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Kunst von Rosemarie Gaede dient als Mahnmal

Reinbek Kunst von Rosemarie Gaede dient als Mahnmal

Die Ausstellung „Zeit des Erinnerns“ ist bis 3. Juli im Schloss Reinbek zu sehen. Sie zeigt den Horror junger Soldaten im ersten Weltkrieg.

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Rosemarie Gaede arbeitet zum Thema „Erster Weltkrieg“.

Quelle: Fotos: Bettina Albrod

Reinbek. Als der kanadische Arzt John McCrae während des Ersten Weltkrieges im Jahr 1915 die Kriegstoten auf dem Schlachtfeld von Ypern sah, schrieb er spontan das Gedicht „Auf Flanderns Feldern“. Damals begann der rote Mohn neben den Gräbern zu blühen, und die Blume fand Eingang in McCraes Gedicht und wurde später im englischsprachigen Raum das Symbol des Erinnerns an die Kriegstoten.

LN-Bild

Die Ausstellung „Zeit des Erinnerns“ ist bis 3. Juli im Schloss Reinbek zu sehen.

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Zeit des Erinnerns

„Topographie – Zeit des Erinnerns“ (1914-1918) lautet der Titel der Ausstellung von Rosemarie Gaede, die bis 3. Juli in Schloss Reinbek gezeigt wird.

Rosemarie Gaede zeigt Malerei, Installationen, Fotografie und Objekte. Die Künstlerin hat zahllose Einzelausstellungen gehabt und ist Mitglied der Gemeinschaft Lübecker Künstler.

• Internet: www.rosemarie-gaede.de

Die rote Mohnblume begegnet dem Betrachter auch in Rosemarie Gaedes Ausstellung „Zeit des Erinnerns“, die in Schloss Reinbek zu sehen ist. Da blüht sie in den Ecken vieler kleiner Fotos von jungen Männern, die ihr Leben im ersten Weltkrieg verloren haben und auf einem Bild vereinigt sind. Das Rot des Mohns findet sein Korrelat dabei im Rot des vergossenen Blutes.

Auch bei Rosemarie Gaede war ein persönliches Erlebnis der Auslöser kreativen Schaffens. „Ich habe 2005 ein Fotoalbum meines Großvaters in die Hand bekommen, in dem Fotos seiner Freunde mit einer Widmung waren“, erzählt die Künstlerin, die 1941 in Braunschweig geboren wurde. „Alle Fotos hörten 1913 auf. All die jungen Männer, die auf den Fotos so hoffnungsvoll in die Zukunft blickten, sind sinnlos gestorben.“

Für die Künstlerin war das ein Schock. „Ich musste darüber arbeiten.“ Ihr Ziel war es, die vielen Toten aus dem Vergessen zu holen. Dafür entwickelte sie eine künstlerische Technik, die mittels Transparentpapier einen Schleier der Zeit über die Toten von damals legt, um sie gleichzeitig Teil eines Fotoalbums einer ganzen Generation werden zu lassen. Da gibt es Bilder, in denen die einzelnen Porträts aneinander gereiht sind – Menschen und Schicksale, die sich in der Gruppe als Soldaten vermischen. Uniforme Masse in Uniform, hinter jeder Uniform ein Mensch mit persönlicher Geschichte: Das sind Grundgedanken, die das Werk der Künstlerin durchziehen. Noch deutlicher wird das in den neueren Arbeiten. In „Denksteine“ hat Rosemarie Gaede auf dem Lübecker Ehrenfriedhof Grabsteine von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg fotografiert und sie mittels Sandpaste nach Art alter Gräber modelliert an die Wand gebracht.

Dann wieder transformiert sie alte Kriegsfotos, bildet von der Soldatengruppe in der Gaswolke nur den tödlichen Nebel ab oder zeigt in verzerrten Linien die Trübung des Blicks hinter der Gasmaske.

Dazu kommen Installationen wie „Grabkreuz eines unbekannten Soldaten“, ein verbogenes Metallkreuz, durch Gewalt verzerrt.

„Dieses Bild zeigt meine Großmutter mit ihren kleinen Kindern“, erläutert Rosemarie Gaede ein weiteres Werk, „daneben läuft wie ein Film parallel das Leben des Großvaters, der auf dem Schlachtfeld kriecht, während sie wartet und Angst hat.“ Kriegsbräute wurden Kriegswitwen, Asche und Erde hat Gaede hinter Glas gebannt, Leinwände reißen auf wie Granattrichter, und ganz am Ende gibt es „Trost“

in Form des Gekreuzigten. „Mütter, Ehefrauen und Gott waren die Rettungsanker im Krieg“, sagt Rosemarie Gaede.

Elf Jahre lang hat sie ihre Ausstellung ständig erweitert. In Reinbek werden 58 Arbeiten der Künstlerin gezeigt, weil 1916 das Jahr von Verdun und der Schlacht an der Somme war.

 Bettina Albrod

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