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Stormarn Kreisbauerntag: Bauern blicken besorgt in die Zukunft
Lokales Stormarn Kreisbauerntag: Bauern blicken besorgt in die Zukunft
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21:49 19.02.2016
Am Vorstandstisch in der Stormarnhalle: Referent Sebastian Hess (l.) und der Vorsitzende des Bauernverbandes, Hans-Joachim Wendt. Quelle: Fotos: M. Thormählen

Es gebe aber auch Lichtblicke: „Die jungen und motivierten Hofnachfolger, die mit Optimismus an die Übernahme der elterlichen Betriebe herangehen.“

Zahlen aus dem Kreis

49 000 Hektar landwirtschaftlicher Flächen gibt es zurzeit in Stormarn.

600 Bauern bewirtschaften Höfe, die im Durchschnitt 80 Hektar haben.

Hans-Joachim Wendt betonte gestern während des Kreisbauerntages in Bad Oldesloe, im vergangenen Jahr sei eine gute bis sehr gute Ernte eingefahren worden: „Wer zur richtigen Zeit ans Verkaufen gedacht hat, der konnte sich bei Getreide und Raps auch über einen guten Erlös freuen.“ Dies sehe jedoch zurzeit ganz anders aus, weil im Sog der abgestürzten Rohstoffpreise — vor allem beim Erdöl — auch die Getreidepreise deutlich nachgegeben hätten.

Geschäftsführer Peter Koll erläuterte, im vergangenen Jahr hätten die Stormarner Landwirte noch 200 Euro für eine Tonne Weizen erzielen können: „Jetzt liegt der Preis aber nur noch bei 150 Euro pro Tonne.“ Und der Weizen sei für die Bauern „das Produkt mit dem Eckpreis“. Weil der Rohölpreis drastisch eingebrochen sei, sinke auch die weltweite Nachfrage nach Getreide, das ebenfalls zur Energiegewinnung verwendet werde. Stormarns Landwirte, so Peter Koll, befänden sich in einem Dilemma: „Angesichts einer über mehrere Jahre geplanten Fruchtfolgen können die Erzeuger nicht rasch auf den Anbau einer anderen Getreideart umsteigen.“

Auch die Milchviehhalter befinden sich nach den Worten von Hans-Joachim Wendt in einer schwierigen Situation: „Die Preise sind im Keller.“ Dies zeigten die aktuellen Zahlen. „Erste Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu zehn Prozent der Betriebe die Milcherzeugung aufgeben könnten“, betonte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes. Einen derartigen Strukturwandel habe es zuletzt vor etwa 15 Jahren gegeben, als das Vertrauen der Landwirte in die Politik geschwunden sei.

Hans-Joachim Wendt kritisierte die Politik des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne), der von der Basis seiner Partei getrieben werde. Der Knickerlass, das Landesnaturschutzgesetz und die Abgabe auf Pflanzenschutzmittel seien große Belastungen für die Betriebe.

Auch Johannes Scherrer betonte als Mitglied des Arbeitskreises Junge Landwirte in Stormarn, Minister Habeck habe zunächst Verständnis für die Situation der Bauern gehabt, sich dann aber ganz anders verhalten. „Die Zwangsökolisierung kann dazu führen, dass man die Lust verliert“, sagte Johannes Scherrer. Dennoch habe er sich bewusst für Landwirtschaft entschieden und bewirtschafte den elterlichen Hof in Bad Oldesloe. Wichtig seien Fort- und Weiterbildung in der Landwirtschaft, die dann auch ihren festen Platz im Kreis Stormarn behalten werde: „Und wir produzieren in Premiumqualität“, sagte Johannes Scherrer.

Das war auch ein Punkt, den Prof. Dr. Sebastian Hess vom Institut für Agrarökonomie der Kieler Christian-Albrechts-Universität aufgriff. Die Aussichten der heimischen Betriebe für die Zukunft seien angesichts des hohen Wissensstandes der Landwirte und des vorhandenen Kapitals sehr gut. „Das schafft auch das Bewusstsein für ein hohes Niveau“, unterstrich Sebastian Hess in seinem Vortrag vor den rund 400 Teilnehmern des Kreisbauerntages.

Der Wissenschaftler erteilte Vorstellungen, alle benötigten Produkte möglichst regional herzustellen, eine klare Absage. Es sei weiterhin sinnvoll „den Weizen bei uns anzubauen und Soja in Brasilien“. Untersuchungen zeigten, dass Transporte über weite Strecken die Ökobilanz weit weniger belasteten als beispielsweise die Produktion von Obst und Gemüse in Treibhäusern, die mit fossilen Brennstoffen beheizt werden müssten.

Landrat Plöger kritisiert die Autobahn-Bauer

 Deutliche Worte fand Stormarns Landrat Klaus Plöger für das Verhalten von Unternehmen, die bei der Sanierung der A 1 auch landwirtschaftliche Flächen nutzten, die von den Eigentümern zur Verfügung gestellt wurden. Zu erwarten sei, dass die Flächen wieder ordentlich übergeben würden. Dies sei leider nicht der Fall. Nach der Insolvenz der Firma Betam seien davon drei Landwirte betroffen. Plöger: „Ich würde mir überlegen, ob ich dann so etwas wieder machen würde.“

Der Landrat, der Ende April aus dem Amt scheidet, dankte den Landwirten für die gute Zusammenarbeit. Gäste des Bauerntages waren auch Plögers Nachfolger Henning Görtz und der Oldesloer Bürgermeister Tassilo von Bary.  mt

Michael Thormählen

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