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Stormarn LKA hörte mit: Auto der „Ex“ aus Eifersucht gesprengt?
Lokales Stormarn LKA hörte mit: Auto der „Ex“ aus Eifersucht gesprengt?
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21:04 07.11.2013
Polenböller, vor denen alle Feuerwehren warnen. Sie bestehen aus einer gefährlichen Mischung und haben hohe Sprengwirkung. Quelle: dpa
Reinbek

Kurz vor zwei in der Nacht vom 14. auf den 15. April 2012 hört ein Mann in der Barsbütteler Thorkoppel einen Knall vor seinem Schlafzimmerfenster. Als er nachsieht, sieht er eine Stichflamme auf dem Rücksitz eines geparkten BMW. Kurz darauf steht der Wagen in Flammen. Gleichzeitig fährt ein Polizist mit einer Kollegin dort Streife. Um 1.54 Uhr fällt ihnen ein Lichtblitz auf.

Als sie an den Tatort geschickt werden, sehen sie feuerwerksähnliche Funken vom Rücksitz des brennenden Fahrzeugs aufsteigen. Ein weiterer Mann sieht vier junge Männer, die an ihm vorbei gehen. Dann hört er eine Explosion und sieht die Vier zurücklaufen. Danach fährt ein dunkler Wagen weg.

Die Fakten stehen fest, der Täter ist unbekannt. Trotzdem musste sich am Mittwoch ein 23-Jähriger Barsbütteler vor dem Amtsgericht in Reinbek verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mit Sprengstoff, mit so genannten Polenböllern, die Explosion verursacht zu haben. Dabei entstanden 8400 Euro Schaden an dem BMW, weitere 1700 Euro Schaden an dem Fahrzeug dahinter und Schäden durch Splitter an einem Haus, als der BMW explodierte. das Motiv soll Eifersucht gewesen sein.

Seine Ex-Freundin hatte einen anderen Mann kennengelernt. Das zerstörte Auto gehörte dem neuen Freund. „Ich habe das nicht gemacht“, beteuerte der Angeklagte. Er sei mit drei Freunden in Hamburg gewesen. Zum Beweis legte er ein Handy-Foto vor, das ihn und einen Begleiter um 1.35 Uhr in Hamburg Wandsbek zeigt. Seiner Version nach habe seine Ex-Freundin ihm nachgestellt, nachdem er sich von ihr getrennt hatte. Als Beweis verlas sein Verteidiger private Nachrichten, die die junge Frau per Facebook gesendet hatte. „Sie hat mich schon öfter verleumdet“, gab der Angeklagte an. So solle er auch den Wagen der Exfreundin zweimal zerkratzt — und ihr die Nase gebrochen haben.

Auch der Fall des zerkratzten Autos war vor Gericht verhandelt worden, wurde jedoch eingestellt. Zuvor war es zu Drohungen gekommen. „Ihr Vater hat gedroht, dass er mich umbringt“, sagte der Angeklagte. Auch sein Verteidiger war auf dem Gerichtsflur vom Vater der Ex-Freundin angegriffen worden.

Vor Gericht zeigte sich die Zeugin kooperativ. Ja, sie habe ihrem Ex-Freund geschrieben, weil sie die Beziehung wieder aufleben lassen wollte. Es sei eine Achterbahnbeziehung gewesen. Aber dann habe sie ihren neuen Freund kennengelernt. „Der Angeklagte stand dann bei ihm vor der Tür, wollte mit mir reden und hat mir gedroht. Danach war mein Auto kaputt.“

Eine Wende im Prozess gab es, als ein Beamter des Landeskriminalamtes (LKA) den Angeklagten durch Telefonmitschnitte belastete. Darin sprechen die Freunde, unter ihnen der Angeklagte, ihre Verteidigungsstrategie ab und warnen einander, dass sie abgehört würden. Gleichzeitig konnte der LKA-Beamte nachweisen, dass das Handy des Angeklagten um 1.53 Uhr aktiviert wurde — über einen Sendemast mitten in Barsbüttel.

Der Prozess soll am 20. November um 11 Uhr fortgesetzt werden.

Abhören bei Sprengstoff
Das Abhören von Telefonen könne nur bei Verbrechen mit erheblichem Gewicht beantragt werden, erklärt Staatsanwalt Hans-Peter Lofing. Der Antrag werde dem Gericht vorgelegt und nach einem festgelegten Katalog geprüft. Ein Richter entscheide über die Genehmigung. Sobald Sprengstoff im Spiel sei, müsse von einem erheblichen Verbrechen ausgegangen werden. Deshalb war das LKA hinzugezogen worden: Der Sprengstoff-Experte hatte erklärt, dass es sich bei dem Sprengsatz in Barsbüttel um illegale Pyrotechnik mit hoher Sprengwirkung gehandelt habe.

Bettina Albrod

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