Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Kurios: Schutzwand zur A21 macht Lärm
Lokales Stormarn Kurios: Schutzwand zur A21 macht Lärm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:17 17.08.2017
Statt Schutz vor Lärm zu bieten, produziert die Klapperwand an der A 21 selbst reichlich Krach. Davon überzeugten sich gestern Gero Storjohann sowie Prior Johannes und Bruder Benedikt vom Kloster Nütschau (v. r.). Quelle: Foto: Dvd
Anzeige
Nütschau

Sie mutet an wie ein langer Paneelzaun aus dem Baumarkt, der Sichtschutz zum nächsten Nachbarn bieten soll. Diese Funktion erfüllt die Holzwand auch zufriedenstellend. Ein Bollwerk gegen Lärm stellt sie hingegen nicht dar. Dass das Rauschen dahinter vom Verkehr der Autobahn 21 herrührt, ist deutlich zu vernehmen. Besser noch: die etwas luftig zusammengefügten Holzelemente klappern sogar, verursacht durch die Sog- und Druckwirkung rasch vorbeiziehender Fahrzeuge. Das hat schon manchen Gast des Klosters in Nütschau verärgert die Koffer packen lassen.

Einkehr in Stille

Der Konvent des Klosters Nütschau besteht zurzeit aus 17 Mönchen. Geleitet wird er seit dem Jahr 2015 von Bruder Prior Johannes Tebbe.

Haus St. Ansgar ist das Bildungs- und Tagungshaus des Klosters, in dem Veranstaltungen zur Vertiefung des Glaubens sowie Möglichkeiten innerer Einkehr geboten werden.

„Es geht überhaupt nicht um uns Mönche, sondern eher um die Besucher. Viele haben sich die Zeit freigeschaufelt, um hier einige Tage der Stille ganz in der Natur erleben zu können“, erklärte gestern Prior Johannes bei einem Besichtigungstermin. Das Bettenhaus liege gerade einmal 100 Meter von der stark befahrenen Piste entfernt und bei Meditationen oder üblicherweise in Stille praktizierten QigongÜbungen störe der Lärm ungemein. Insbesondere bei Westwind sei das permanente Rauschen der Autobahn sehr gut zu hören.

„Wir haben kein Problem, Gäste zu bekommen. Pro Jahr haben wir 23 000 Buchungen. Wir wollen die Besucher aber nicht enttäuschen. Schließlich laden wir sie dazu ein, sich hier eine Auszeit vom Stress des Alltags zu nehmen“, sagte der Klostervorsteher im Gespräch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Gero Storjohann, seines Zeichens Mitglied des Verkehrsausschusses. Dem Politiker war das Schreiben eines Seminarteilnehmers zugeleitet worden, der Kritik am unzureichenden Lärmschutz zur A 21 geübt hatte.

„Ich wollte die Wand selbst in Augenschein nehmen, um zu sehen, wo sie endet und von welcher Qualität sie ist“, sagte Storjohann. Seine Inspektion ergab, dass die Schutzvorrichtung nicht zu kurz, sondern über eine große Distanz viel zu niedrig geraten ist. Zudem ist das für den Bau verwendete Material nach heutigen Gesichtspunkten alles andere als zeitgemäß. Zum einen zählt der tropische Laubbaum, von dem das verwendete Bongossi-Holz stammt, zu den vom Aussterben bedrohten Arten, zum anderen scheint es sich für den Schallschutz überhaupt nicht zu eignen.

„Man hat solches Holz wohl in den 80er Jahren eingesetzt. Im Grunde ist es eher eine Sichtschutzwand. Heutzutage gibt es schon viel bessere, Schall schluckende Materialien“, fasste Storjohann zusammen. Er trifft in der kommenden Woche mit dem schleswig-holsteinischen Verkehrsminister Bernd Buchholz zusammen, um ihm von dem Problem zu berichten. „Ich denke, Lärmschutzwände können immer zwischendurch finanziert werden. In fünf bis zehn Jahren kann sich das verbessern“, sagte Storjohann.

Darauf, dass möglichst rasch Abhilfe geschafft wird, hoffen auch die Mönche. Sie stellten im Übrigens schon unter Beweis, dass sich Beharrlichkeit bei Problemen dieser Art lohnt. Die am Kloster vorbeiführende Schlossstraße wurde jahrelang als Abkürzung genutzt. Sogar 40-Tonner verirrten sich dorthin. Einer blieb gar an der Holzbrücke am Ortsausgang stecken. Allesamt waren sie fehlgeleitet von ihren Navigationsgeräten.

Da im Kloster nicht nur erwachsene Seminarteilnehmer, sondern auch viele Kinder und Jugendliche zu Gast weilen, setzten sich die Ordensbrüder gemeinsam mit betroffenen Anwohnern gegen das massive Verkehrsaufkommen zur Wehr. Dank einer besseren, weil schon von der Autobahn aus sichtbaren Beschilderung ist im Ort jetzt diesbezüglich mehr Ruhe eingekehrt. „Das hat eine Menge gebracht“, sagt Prior Johannes. Was den Lärmschutz an der A 21 angeht, wollen er und seine 17 Klosterbrüder nun ebenso wenig locker lassen.

Die unmittelbare Nähe zur Autobahn und die damit verbundenen Schallemission spielen zudem eine Rolle bei der Umgestaltung des gesamten Klostergeländes, die in den nächsten Jahren geplant ist.

Veranstaltungen und weitere Details unter www.kloster-nuetschau.de

 Dorothea von Dahlen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige