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Stormarn Labrador „Missy“ – Lehrerin auf vier Pfoten
Lokales Stormarn Labrador „Missy“ – Lehrerin auf vier Pfoten
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10:00 17.03.2019
Claudia Dietrich-Wacker und ihr Labrador "Missy", die als Schulhund arbeiten soll. Quelle: Bettina Albrod
Stapelfeld

Labrador „Missy“ wird bald eingeschult: Die dreijährige Hündin von Schulleiterin Claudia Dietrich-Wacker soll ab dem nächsten Schuljahr die Arbeit mit den Grundschülern in Stapelfeld begleiten. Als ausgebildeter Schulhund soll der pelzige Pädagoge dazu beitragen, Kindern die Scheu zu nehmen und ihnen beim Lernen zu helfen. Erfahrung damit hat „Missy“ schon in einer Hamburger Grundschule gesammelt. „Wenn die Schulkonferenz zustimmt, kann das Projekt nach den Sommerferien beginnen“, erklärt Claudia Dietrich-Wacker.

Entspannung beim Lernen

Sie erhofft sich durch den Einsatz des Labrador-Retriever-Mischlings mehr Entspannung beim Lernen. „Ein Hund urteilt nicht“, erklärt die Schulleiterin. „Kinder, die beim Vorlesen Schwierigkeiten haben, lesen dem Hund vor. Das ist entspannter und führt dazu, dass sie Hemmungen abbauen.“ Die Hündin ist für ihre pädagogische Aufgabe gründlich ausgebildet worden und hat verschiedene Lehrgänge absolviert, um als Schulhund zugelassen zu werden. Zu ihren Aufgaben gehört auch das Unterrichten. „Die Hündin bekommt verschiedenfarbige Buzzer und drückt sie nacheinander“, beschreibt die Pädagogin eine Aufgabe. „Bei Rot müssen die Kinder ein Nomen nennen, bei Blau ein Verb, bei Gelb ein Adjektiv.“ Auch ein Wortdiktat ist vorgesehen, bei dem die Hundepfote vorgibt, was aufgeschrieben wird.

Schulhund fördert das Sozialverhalten

„Missy“ fördere durch ihre Anwesenheit und die Arbeit mit den Kindern vor allem das Sozialverhalten, so Claudia Dietrich-Wacker. Toleranz, Einfühlungsvermögen, Rücksichtnahme, Respekt und Regelbewusstsein könnten über den Hund vermittelt werden. „Ein Hund bringt Kindern vorbehaltlose Akzeptanz entgegen“, so die Lehrerin, „das Erlebnis von Zuneigung steigert das Selbstwertgefühl.“ An ihrer vorherigen Schule habe sie erlebt, dass ein Kind, das durch Aggressivität auffiel und zum Außenseiter geworden war, durch die Hündin wieder integriert wurde. „Missy“ habe diesen Jungen besonders gemocht. Das habe dazu geführt, dass der Junge seine Aggressionen abgelegt habe und wieder zur Gruppe gehörte. „Missy“ sei sensibel und spüre von selbst, welches Kind Hilfe braucht. „Einmal hat sie ein schüchternes Kind begleitet, damit es sich auf die Bühne traut.“

Claudia Dietrich-Wacker und ihre Hündin "Missy": Nur gutmütige Tiere können als Schulhund arbeiten. Quelle: Bettina Albrod

Die Hündin ist nicht nur ausgebildeter Schulhund, sondern auch ein Spürhund. „Im Rahmen der Rettungshundearbeit wurde „Missy“ als „Mantrailer“ ausgebildet. Sie kann Vermisste aufspüren und ist auch darauf spezialisiert, Demenzkranke wiederzufinden.“ Eine Übung sei, dass ein Schüler sich verstecke und dann von „Missy“ und den Mitschülern aufgespürt werde. Die Schüler sollten dann daraus eigene Geschichten schreiben, und das sei stets sehr kreativ gewesen.

Anstrengende Arbeit für “Missy“

Der Hündin macht ihre Rolle Spaß. Ohne Aufgabe, so ihre Besitzerin, würde sie sich langweilen, als Schulhund sei sie begeistert bei der Sache. Allerdings hat ihre Halterin auch ein Auge darauf, wann es genug ist. „Die Arbeit ist anstrengend für die Hündin, zweimal die Woche für zwei Stunden sind genug.“ Als Schulhund eignen sich nur gut ausgebildete Tiere, die ein dickes Fell haben und auch bei hohem Stresspegel keine Aggression zeigen.

Richtiges Verhalten gegenüber Hunden

Neben dem Nutzen für den Unterricht soll „Missy“ Kindern auch beibringen, wie man sich Hunden gegenüber richtig verhält. Das Sicherheitstraining im Unterricht hilft, bei unvorhergesehenen Hundebegegnungen auf der sicheren Seite zu sein. Dafür lässt die Pädagogin Schüler den Hund durch einen Parcours führen oder macht mit ihnen die Mutprobe: Auf dem Kind werden an verschiedenen Stellen Leckerli verteilt, die „Missy“ dann gutmütig einsammelt. An „Missys“ vorheriger Schule kam die Pädagogik auf vier Pfoten sehr gut an.

Der Schulhund

An mehr als 1000 Schulen bundesweit gibt es mittlerweile einen Schulhund. „Missy“ spielte und lernte mehrmals in der Woche in einer Welpen- und Junghundegruppe, absolvierte den Hamburger Hundeführerschein (Gehorsams- und Wesensprüfung) und trainiert ihre Nase in der Rettungshundearbeit als „Mantrailer". Zudem ist sie ausgebildeter Schulhund. Ein Schulhund ist als Angebot an das Kind zu verstehen. Daher entscheidet jedes Kind selbst, ob es dieses Angebot nutzen möchte und wie weit der Kontakt geht.

Damit das auch in Stapelfeld funktioniert, will Claudia Dietrich-Wacker das Konzept den Eltern vorstellen und mögliche Bedenken abklären. Die Kollegen, Schulaufsicht und Schulverband haben bereits zugestimmt, im Mai tagt die Schulkonferenz zu dem Thema. „Der Hund wird nur abgeleint, wenn alle Kinder zustimmen“, betont Claudia Dietrich-Wacker.

Kurs „Wolf – Hund – Schulhund“

Reinschnuppern kann man in das Thema schon mal bei einer Projektwoche Ende Mai: Beim Kurs „Wolf – Hund – Schulhund“ werden Pfotenabdrücke aus Gips gefertigt, Suchspiele mit „Missy“ gemacht und die Entwicklung vom Wolf zum Haushund erklärt. „Missy“ muss auch arbeiten: Alle zwei Jahre steht eine Fortbildung beim Thema Schulhund an. Zudem liegt bereits eine Anfrage zu einer Masterarbeit vor, um das Thema tiergestützte Pädagogik wissenschaftlich zu begleiten.

Bettina Albrod

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