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Stormarn Kreis legt erstmals Dieselautos still
Lokales Stormarn Kreis legt erstmals Dieselautos still
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22:52 09.08.2018
Gefordert wird von den Haltern ein Software-Update für die Autos. Es muss in einer Fachwerkstatt vorgenommen werden. Quelle: Fotos: Dpa/ln–archiv
Bad Oldesloe

Drohende Fahrverbote, mögliche Prozesse vor Gericht und hohe Kosten – die Folgen der Manipulationen an Dieselfahrzeugen, mit denen bei Kontrollen auf Prüfständen der Schadstoffausstoß verringern werden sollte, werden immer deutlicher. Denn das Kraftfahrtbundesamt liefert auch der Kreisverkehrsbehörde Daten von Haltern der Fahrzeuge, bei denen ein Software-Update notwendig ist. „Wir haben bisher 46 Fälle dieser Art“, erklärt der Leiter der Verkehrsbehörde, Dirk Willhoeft. Seit Jahresbeginn seien im Durchschnitt zwei Informationen pro Woche aus dem im Flensburg ansässigen Bundesamt im Oldesloer Kreishaus eingegangen. Dabei gehe es fast ausschließlich um Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns – dabei auch um Audi, Seat oder Skoda.

Der Kreis Stormarn hat zwei Dieselfahrzeuge stillgelegt, weil deren Halter den erforderlichen Nachweis eines Software-Updates nicht vorlegten. In der Automobilbranche wächst die Unsicherheit, denn auch in Stormarn verlieren Pkw mit Dieselantrieb erheblich an Wert.

In den meisten Fällen, so der Behördenchef, habe es zuvor eine Einigung gegeben. Das heißt, Fahrzeughalter hätten von sich aus ihr Auto abgemeldet. Meistens sei aber die erforderliche Nachrüstung erfolgt. Der Halter müsse das Software-Update seines Dieselfahrzeuges in einer Fachwerkstatt vornehmen lassen und eine entsprechende Bescheinigung der Verkehrsbehörde anschließend vorlegen. Gegen jede amtliche Verfügung ist es möglich, vor Gericht zu klagen – natürlich auch in diesem Fall. Das sei allerdings bisher noch nicht geschehen. „Irgendwann wird sicherlich jemand klagen, und dem sehen wir mit froher Erwartung entgegen“, so Willhoeft.

Halter sind verunsichert

Die Verwaltungspraxis und die öffentliche Diskussion sorgen für Verunsicherung – und einen drastischen Preisverfall. „Für einen betroffenen Diesel bekommt man zurzeit mindestens 2000 Euro weniger beim Verkauf als vorher“, erläutert der Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Stormarn, Lorenz Schröder. Gerade für ältere Dieselautos laufe es beim Verkauf „eigentlich nur noch über den Export“.

Diese Erfahrung hat auch der stellvertretende Innungs-Obermeister Werner Blohm ebenfalls aus Bad Oldesloe gemacht. Diesel mit der Euro-Norm fünf oder älter könnten nur mit erheblichen finanziellen Abschlägen von einem Fahrzeughändler angekauft werden. Dies treffe vor allem für Pkw aus privaten Beständen zu: „Das müssen wir mit einkalkulieren. Bei Transportern oder Fahrzeugen von Handwerkern kann es anders laufen und höhere Preise könnten erzielt werden.“

Für die Halter der Schummel- Diesel kann es dagegen ziemlich unangenehm werden, denn die Verkehrsbehörde wird nach den Worten von Dirk Willhoeft die geforderte Vorgehensweise in der Praxis umsetzen.

Wer gegenüber dem Kraftfahrtbundesamt nicht nachgewiesen hat, dass das verlangte Software-Update vorgenommen wurde, erhält von der Kreisverkehrsbehörde einen Anhörungsbogen zu diesem Thema. Und bleibe der Fahrzeughalter dann immer noch untätig, dann laufe das übliche Verfahren, so Dirk Willhoeft. Es folge eine Ordnungsverfügung mit den vorgeschriebenen zeitlichen Fristen bis hin zur Stilllegung des betroffenen Autos.

Sammelklagen im Form einer Musterfeststellungsklage gegen Fahrzeughersteller kann es indes vom 1. November an geben. Ob dann die Nachfrage nach Dieselautos wieder steigt? Der Innungsobermeister wagt keine Prognose: „Zurzeit sind die Verbraucher völlig verunsichert, vor allem der Privatmann weiß nicht, was er machen soll.“ Falls sich ein Interessent für einen Diesel entscheiden wolle, dann auf jeden Fall für ein neues Modell, rät Lorenz Schröder.

Denn der Branchenexperte ist sich sicher, dass die Dieseltechnologie eine weitere Zukunft haben werde: „Sie ist nicht out, sie muss allerdings richtig angewendet werden.“ Diese Ansicht teilt auch Werner Blohm: „Wir werden weiterhin mit Diesel fahren – allerdings müssen die Vorgaben bei der Schadstoffbelastung unbedingt eingehalten werden.“

Manipulationen

Als Diesel- oder Abgasskandal wird die Kombination von Manipulationen verschiedener Autohersteller zur Umgehung gesetzlich vorgegebener Grenzwerte für Abgase bezeichnet. Das wurde zunächst bei Kontrollen in den USA aufgedeckt. Betroffen sind aber auch in Europa zugelassene Autos.

Der Abgasskandal gilt als ein Hauptgrunde, dass Stickoxid-Grenzwerte nicht eingehalten werden können. Es gibt deshalb Fahrverbote in einigen Städten.

Michael Thormählen

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