtlingen nicht eintritt. „Ab April sind uns 85 Personen wöchentlich angekündigt, dann würden wir auf etwa 3000 Personen kommen.“

Freiwillige Ausreise

Es gibt auch Flüchtlinge im Kreis Stormarn, die einen Antrag auf freiwillige Ausreise stellen. Über ein humanitäres Programm vom Bundesinnenministerium, das Rückkehrer fördert und auch eine Starthilfe gibt, sind allein im vergangenen Jahr 58 Personen wieder in ihre Heimat Albanien, Mazedonien und Serbien gereist.

In diesem Jahr wurden bereits 33 Anträge auf freiwillige Ausreise gestellt. Die Antragsteller haben ihre Wurzeln in Albanien und dem Irak.

Von K. Kuhlmann-Schultz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf LN-Leser ist Verlass: Sie waren aufgefordert, bei einem Online-Voting der Oldesloer Schülerband Small Steps ihre Stimme abzugeben.

16.03.2016

Bau der A 21 und der S 4 — In Berlin wurde gestern der Bundesverkehrswegeplan vorgestellt — Politiker erfreut.

16.03.2016

Von vielen noch weitgehend unbemerkt, bereitet Bad Oldesloe sich auf ein europäisches Großereignis vor, den Easi-Cup (European Association for Sport and Social Integration).

16.03.2016
Anzeige