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Stormarn Landräte auch mit dunkler Weste
Lokales Stormarn Landräte auch mit dunkler Weste
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15:37 05.11.2018
Stellten das neue Buch vor: (v. l.) Henning Görtz, Barbara Günther, Jörg Schumacher und Stefan Watzlawzik vor der Galerie der Landräte. Quelle: M. Thormählen
Bad Oldesloe

 Auf knapp 170 Seiten ist das Wirken der Kreisverwaltungschefs anschaulich und exakt dargestellt worden. Der Historiker Henning K. Müller hat ein lesenswertes Buch verfasst – es trägt den Titel „Die Stormarner Landräte und der Nationalsozialismus“ und ist bei der offiziellen Vorstellung besonders gelobt worden. „Es ist gut, dass wir damit auch unsere eigene Vergangenheit aufgearbeitet haben, denn das ist wichtig für unsere eigene Wahrnehmung“, stellte der amtierende Landrat Dr. Henning Görtz fest. Auch dieses Thema gehöre mit zur mittlerweile mehr als 150-jährigen Geschichte des Kreises.

Bei der Präsentation – mit dabei waren am Montag auch der Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung, Jörg Schumacher, und die Historikerin Barbara Günther – erinnerte der Leiter des Kreisarchivs, Stefan Watzlawzik, an die vor fünf Jahren auch öffentlich geführte Diskussion um die Vergangenheit der Landräte. Denn seit den sechziger Jahren hängen deren Porträts nebeneinander in einem langen Büroflur im Oldesloer Kreishaus. „Wir wollten bekannt machen, welche Rolle die Betroffenen hatten“, so Stefan Watzlawzik. Dabei sei es Wesentlichen um zwei Fragen gegangen: Wie hätten die Landräte der Nazi-Partei NSDAP gestanden und seien sie sogar an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen?

Keine dramatischen Vorgänge

„Wir sind heilfroh, dass keine dramatischen Vorgänge bekannt geworden sind“, zog Jörg Schumacher sein Fazit. Dem konnte auch der Leiter des Kreisarchivs zustimmen: „Keiner war während seiner Landrats-Zeit an Kriegsverbrechen beteiligt.“ Die Recherchen für das neue Buch übernahm der Historiker Henning K. Müller, der dafür von der Kulturstiftung der Sparkasse Holstein beauftragt wurde. „Wir wollten ein ganz neutrales Ergebnis und deshalb hat es den Auftrag von der Stiftung gegeben und nicht etwa durch den Kreis“, stellte Jörg Schumacher fest. Insgesamt seien in das Projekt knapp 20 000 Euro investiert worden. Dies sei aber wichtig gewesen, weil auch die NS-Zeit ein „Teil unserer Geschichte“ sei: „Und die ist bisher weitgehend ausgeblendet worden.“

Historiker Henning K. Müller ist bei seinen Nachforschungen zu bisher unbekannten Ergebnisse gekommen. So wiesen Stefan Watzlawzik und Barbara Günther darauf hin, dass Erich Keßler, der von 1937 bis 1940 als Landrat amtierte, durchaus entlastet worden sei. Er unter anderem vom NS-Gauleiter für seine teilweise kritischen Äußerungen gerügt worden. Außerdem habe er nach seiner Dienstzeit in Stormarn einer Widerstandsgruppe angehört, die Hitler stürzen wollte. Dem gegenüber wird jetzt das Wirken von Keßlers Nachfolger Rolf Breusing anders bewertet. Er habe vor allem während der Nazi-Zeit Karriere machen wollen, um schnell voran zu kommen, stellte Stefan Watzlawzik fest: „Das System hat ihm Vorteile geboten.“ Zu den Verbrechen wie die Vernichtung der Juden oder die Zwangsarbeit habe er sich später ahnungslos gestellt, obwohl er auch für den Sicherheitsdienst der SS tätig gewesen sei.

Weitere Aufarbeitung geplant

Der Leiter des Kreisarchivs machte deutlich, dass mit der Vorlage des neuen Buches die Aufarbeitung von Vorgängen während der Nazi-Zeit allerdings noch nicht beendet sei. Es gehe vielmehr auch um die Mitarbeiter in der Verwaltung, die in der zweiten oder dritten Reihe gestanden hätten: „Sie sind teilweise mehr belastet als die Landräte.“ Henning Görtz machte klar, die Galerie der Landräte mit zurzeit 15 Portraits solle in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben. Neben den Porträts sind mittlerweile Informationstafeln angebracht, die Daten und Fakten zum Wirken der jeweiligen Landräte präsentieren.

Auch öffentlich präsentieren

1500 Exemplare sind bisher gedruckt worden. „Die Stormarner Landräte und der Nationalsozialismus“ soll zunächst von Politikern gelesen werden. Auch weiterführende Schulen im Kreis sollen das Buch bekommen. Für Dezember ist eine öffentliche Buchpräsentation geplant. Wer Interesse an einem Exemplar hat, kann sich an das Kreisarchiv Stormarn, Mommsenstraße 14, in Bad Oldesloe wenden (Telefon 04531/1601514, E-Mail www. kreisarchib@kreis-stormarn.de). Es kostet 15 Euro.

M. Thormählen

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