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Stormarn Längere Anflugschneise trifft Stormarn
Lokales Stormarn Längere Anflugschneise trifft Stormarn
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20:10 05.11.2014
Anflugrouten als Linienspiele: Bevor die Jets in Fuhlsbüttel aufsetzen, sammeln sie sich über Stormarn. Die Linien zeigen, wie die Flugzeuge von hoch (blau) bis tief (vor der Landung: rot) stetig an Höhe verlieren. Über Bargteheide und Bad Oldesloe sind die meisten Maschinen weniger als 1000 Meter hoch. Grafik: Deutsche Flugsicherung
Ahrensburg

Der Hamburger Senat hat am Dienstag in Zusammenarbeit mit dem Flughafen und der Deutschen Flugsicherung (DFS) längere Landeanflüge auf den Flughafen Fuhlsbüttel ab Anfang 2015 beschlossen, um die Menschen im Hamburger Nordosten besser vor Fluglärm zu schützen. Damit werden mehr Flugzeuge über den Süden Stormarns anfliegen. Um den Lärmzuwachs aber etwas auszugleichen, werden die Maschinen vor allem Ahrensburg, Bargteheide und Großhansdorf in größerer Höhe überfliegen. Betroffen ist auch Bad Oldesloe, über der Kreisstadt werden sich mehr Maschine zum Anflug auf Fuhlsbüttel sammeln — aber ebenfalls in großer Höhe. Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach bekommt wahrscheinlich einen Sitz in der Hamburger Fluglärmschutzkommission, um künftig Stormarns Interessen vertreten zu können.

Zugelassen werden laut Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt in Hamburg (BSU) nur noch Landeanflüge von mindestens sieben Nautischen Meilen (12,9 Kilometer). Kurzanflüge von vier Nautischen Meilen (7,4 Kilometer) sind nur noch in Notlagen erlaubt. Damit entfallen niedrige Queranflüge über Hamburger Stadtgebiet. Außerdem müssen Fluggesellschaften vom nächsten Jahr an mehr zahlen, wenn ihre Maschinen nach 22 Uhr landen. Für leisere Jets gibt es einen Bonus.

Um eine Mehrbelastung für Ahrensburg und Umgebung zu vermeiden, wird die Mindestflughöhe dort von bisher 2500 Fuß auf 3000 Fuß (etwa 900 Meter) heraufgesetzt. Zudem will die Deutsche Flugsicherung in verkehrsarmen Zeiten am Wochenende bis 10 Uhr morgens und nach 20 Uhr den Anflug auf zehn Nautische Meilen (NM) verlängern. „Das bringt Vorteile für Ahrensburg mit sich, da dieses Gebiet dann nicht überflogen wird, ohne große Nachteile für die anderen Kommunen des Kreises Stormarn, vor allem Bargteheide, zu verursachen“, heißt es in einer Mitteilung der BSU. Anflüge kürzer als 18,5 Kilometer (zehn Nautische Meilen) sollen an Wochenenden und Feiertagen vor 10 und nach 20 Uhr unterbleiben.

„Bei einem Kompromiss gibt es immer Gewinner und Verlierer“, so Bürgermeister Michael Sarach. „Inwieweit das eine Entlastung für Ahrensburg bringt, weiß ich noch nicht.“ Es sei aber ein positives Signal, dass die Flughöhe über Ahrensburg angehoben werde. „Ich bin zuversichtlich, einen Sitz in der Fluglärmschutzkommission zu bekommen, um dort Stormarn zu vertreten“, so Sarach weiter.

Bald sollen in Bargteheide und Ahrensburg Messcontainer aufgestellt werden, die Daten zur Fluglärmbelastung sammeln. „Es gibt viele positive Zeichen“, fasst Sarach zusammen. „Ich freue mich über das Bemühen, die Südstormarner Interessen einzubeziehen.“

„Durch den Wegfall der Kurzanflüge werden vor allem die Hamburger Walddörfer entlastet. Die Last wird auf Südstormarn umverteilt“, sagt Bargteheides Bürgermeister Dr. Henning Görtz. Aber bei einem Kompromiss könne man es nie allen Recht machen, jeder wolle fliegen. Er hoffe aber, dass das Lärmproblem damit in Stormarn nicht verschärft werde. „Es ist ein Erfolg, dass Stormarn ein Mitglied in der Kommission bekommen soll“, so Görtz weiter.

Die Bürgerinitiative Alstertal Walddörfer (BAW) kritisiert den Beschluss. „Das bedeutet nichts anderes als eine Festschreibung des Fluglärms über Ahrensburg“, bewertet Martin Mosel, Sprecher der BAW, die Senatsentscheidung. Die längeren Landeanflüge von zehn Nautischen Meilen seien internationaler Standard. „Der Senat hat beschlossen, was die Flugsicherungskommission im Juni vorgegeben hat, ohne unsere Argumente mit einzubeziehen“, kritisiert Mosel. „Die BAW ist enttäuscht, dass der Hamburger Senat sich von wirtschaftlichen Interessen der Deutschen Flugsicherung hat leiten lassen. Wir nehmen das nicht hin und werden nächste Woche eine Fluglärmschutzallianz Nord aller Bürgerinitiativen zu dem Thema gründen.“ Der Prozess solle auf die Straße getragen werden. „Es wird überall da, wo Fluglärm herrscht, Demonstrationen geben.“

FLSK an jedem Flughafen
Eine Fluglärmschutzkommission (FLSK) ist laut Luftverkehrsgesetz an jedem deutschen Verkehrsflughafen zu bilden, für den ein Lärmschutzbereich nach dem Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm festgesetzt ist. Die FLSK hat die Aufgabe, die Genehmigungsbehörde — das ist in Hamburg die Wirtschaftsbehörde — sowie die für die Flugsicherung zuständige Stelle (Deutsche Flugsicherung — DFS) bei Maßnahmen zum Schutz gegen Fluglärm und gegen Luftverunreinigungen durch Luftfahrzeuge zu beraten.

Bettina Albrod

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