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Stormarn Kunst am Baumarkt - Winni Schaak präsentiert Betonskulptur
Lokales Stormarn Kunst am Baumarkt - Winni Schaak präsentiert Betonskulptur
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11:32 24.02.2016
Winni Schaak (kniend) hat die Stele mit Material von Hass und Hatje gestaltet, hier mit Niederlassungsleiter Hans-Hinrich Denkena und Bettina Thierig. Quelle: dvd

Sickerschachtabdeckungen, Wäscheständerfundamente, Rinnensteine — all diese sperrig klingenden Produkte haben meist eine festumrissene Funktion. Dass sie auch als Basismaterial für ein Kunstwerk taugen, das stellte jetzt Winni Schaak im Oldesloer Bauzentrum Hass und Hatje unter Beweis. Als Teilnehmer der aktuellen Aktion „KunstBetriebe“ konstruierte der Lübecker Bildhauer eine Skulptur, sehr zum Gefallen von Geschäftsführer Ralf Lühtje, der nach eigenem Bekunden moderner Kunst mehr zugeneigt ist als der klassischen.

Zwei Wochen lang hospitierte der Künstler beim Baufachzentrum im Gewerbegebiet Süd-Ost. Umgeben von Kunden und Personal ließ er sich von den verschiedensten Formelementen anregen, um schließlich zur Tat zu schreiten. „Ich komme eigentlich aus dem Metallbereich, aber da war nichts Inspirierendes dabei“, erzählte Schaak. Letztlich wurde er bei den „schönen Formteilen aus Beton“ fündig. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile hatten es ihm Wäscheständerfundamente angetan.

Die wie Pyramidenstümpfe geformten Elemente bedurften aber noch kräftiger Bearbeitung. „Man kann ja nicht alles nur aufeinanderstapeln. Statisch ist es dann heikel und stellt eine Gefahr für Betrachter und Besucher dar“, meinte Schaak augenzwinkernd. Da derartige Bauteile keinerlei Haken und Ösen besitzen, um sie zu befestigen, griff der Künstler zur Spezialbohrmaschine, um sich durch zehn Meter Beton vorzuarbeiten. Die durchlöcherten Elemente „fädelte“ er auf eine Stange, „um sie zu türmen“. Und damit die Last der 700 Kilogramm schweren Skulptur besser auf dem Grund verteilt ist, schuf er ein Fundament aus Vierkantholz. Schließlich soll das gute Stück bald auf Ausstellungsreise gehen.

Mit Schaaks Werk „Raute, Hommage an Brancusi“ schloss sich denn auch der diesjährige Veranstaltungsreigen. Insgesamt zwölf Künstler hatten ihre Werkstätten für kurze Zeit in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen in Bad Oldesloe, Ahrensburg, Lübeck, Neustadt, Kopenhagen und Buerup verlegt, um aus dem dort vorhandenen Material etwas Neues zu schaffen. Die Idee, Wirtschaft und Kunst auf diese Weise zusammenzubringen, stammt von der Lübecker Künstlerin Bettina Thierig. Beim nunmehr zweiten Durchgang war es ihr gelungen, die Stiftungen der Sparkasse Holstein und der IHK zu Lübeck „Pro Economica“ sowie die Possehl-Stiftung mit ins Boot zu holen.

Die Fachmarktkette Hass und Hatje beteiligte sich übrigens schon zum zweiten Mal als Gastgeber. Im Jahr 2012 fertigte Norbert Jäger in der Ratzeburger Niederlassung eine Granitskulptur in einem Stahlkubus an, die jetzt im Unternehmen aufgestellt ist. „Wiederholungstäter“ ist auch Winni Schaak. Vor vier Jahren durchforstete er das Materiallager der Stadtwerke in Lübeck. Alsdann zerlegte er eine Gaspipeline in kleine Ringe, um sie wellenförmig versetzt wieder zusammenzusetzen. Laut IHK-Sprecher Can Özren findet das kunstvolle Konstrukt nachhaltige Beachtung. „Für unsere Schweißer ist die Skulptur wie ein Lehrstück. Sie können nachvollziehen, mit welcher Präzision da gearbeitet wurde und dass Schweißen durchaus ein künstlerischer Akt sein kann“, erzählte er gestern.

Alle zwölf Kunstwerke gehen demnächst auf Ausstellungstour. Zunächst werden sie Ende April während der Landesgartenschau in Eutin zu sehen sein, ab dem 2. Oktober in der Kunsthalle St. Annen in Lübeck und zum krönenden Abschluss in der Galerie Marstall in Ahrensburg.

Gandhi und die Säule

Nach der Walz studierte Winni Schaak Objektdesign in Aachen. Ein Jahr zog es ihn nach Queensland in Australien, wo er im Surfers Paradise eine Doppelstele fertigte. Zurück in Deutschland wirkte er als Bildhauer in Hamburg. Seit 2008 hat er ein eigenes Atelier in Lübeck. Die Stele „Raute, Hommage an Brancusi“ ist von der „Säule der Unendlichkeit“ des Bildhauers Constantin Brancusi inspiriert.

Die zweite Auflage von „KunstBetriebe“ lief auch anderenorts unter Stormarner Beteiligung. Janine Gerber aus Barnitz schuf bei der Christoph Kroschke GmbH in Ahrensburg eine Skulptur aus Aluminiumschildern, auf die ein Text von Gandhi geprägt ist. Bei der Sparkasse in Bad Oldesloe konstruierte die dänische Künstlerin Pia Obel ein Objekt mit dem Titel „Time is Limit“.

Dorothea von Dahlen

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