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Kurioser Schilderwald in Tralau

Tralau Kurioser Schilderwald in Tralau

Jahrzehntelang fuhren die Traulauer über den Mühlenberg Richtung Bad Segeberg ohne ein großes Risiko einzugehen. Die Gemeinde sah das anders und ließ Schilder aufstellen. Im Ort kam das nicht gut an, trugen sie doch nicht zur Sicherheit bei, sondern erhöhten sogar die Unfallgefahr.

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Wer hat Vorfahrt? So wie die Schilder aufgestellt waren, bevor Hans-Jürgen Zimmermann vom Kreis sie umstellte, beide. Dem Fahrer des schwarzen Pkw wird klar Priorität signalisiert, der auf ihn Zufahrende musste glauben, es gelte die Regel rechts vor links.

Quelle: Foto: Dvd

Tralau. „Hier hat es nie Schilder gegeben. Es ist auch nie etwas passiert. Wir verstehen diese verkehrsbehördliche Anordnung nicht“, entrüstete sich Kurt Radde, der seit 40 Jahren im Ort wohnt. Der Tralauer nutzt die Verbindungsstraße nach Neversdorf oder zur Auffahrt der A 21 nach Kiel wie viele andere aus der Nachbarschaft sehr häufig. Umso mehr hatte ihn verwundert, dass von einem auf den anderen Tag die Vorfahrt neu geregelt wurde. Denn die hatte fortan nicht mehr der Mühlenberg, sondern eine einmündende Straße, die in Navigationsgeräten gern als „Straße ohne Namen“ oder Off-Road-Strecke angezeigt wird.

LN-Bild

Jahrzehntelang fuhren die Traulauer über den Mühlenberg Richtung Bad Segeberg ohne ein großes Risiko einzugehen. Die Gemeinde sah das anders und ließ Schilder aufstellen. Im Ort kam das nicht gut an, trugen sie doch nicht zur Sicherheit bei, sondern erhöhten sogar die Unfallgefahr.

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Vom Buschwerk fast verdeckt, gleich neben einer Traktorauffahrt zum Maisfeld war das Vorfahrtsschild nun an der Einmündung dieses Sträßchens in den Boden gerammt worden. „Dass von dort kommende Autofahrer Priorität haben sollen, ist nicht nachvollziehbar und meines Erachtens ein großer Irrtum. Nach 300 Metern geht die Straße ohnehin in einen Sandweg über“, sagte Radde kopfschüttelnd.

Verkehr gebe es aus dieser Richtung zwar schon, aber im Vergleich zur Hauptachse viel seltener.

Doch das war es nicht allein, was den Tralauer beunruhigte. Denn statt alle Verkehrsteilnehmer auf dem Mühlenberg über die veränderten Verhältnisse zu unterrichten, beließ man es dabei, nur auf einer Seite das passende Achtungsschild aufzustellen. Ausgerechnet dort, wo sich Autofahrer auch schon bei der zuvor geltenden Rechts-vor-Links-Regelung im Vorteil wähnten, fehlte es.

„Das kann doch nicht wahr sein. Jetzt sind Zusammenstöße ja programmiert“, warnte Radde. Als bürgerliches Mitglied der Gemeindevertretung Travenbrück hatte er auf diesen Missstand nach eigenem Bekunden schon hingewiesen, aber kein Gehör gefunden.

Die LN erkundigten sich bei der Verkehrsaufsichtsbehörde des Kreises Stormarn nach dem Sinn und Zweck der kuriosen Beschilderung und wer sie überhaupt angeordnet hat. Der Fall sagte dem zuständigen Sachbearbeiter Hans-Jürgen Zimmermann zunächst nichts. Er fuhr jedoch unverzüglich nach Tralau, um sich selbst ein Bild machen zu können. Eine Stunde später meldete er Vollzug und berichtete, dass die Schilder vertauscht worden waren. Für die Lösung des Problems griff er zu gänzlich unbürokratischen Mitteln. Ein Landwirt, der gerade in der Nähe zu tun hatte, half ihm, die Pfähle aus dem Boden zu ziehen und anschließend an der richtigen Stelle zu positionieren.

„Wir sind froh, dass jemand Bescheid gesagt hat“, äußerte sich Zimmermann letztlich erleichtert. „Denn wäre es aufgrund dieser Beschilderung zu einem Unfall gekommen, hätte das juristische Konsequenzen gehabt für den Aufsteller oder den, der den Auftrag dazu vergeben hat.“ Er oder sie wäre sicherlich für die dabei entstandenen Schäden verantwortlich gemacht worden.

Der Mühlenweg behält also seine gewohnte Vorfahrt und das umgetauschte Schild signalisiert einbiegenden Fahrzeugen, dass sie warten müssen. Auch für Kurt Radde ist damit der Normalzustand wieder hergestellt, wenngleich er anmerkt, dass man besser ganz auf Schilder verzichtet hätte, da die Gemeinde die Kosten dafür tragen müsse. „Da, wo wirklich Gefahr besteht, werden sie abgebaut“, klagt der Tralauer und nennt als Beispiel den Bereich der Bushaltestelle in Vinzier, an der viele Menschen ein- und aussteigen, wo aber eine 30er-Zone aufgehoben wurde. Gerade dort herrsche viel Lkw-Verkehr in Richtung B 432 und A 21.

Wie Steffen Mielczarek, Leitender Verwaltungsbeamte des Amtes Bad Oldesloe-Land mitteilte, erfolgte die Beschilderung in Tralau auf Wunsch der Gemeinde Travenbrück. An wen sie den Auftrag letztlich vergeben hatte, vermochte er nicht zu sagen. Das regele eine Gemeinde bis dato in eigener Regie. „Wir werden künftig aber in solchen Fällen vorsichtshalber nachschauen, ob alles korrekt ausgeführt wurde. Denn Vertrauen ist gut, Kontrolle aber besser“, sagte Mielczarek.

 Von Dorothea von Dahlen

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