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Stormarn Kunst tanken beim Klimaschutz
Lokales Stormarn Kunst tanken beim Klimaschutz
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17:16 07.11.2018
Künstler Uwe Schloen und Klimaschutzbeauftragte Sylvia Hansen vom Kirchenkreis-Ost. Quelle: Bettina Albrod
Ammersbek

Der Kirchenkreis Hamburg-Ost unterstützt den Klimaschutz: Ab sofort steht am Tagungs- und Bildungszentrum des Kirchenkreises, dem Haus am Schüberg in Ammersbek, eine Stromtankstelle für Elektro-Autos. Kombiniert wurde sie bewusst mit der Holz-Skulptur „Tankstelle“ des Künstlers Uwe Schloen. Die E-Tanke vom Typ Eve Mini mit elf Kilowatt darf von jedem genutzt werden; dafür gibt es eine Chip-Karte, die an der Rezeption im Haus am Schüberg hinterlegt ist. Ab 1. Januar 2019 wird der Strom zum üblichen Strompreis abgegeben.

„Der Kirchenkreis will bis 2050 klimaneutral werden“, erklärt Sylvia Hansen, Klimaschutzbeauftragte beim Kirchenkreis Hamburg-Ost. Deshalb werde jetzt schon ausschließlich Ökostrom im Haus verwendet, das zudem über zwei Photovoltaikanlagen 14 Prozent seines Strombedarfs selber erzeuge. Die Stromzapfsäule für rund 3000 Euro wurde zu 50 Prozent aus dem Klimaschutzfonds des Kirchenkreises bezuschusst. „Wir verfolgen beim Klimaschutz ein ganzheitliches Konzept“, so Sylvia Hansen weiter, „dabei ist E-Mobilität ein erster Schritt.“

Kunsttankstelle mit Geschichte

Künstler Uwe Schloen ist den Schritt gerne mitgegangen, denn seine große Holzskulptur ist mit der echten Strom-Tankstelle eng verknüpft. „Das ist großartig so“, lobte Schloen, „meine Holztankstelle hat seit 2013 schon eine Geschichte durchgemacht, das ist das Beste, was Kunst passieren kann.“ Entstanden ist die Skulptur bei einem Workshop im KunstHaus am Schüberg nach einem Gemälde von Edward Hopper und dem Motiv einer Tankstelle aus den 50er-Jahren. „Ich komme vom Dorf, da bedeutete ein Auto ein Versprechen, die Tankstelle steht für Sehnsucht“, so Schloen. Seine Tankstelle wurde von Axel Richter, Leiter des Kunsthauses, auf eine Wanderausstellung geschickt und kam auf den St. Pauli-Kirchhof.

„Das war die Zeit, als dort die Flüchtlinge aus Lampedusa einzogen“, erinnert sich Schloen. „Gründe der Flucht sind auch der Kampf ums Öl, um Geld, der Krieg. Da passte das Motiv Tankstelle gut.“ Später gesellten sich die Proteste um den Abriss der Esso-Häuser dazu, und wieder war es Schloens Tankstelle, die im Fernsehen als Hintergrund auftauchte. Seit 2014 steht sie wieder am Haus am Schüberg, wo sie nun zu einem Bild für klimafreundliche Mobilität wird. „Das Spiel mit der Realität kehrt zur Realität zurück“, beschreibt es Axel Richter. Schloen freut sich: „Andere Kunst hängt nur an der Wand und verstaubt, mit meiner Kunst passiert was.“

Kunst- und E-Tankstelle liegen in Ammersbek dicht beieinander. Quelle: Bettina Albrod

Ursprünglich sollte man direkt an der Kunsttankstelle Strom tanken können, doch die Idee wurde aus Sicherheitsgründen verworfen. Jetzt tankt man von einer Seite Strom und an der anderen Seite künstlerisch auf. Zehn Stunden Ladezeit sind für eine Strecke von 100 Kilometern nötig, und die Zeit kann man auch sinnvoll im Haus am Schüberg verbringen. Bürgermeister Horst Ansén freute sich, dass damit ein Zeichen gesetzt wird. „Damit haben wir eine zweite E-Tankstelle in Ammersbek, aber wir brauchen noch viel mehr. Wir nehmen das als Auftrag mit. Eventuell soll das nächste Gemeindefahrzeug auch ein E-Auto werden.“ Funktion und Kunst zu verbinden, sei ein originelles Konzept.

Der Kirchenkreis Hamburg-Ost kann jetzt auch selber dort tanken, denn er besitzt auch ein Elektro-Fahrzeug. Mit dem ist der Hausmeister der Kirchenkreis-Einrichtungen künftig umweltfreundlich unterwegs: Er wird sämtliche Häuser besuchen und die Heizanlagen klimafreundlich einstellen. „Beim Thema Klimaschutz sind wir auch politisch aktiv“, erklärt Sylvia Hansen. „Tschüss Kohle“ ist eine Initiative, die erreichen will, dass in Hamburg ab 2025 keine Wärme und ab 2030 auch kein Strom mehr aus Kohle produziert werden. Das UmweltHaus am Schüberg ist außerdem Mitglied beim Verein „Mobil ohne Auto Nord", der jedes Jahr die Fahrradsternfahrt in Hamburg veranstaltet. Schließlich erarbeitet der Kirchenkreis derzeit gemeinsam mit Dr. Thomas Prill von der Hafencity-Universität Hamburg ein Klimaschutzkonzept.

Bettina Albrod

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