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Krankenpflegeschülerin fällt durch alle Netze

Klein Wesenberg Krankenpflegeschülerin fällt durch alle Netze

Mutter aus Klein Wesenberg kann ihren Lebensunterhalt nicht mehr finanzieren. Behörden verweigern jegliche Beihilfe.

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Anatomieunterricht an der Akademie der Uniklinik Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck: Karin Götsch ist froh, die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolvieren zu dürfen.

Quelle: Foto: von Dahlen

Klein Wesenberg. Um ein Haar hätte die Familie im Dunkeln gesessen, ohne funktionstüchtigen Kühlschrank, ohne heißes Wasser. Der Stromanbieter stand kurz davor, ihr den sprichwörtlichen Saft abzudrehen. Die monatlichen Einkünfte der Familie hatten wieder einmal nicht gereicht, um die Rechnung pünktlich zu begleichen. In letzter Minute gelang es Karin Götsch dann doch noch, einen Aufschub zu erwirken.

Seit die 44-jährige Klein Wesenbergerin sich dazu entschlossen hat, noch einmal beruflich durchzustarten, um nicht mehr länger von staatlichen Hilfen abhängig zu sein, reicht ihr Geld reicht hinten und vorne nicht, um den Lebensunterhalt für die fünfköpfige Familie zu bestreiten. Ihr Ehemann hat auch vor geraumer Zeit seine Arbeit verloren und kann somit kaum etwas dazu beisteuern. Dabei war die Mutter von drei Söhnen guten Mutes, sich in absehbarer Zeit aus dieser finanziellen Misere befreien zu können.

Einen richtigen Motivationsschub bekam Karin Götsch vor drei Jahren. Damals hatte sie sich an das Jobcenter gewandt, um als Ein-Euro-Jobberin in der Altenpflege etwas hinzuzuverdienen. Die Arbeit gefiel ihr so gut, dass sie beschloss, eine sechsmonatige Ausbildung zur Pflegehelferin zu absolvieren. Das Lernen fiel ihr leicht und so fasste sie den Plan, sich weiter zu qualifizieren. Mit einer dreijährigen Ausbildung zur examinierten Gesundheits- und Krankenpflegerin (ehemals Krankenschwester), würden ihre existenziellen Sorgen endgültig der Vergangenheit angehören, dachte sie. Das Jobcenter erklärte ihr, dass es nur zweijährige Ausbildungen finanzieren könne. Um auch während des dritten Lehrjahrs über die Runden zu kommen, müsse sie sich einen externen Geldgeber suchen. Wer das sein könnte, sagte man ihr nicht.

Karin Götsch wollte indes nicht klein beigeben und suchte nach einer Alternative. Als sie hörte, dass die Akademie der Universitätsklinik Schleswig-Holstein (UKSH) eine Ausbildung im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege ermöglicht, nahm sie dieses Angebot an. Die Einrichtung zahlt die schulische Ausbildung und gewährt eine Vergütung. Da Letztere während der Lehrzeit wie in den meisten Berufen nicht auskömmlich ist, suchte Karin Götsch nach Möglichkeiten, eine Beihilfe zu bekommen.

Doch da kannte sie den bürokratischen Dschungel noch nicht. Eine Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) wäre ihr allenfalls zugebilligt worden, wenn sie eine Schule nach dem Altenpflegegesetz besuchen würde, Bafög bekommt sie nicht, weil ihr Jüngster schon zehn Jahre alt ist und der Versuch, ihr Einkommen über das Jobcenter aufzustocken, scheiterte ebenfalls. Denn aufgrund ihrer Ausbildung steht Karin Götsch nicht für die Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, Hartz IV bekommt sie deshalb nicht. „Mit den Geldsorgen stehe ich nicht allein. Viele meiner Mitschüler leiden darunter“, sagt Karin Götsch.

Das bestätigt auch Ute Stahl. Sie hat die Gesamtleitung der UKSH-Schulen in Lübeck und Kiel inne. Gerade Frauen, die versuchen, einen beruflichen Einstieg zu schaffen, würden von den derzeit geltenden gesetzlichen Regelungen besonders hart getroffen. Die Vergütung für Auszubildende könne naturgemäß nicht so hoch sein, wie für eine ausgebildete Kraft. Für jüngere Leute, die vielleicht noch bei ihren Eltern wohnen oder von ihnen finanziell unterstützt werden, sei das kein Problem. Doch Frauen, die eine Familie ernähren müssten, stünden vor einem Riesenproblem.

„Dabei verstehe ich die Politik nicht. Eine examinierte Schwester bekommt überall Arbeit. In vielen Krankenhäusern wird dringend Personal gesucht und die Frauen bekämen die Chance, ihre Lebenssituation so zu verbessern, dass sie keine staatlichen Beihilfen mehr brauchen“, sagt Ute Stahl.

Sven Rieken vom Jobcenter Stormarn bestätigte, dass die Rechtslage bei Ausbildungen in der Krankenpflege sehr kompliziert ist. Im Bereich der Altenpflege dagegen finanziere die Behörde eine dreijährige Ausbildung.„Ich kann nur empfehlen, einen Widerspruch gegen schon ergangene Bescheide einzulegen und noch einmal einen Antrag zu stellen“, sagte Sven Rieken.

„„Mit den Geldsorgen stehe ich nicht allein. Viele meiner Mitschüler leiden darunter.“


Karin Götsch, Krankenpflegeschülerin

Dorothea von Dahlen

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