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Stormarn Lärmschutz: Hamberge gibt nicht nach
Lokales Stormarn Lärmschutz: Hamberge gibt nicht nach
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21:28 10.05.2017
Sogar ein Fernsehteam war am Dienstag in Hamberge. Bürgermeister Paul Friedrich Beeck (2.v.l.) war während der gesamten Versammlung „verkabelt“. Quelle: Foto: M. Carstens

Das Land hatte zuletzt angeboten, den Schutzwall rund zwei Jahre nach der sechs Kilometer langen Versuchsstrecke für Elektro-Lkw zwischen Reinfeld und Lübeck zu realisieren. Das stößt in Hamberge jedoch auf großes Unverständnis, die Gemeinde erwägt sogar eine Klage.

Post von Dobrindt

Der Lärmschutz in Hamberge beschäftigt jetzt sogar das Bundesverkehrsministerium. Die Maßnahme werde gegenüber dem – auch schon lange geplanten – Bau der A-1-Anschlussstelle vorgezogen, teilte Minister Alexander Dobrindt (CSU) der Gemeinde mit – allerdings ohne genauen Termin.

Ein wenig veräppelt fühlen sich die Hamberger schon. „Wenn es politisch gewollt ist, geht alles ganz schnell“, sagte Einwohner Karsten Witt in Anspielung auf die zügige Umsetzung des Prestigeprojekts E-Highway, während die Gemeinde seit 29 Jahren auf den versprochenen Lärmschutzwall wartet. „Überall an der A 1 entstehen Lärmschutzwände, nur bei uns nicht“, echauffierte sich ein anderer Hamberger Bürger.

Dass der Verkehr immer stärker und der Lärm immer schlimmer geworden sind, davon überzeugten sich gerade erst vor Ort die beiden CDU-Bundestagsabgeordneten Ingo Gädechens und Norbert Brackmann.

„Wir wollen nicht länger vertröstet werden“, machte Bürgermeister Paul Friedrich Beeck (CDU) auf der Sitzung deutlich. „Der E-Highway kostet 17 Millionen Euro und wird genau in dem Bereich gebaut, in dem wir eine Lärmschutzwand haben wollen.“ Den Gemeindevertretern erschließt es sich nicht, warum beide Maßnahmen nicht zusammen gebaut werden. „Es ist völlig unsinnig, erst den E-Highway zu bauen und ein Jahr später schon wieder eine Baustelle auf der Autobahn einzurichten“, meint Beeck. „Zumal auch die Pfeiler für die Stromleitung mit einer Leitplanke gesichert werden müssen, falls mal ein Lkw dagegen fährt.“ Es sei paradox, so der Bürgermeister; das Geld sei da, die Planungen lägen fertig in der Schublade, nur gebaut werde nicht.

„Es gibt für beide Vorhaben unterschiedliche Zeitschienen“, erwidert dagegen Harald Haase, Sprecher des Kieler Verkehrsministeriums. Beides zusammen zu bauen, sei nicht möglich, da es getrennte Verfahren seien.

Das Ministerium hatte der Gemeinde vor einer Woche einen Vertrag zur Unterschrift vorgelegt, in dem der Lärmschutz erst 2020 realisiert werden solle – zwei Jahre nach dem E-Highway.

„Der Vertrag ist ohne viel Nachdenken in wenigen Minuten erstellt worden“, ärgerte sich der stellvertretende Bürgermeister Albert Iken. Der Zeitplan sei so nicht akzeptabel, da müsse nochmal verhandelt werden.

Im Zuge des Baus der A-20 war Hamberge besagter Lärmschutzwall zugesichert worden. Nach 30 Jahren erlischt der Rechtsanspruch; das ist im kommenden Jahr der Fall. Die Gemeinde hat nun bereits eine versierte Juristin aus Hamburg eingeschaltet. „Es gibt die Möglichkeit, wegen Untätigkeit zu klagen“, erklärte Bürgermeister Beeck in der Versammlung. So ein Gerichtsverfahren könne natürlich auch länger dauern. „Aber wenn wir jetzt keine vernünftige Regelung hinbekommen, werden wir den Klageweg beschreiten“, so das Gemeindeoberhaupt weiter. „Wir haben rein gar nichts gegen den E-Highway, aber dann wird er möglicherweise nicht so schnell kommen.“

Das sieht das Ministerium anders. „Eine Klage der Gemeinde, die auf die Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen gerichtet ist, hat keine Auswirkungen auf die Zulässigkeit des E-Highway“, betont Haase. „Beides kann unabhängig voneinander umgesetzt werden.“ Und falls später Anpassungen der E-Highway-Masten erforderlich würden, sei das kein Problem, sondern alltägliches Geschäft.

 Markus Carstens

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