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Stormarn Krippenplatz für 685 Euro: Viele können das nicht mehr zahlen
Lokales Stormarn Krippenplatz für 685 Euro: Viele können das nicht mehr zahlen
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13:40 21.03.2016
Kinderglück im Sonnenschein gestern in Reinfelds Bewegungskita. Trotz der hohen Gebühren gibt es eine lange Warteliste. Quelle: Uwe Krog
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Reinfeld

Was viele Eltern finanziell als schmerzhaft empfinden, hat der jugendpolitische Sprecher und Kreistagsabgeordnete der SPD, Benjamin Freitag, jetzt in der „Roten Runde“ von Reinfeld zum Thema gemacht: Die immens hohen Elternbeiträge für einen Krippenplatz — und was man dagegen tun könnte. Doch bis auf eine betroffene Mutter kamen nur Experten auf diesem Gebiet.

Und diese Reinfelderin berichtet, was viele Elternpaare gleichermaßen belastet. „Ich bin zwei Jahre pro Kind zu Hause geblieben, weil wir uns einen Krippenplatz nicht leisten konnten. Ein bisschen Luxus wie mal ein Besuch im Hansapark war einfach nicht drin“, sagt Corinna Falkus. Es habe sich einfach nicht rentiert in dieser Zeit zu arbeiten, zumal ihr Arbeitsplatz in Hamburg liege.

„Das höre ich immer wieder von Eltern“, berichtet Roswitha Pielot vom Bewegungskindergarten der Arbeiterwohlfahrt beim Reinfelder Schulzentrum. Sie rate dann immer, einen Sozialantrag zu stellen.

Kein Pappenstil

Arbeitgeber würden die Frauen oftmals unter Druck setzen, weiter zu arbeiten, wollten sie ihren Job nach der Krippenzeit ihrer Kinder behalten. Die Reinfelder Vorzeigekita mit ihren 20 Krippenkindern und 40 über Dreijährigen gehört allerdings zu denen, die pro Kind bis zu 620 Euro plus 65 Euro monatlich als Elternbeitrag verlangen.

Für den Sozialdemokraten Freitag „kein Pappenstil“. Wissend, dass der Kreis an der Belastungsgrenze angekommen sei. Zudem seien die Zuschüsse des Landes gedeckelt. Die Kommunen könnten in den meisten Fällen nicht noch mehr Geld in ihre Kindertagesstätten pumpen. Allein Reinfeld, zeigt der Sozialdemokrat auf, investiere derzeit jährlich etwa 1,4 Millionen Euro in seine Kindertagesstätten. Der Kreis verteile vier Millionen nach dem Gießkannenprinzip.

Hamburg mit fünf Stunden Beitragsfreiheit bei Krippenplätzen ist den Stormarnern bei einem Betreuungsschlüssel von statistisch 5,4 Kindern pro Erzieherin kein Vorbild, um die Elternbeiträge zu senken. Denn das entspreche nicht dem Qualitätsanspruch für die Kinder. Und würde der Chancengleichheit für alle nicht gerecht. Schleswig-Holstein biete bei einem Betreuungsschlüssel von 3,9 doch wesentlich bessere Bedingungen.

Eine Hand pro Kind

Marijke Kaffka-Backmann von der Lebenshilfe Stormarn ist selbst diese Zahl noch zu hoch. Für eine optimale Entwicklung brauche es „pro Kind eine Hand“, eine Erzieherin für zwei unter Dreijährige. Das sei machbar, „wenn nur der politische Wille“ da sei. Und es sollte Beitragsfreiheit geben, was die Reinfelder Mutter Corinna Falkus voll unterstützt. „Schulen sind ja auch kostenlos“, argumentiert sie.

Ein weiterer Vorschlag, die Kosten zu senken, kommt von Andrea Dechau von der Arbeiterwohlfahrt: Die Mieten für die Kindertagesstätten in oftmals städtischen Gebäuden mindestens zu senken, wenn nicht zu streichen. Sozialdemokrat Freitag denkt daran, Erbschafts- und Vermögenssteuer zu erhöhen und übermäßige Börsen-Gewinne in Kitas zu investieren. Carsten Bruns von der Lebenshilfe warnt schon jetzt: „Die Gebühren werden in den kommenden Jahren weiter steigen.“

Helfende Sozialstaffelung

Krippen, die noch keine 37,5 Prozent der Gesamtkosten pro Platz von den Eltern verlangen, werden ihre Gebühren in den kommenden Jahren anheben. Das ist politisch so beschlossen.

Allerdings werden bedürftige Familien in Stormarn unterstützt durch eine Sozialstaffelung. Die beginnt bei einem frei verfügbaren Einkommen von unter 1850 Euro monatlich und sieht für das zweite Kind eine Beitragsreduzierung von 70 Prozent sowie die Kostenübernahme für das dritte Kind vor. Bei einem Einkommen von 1050 Euro werden sämtliche Kosten übernommen.

Reinfeld verfügt über 266 Kindergartenplätze, 148 Krippenplätze einschließlich der Tagespflegeplätze, die von 19 Tagespflegepersonen vorgehalten werden. Es gibt zwölf Hortplätze.

Von Uwe Krog

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