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Krebsatlas bildet Fälle in Stormarn ab

Interview Krebsatlas bildet Fälle in Stormarn ab

Es gibt keine Häufungen. Aber die Zahl wird altersbedingt steigen. Ein Interview mit Dr. Ron Pritzkuleit, der das Register mit aufgebaut hat.

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Bad Oldesloe. Das Krebsregister Schleswig-Holstein erfasst seit 1998 für das ganze Land die Krebsneuerkrankungen. Ärzte in Schleswig-Holstein sind gesetzlich verpflichtet, Krebserkrankungen an das Krebsregister zu melden. Das unterliegt höchsten Datenschutzanforderungen, veröffentlicht werden regelmäßig die aufbereiteten Daten in Berichten und im Internet unter der Adresse www.krebsregister-sh.de/index_rs.html). Dr. Ron Pritzkuleit hat das Register mit aufgebaut.

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Es gibt keine Häufungen. Aber die Zahl wird altersbedingt steigen.

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LN: Gibt es in Stormarn einen Schwerpunkt bei Krebserkrankungen?

Dr. Ron Pritzkuleit: Weder der Kreis Stormarn noch irgendeine Gemeinde innerhalb des Kreises zeigen besondere Auffälligkeiten. Für einige Krebsarten zeigt sich eine Art Zweiteilung zwischen dem Hamburg-nahen Südwesten und dem Lübeck-nahen Nordosten. Meist sind die Raten im Nordosten etwas höher als im Südwesten (etwa beim Lungenkrebs, beim Darmkrebs und beim Gebärmutterkrebs). Ausnahmen bilden Brustkrebs und Eierstockkrebs, dort ist es umgekehrt. Allerdings sind die Unterschiede innerhalb des Kreises statistisch nicht signifikant.

Auffällig ist auch noch, dass das Erkrankungsrisiko beim Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Männern leicht unter dem Landesschnitt und bei Frauen leicht drüber liegt. Aber auch hier gilt, dass die Unterschiede relativ gering und statistisch nicht signifikant sind. Für Krebs insgesamt sind für den Gesamtzeitraum 7051 Erkrankungsfälle bei Männern und 6601 Erkrankungsfälle bei Frauen für den Kreis Stormarn registriert worden. Bezogen auf die zugrunde liegende Bevölkerung und altersbereinigt liegen damit die Männer etwa sieben Prozent und die Frauen etwa vier Prozent unter dem Landesschnitt.

Was ist Ziel des Krebsatlas?

Pritzkuleit:  Im Juni 2016 hat das Krebsregister einen kleinräumigen Atlas veröffentlicht, der zusammengefasst für die Jahre 2001 bis 2010 auf Ebene der Gemeinden das Krebsgeschehen beschreibt. Ziel des Atlas ist es, eine kleinräumige Datenbasis für Entscheidungsträger, Fachleute und auch für die interessierte Öffentlichkeit anzubieten. Kein Gebiet des Landes tritt aber durch auffallend hohe Raten hervor. Für die einzelnen Krebsarten zeigen sich unterschiedliche räumliche Muster. Viele dieser Muster können bisher noch nicht erklärt werden – Aufgabe des Atlas war die Beschreibung und nicht die Analyse.

Welchen Nutzen bringt das Krebsregister?

Pritzkuleit: Aufgabe des Krebsregisters ist unter anderem die Beobachtung und epidemiologisch-statistische Auswertung des Auftretens und der Trendentwicklung von Krebserkrankungen. Damit liefert das Krebsregister auch Zahlen für die Gesundheitsversorgung und die Krebsforschung. Das Krebsregister kann bei einem Verdacht auf eine lokale Häufung von Krebsfällen schnell prüfen, ob eine solche Häufung vorliegt, so dass von den zuständigen Stellen gegebenenfalls Maßnahmen eingeleitet werden können.

Seit Mai 2016 hat sich der Aufgabenbereich des Krebsregisters erweitert. Seitdem gehört auch die sektorenübergreifende Qualitätssicherung zu den Aufgaben. Mit rund 500000 Neuerkrankungen jedes Jahr und mit rund einem Viertel aller Todesfälle ist Krebs eine der relevantesten Erkrankungen in Deutschland. Die Krebsregister helfen dabei, diese Krankheit besser zu verstehen und künftig die Versorgung zu verbessern.

Hamburg und Lübeck schöpfen von Stormarn viele Patienten ab – gibt es einen Austausch der Daten zwischen Schleswig-Holstein und den beiden Städten?

Pritzkuleit: Zwischen den Krebsregistern Schleswig-Holsteins und Hamburgs gibt es einen Datenaustausch. Schleswig-holsteinische Patienten, die in Hamburg diagnostiziert und an das dortige Krebsregister gemeldet werden, deren Meldungen werden an das Krebsregister Schleswig-Holstein weitergeleitet. Aufgrund der unterschiedlichen Gesetzeslage wurden aber nicht alle in Hamburg diagnostizierten, schleswig-holsteinischen Patienten an das Hamburger Krebsregister gemeldet, so dass bei einigen Krebsarten Erfassungsdefizite im Hamburger Umland nicht ausgeschlossen werden können.

Das wird sich aufgrund geänderter Gesetzeslage in den nächsten Jahren sicher ändern.

Kann man von den Erkrankungen auf mögliche Ursachen schließen?

Pritzkuleit: Ja und nein. Krebs ist nicht eine Erkrankung, sondern eine Gruppe von über 100 verschiedenen Erkrankungen mit unterschiedlichen Risikofaktoren, unterschiedlicher Entstehung und unterschiedlicher Prognose. Zu den Risikofaktoren zählen neben dem Rauchen auch starker Alkoholkonsum, falsche Ernährung, fehlende Bewegung (die sogenannten Lifestyle-Faktoren) und erbliche Faktoren.

Das Alter ist als der bedeutendste Risikofaktor zu nennen. Auch Umweltursachen können einen Einfluss haben.

Die Altersstruktur spielt eine große Rolle?

Pritzkuleit: Ja, für die meisten Krebserkrankungen gilt, je älter, desto höher das Erkrankungsrisiko. Allerdings gibt es die Möglichkeit, das Alter bei der Analyse „herauszurechnen“. Wegen der Veränderung des Altersaufbaus der Bevölkerung in Deutschland – die Baby-Boomer-Generation kommt in das Krebs-Erkrankungsalter – wird die Zahl der Krebserkrankungen in den nächsten Jahren sicher ansteigen, ohne dass das Erkrankungsrisiko steigt.

Welches sind die häufigsten Krebsarten?

Pritzkuleit:  Pro Jahr werden in Schleswig-Holstein rund 19000 neue Krebserkrankungen diagnostiziert. Bei Männern kommt Prostatakrebs am häufigsten vor, bei Frauen   Brustkrebs.

Interview: B. Albrod

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