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Stormarn Korn für Korn: Bauern stehen Schlange beim Landhandel Ströh
Lokales Stormarn Korn für Korn: Bauern stehen Schlange beim Landhandel Ströh
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20:14 22.08.2016
Probe einer Rapsfuhre: Die schwarzen Samen werden bei Ströh getrocknet, gelagert und zur Ölmühle nach Hamburg gebracht.

Hochbetrieb am Oldesloer Silo von Landhandel Ströh. Seit Tagen stehen die Bauern Schlange, um ihr Erntegut abzuliefern. „Wenn das Wetter mitspielt, ist der größte Teil der Ernte diese Woche eingefahren“, sagt Vertriebsleiter Christian Wegner.

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Hochsaison im Landhandel: Landwirte fahren Getreide und Raps zum Einlagern ins Silo. Die Bauern leiden unter der schlechten Ernte.

Ab mittags rollt ein Trecker nach dem anderen auf dem Vorplatz in der Turmstraße an. Die meisten von ihnen ziehen zwei Hänger, die randvoll mit Getreide beladen sind. Gerade fährt Christian Schmidt vom Labenzer Lohnunternehmen Ernst Martens mit einer Fuhre Weizen aus Rondeshagen vor. Mit dabei Sohn Connor, für den die Ernteeinbringung eine spannende Ferienbeschäftigung ist. „Am besten finde ich das Treckerfahren“, sagt der Achtjährige freudestrahlend.

Bei der Ankunft werden die Hänger als erstes gewogen. „ Die Differenz zwischen Ein- und Ausgangsgewicht ergibt dann das Gewicht der abgelieferten Ernte“, erklärt Wegner. Anschließend taucht ein Sauger an verschiedenen Stellen in jede Fuhre, um eine repräsentative Probe zu entnehmen. Im betriebseigenen Labor nimmt Thorge Schnackenbeck das Korn unter die Lupe – er prüft den Proteingehalt und die Feuchtigkeit. Gerade hat er eine Rapsprobe in Arbeit. Elf Prozent Feuchtigkeit zeigt sein Gerät an. „Das Soll liegt bei neun Prozent – das heißt: Die Samenkörner müssen noch getrocknet werden, bevor sie gelagert werden können“, so Schnackenbeck. Entsprechend gestaltet sich der Preis, den der Landwirt für sein Erntegut erhält. Um etwaige Unstimmigkeiten auszuschließen, wird beim Landhandelhandel Ströh von jeder Anlieferung ein Rückstellmuster genommen.

Nachdem auch die Fuhre von Christian Schmidt und Sohn Connor untersucht und gewogen wurde, fahren die beiden mit ihrer Ladung zum Abliefern. Die Ladeklappe wird geöffnet und dann fällt der Weizen durch ein Gitter auf ein ratterndes Förderband, das die goldgelben Körner in die entsprechende Silozelle transportiert.

„Die Annahmeleistung liegt bei 200 Tonnen in der Stunde“, sagt der Vertriebsleiter. Immerhin 35000 Tonnen passen ins Silo. Angeliefert werden in Bad Oldesloe zu 70 Prozent Gerste und Weizen aus der Region, der Rest sei größtenteils Raps. „Hafer und Roggen ist so marginal, das spielt bei uns keine Rolle“, weiß Wegner.

Auch über die Ertragsmengen der diesjährigen Ernte kann der Vertriebsleiter bereits ein Urteil fällen: „Es ist eine schlechte Ernte. Wir haben 30 Prozent weniger Raps, 25 Prozent weniger Gerste und 15 Prozent weniger Weizen als im vergangenen Jahr und im Fünfjahresschnitt.“ Das bedeute ein Fünftel weniger Einnahmen für die Landwirte. Grund sei der viele Regen und schlechte Aussaatbedingungen im vergangenen Jahr. Das sei schon „harter Tobak“ und bringe viele Bauern weiter in Bedrängnis. „Vielen Ackerbauern geht jetzt auch das Geld aus. Sie fahren Verluste ein“, weiß Wegner. Zudem seien die Weltmarktpreise in diesem Jahr extrem niedrig. „Unsere Landwirtschaft ist von den Weltmarktpreisen abhängig. Immerhin 50 Prozent des Weizens werden exportiert – nach Saudi- Arabien, Iran und Nordafrika.“

Doch auf dem Weltmarkt sei Russland tonangebend. „Die Russen hatten eine exorbitante Ernte, die beste Weizenernte, die sie jemals eingefahren haben. Und die werden natürlich exportieren nach allen Regeln der Kunst. Vor allem, weil sie durch die fallenden Ölpreise unter Druck geraten sind.“ Die Perspektiven für die deutschen Landwirte seien deshalb sehr angespannt. „Das kann auf Dauer nicht gut gehen“, befürchtet Wegner.

Landhandel Ströh

Am 21. Februar 1896 kaufte Johannes Ströh die Kornmühle an der Trave im Stadtkern – für 120 000 Goldmark. Aus der klappernden Mühle ist ein großes Industrieunternehmen geworden.

1907 stellte Johannes Ströh als einer der ersten Mischfuttermittel her und begann mit Düngemitteln zu handeln. Aus diesen Anfängen entstand ein Landhandelsgeschäft, womit sich die Partnerschaft mit der Landwirtschaft begründete. Heute ist der Landhandel Ströh eine hundertprozentige Tochter von Stöfen in Wesselburen (Dithmarschen).

Britta Matzen

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