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Stormarn LN-Speed-Dating: Lebhafte Debatten
Lokales Stormarn LN-Speed-Dating: Lebhafte Debatten
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20:32 08.04.2017
Leser und Kandidaten lernten sich beim Speed-Dating im Alten Rathaus politisch näher kennen. Quelle: Fotos: Albrod (2), Bartsch, Von Dahlen (6), Maxwitat
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Bad Oldesloe

Jeweils fünf Minuten hatten Susanne Danhier (SPD), Uli König (Piraten), Anita Klahn (FDP), Claus Christian Claussen (CDU) und Christian Schubbert (Grüne) Zeit, Fragen zu beantworten. Die Interviewer zeigten viel Sachverstand, traten mit gut ausgefeilten Fragebögen an, so dass eine Bandbreite politischer Themen auf den Tisch kam.

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Acht Leser trafen im Alten Rathaus auf Stormarner Direktkandidaten zur Landtagswahl.

Mehr am Dienstag

5 Minuten Redezeit hatte jeweils ein Gesprächspaar. Dann setzten sich Interviewer einen Platz weiter. Was die LN-Leser den Stormarner Kandidaten noch entlocken konnten, lesen Sie am Dienstag in den LN.

Diplom-Betriebswirt Manfred Lieder äußerte seine Sorgen über den zunehmenden Fluglärm in Stormarn und wollte von Christian Schubbert wissen, was er dagegen unternehmen wolle. „Das ist eine schlechte Situation“, antwortete der. „Der Flughafen gehört Hamburg und wir sind in Schleswig-Holstein.“ Susanne Danhier, die das Problem aus eigener Erfahrung kennt, versprach, das Thema in den Landtag einzubringen und erklärte: „Ich leide selber darunter. In den letzten Jahren haben wir die Fluglärminitiativen unterstützt, weil ihnen kaum noch jemand zuhört.“ Die Strafgebühren für verspätete Landungen seien viel zu niedrig. Das schrecke keinen ab. Anita Klahn sieht keine Chance, etwas gegen Fluglärm zu erreichen. „Immer mehr Menschen fliegen“, sagte sie, „Stormarn wird auch in Zukunft den Fluglärm haben.“

Eine Batterie von Fragen hatte Udo Reichle-Röber im Gepäck. Von Christian Schubbert, der für die verhinderte Kandidatin Ruth Kastner eingesprungen war, wollte er unter anderem wissen, wie er zum Thema bezahlbarer Wohnraum steht. Das Land könne zwar keine Wohnungen bauen, das sei Hoheit der Kommune, sagte Schubbert, aber den genossenschaftlichen Wohnungsbau fördern.

Dann rief das Glöckchen wieder zum Platzwechsel. Wiebke Garling-Witt als Mitglied der Grünen wusste schon gestern, was sie wählen will. „Aber ich bin hier, um die Fragen zu erkennen, die Bürger an die Politik haben“, sagte sie und machte gleich Uli König glücklich, weil sie eine Frage nach seinem Herzen stellte: „Wann werden die Verwaltungsdaten beim Land transparent gemacht, damit die Kommunen die Bedarfsplanung machen können?“ Derzeit müssten Bürger für Daten bezahlen, wenn sie sie haben wollten, sagte König. „Das geht aber nicht. Die Daten gehören den Bürgern und müssen frei verfügbar sein.“ Dann zückte er einen Zettel, um sofort eine Kleine Anfrage dazu in den Landtag einzubringen. „In zwei Wochen kann ich darauf antworten.“

Angelika von Netz aus Mönkhagen wollte gestern das Speed-Dating als Wahlomat nutzen. „Ich weiß schon, was ich wähle“, sagt die Lehrerin, „aber hier bekomme ich sicher noch Impulse.“ Ihr Thema ist der Unterrichtsausfall. „Gefühlt sind es 65 Prozent“, kritisierte sie, und Anita Klahn gab ihr Recht. „Wir brauchen eine hundertprozentige Unterrichtsversorgung“, betonte sie und warf der jetzigen Regierung vor, weiterhin Lehrerstellen abzubauen. „Wir brauchen mehr Lehrkräfte“, sagte sie, „auch das Thema Inklusion funktioniert nicht ohne Fachkräfte.“ Claus Christian Claussen will eine Unterrichtsgarantie und die schulartenspezifische Lehrerausbildung wieder einführen. „Förderschulen dürfen nicht abgeschafft werden“, betonte der Bargteheider. Kritik am CDU-Programm musste er von Lukas Zeidler einstecken, der fragte, warum die Partei den Frieden an Schulen mit der Wiedereinführung des Abiturs nach neun Jahren stören wolle. „Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass das G9-Konzept der Entwicklung der Schüler besser entspricht“, sagte Claussen.

Bezahlbare Kitas und eine bessere Betreuung – das brachten Claudia Löffler von der Initiative Eltern für Eltern, aber auch andere Leser zur Sprache. Schubbert erklärte dazu, Bildung müsse nach seiner Auffassung ohnehin von Beginn an bis zum Studienabschluss kostenlos sein. Eine interessante Erklärung aus Juristensicht lieferte Claussen auf die Frage, weshalb die Kinderbetreuung so stark in den Fokus gerückt ist. „Das Unterhaltsrecht ist geändert worden. Frauen müssen ihr Kind demnach fremdbetreuen lassen. Außerdem sind immer mehr Familien auf ein zweites Einkommen angewiesen“, sagte er.

Harald Scharfe, starker Verfechter des europäischen Gedankens und Mitglied der Bewegung Pulse of Europe, zeigte sich erleichtert, dass die von ihm befragten Politiker am Abschiebestopp für Flüchtlinge aus Afghanistan festhalten wollen. „Das klappt aber nur 90 Tage. Dann ist der Bund wieder zuständig“, räumte Danhier ein.

 Bettina Albrod und Dorothea von Dahlen

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