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Stormarn Landwirt bleibt dabei: Es wird verkauft
Lokales Stormarn Landwirt bleibt dabei: Es wird verkauft
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19:14 28.07.2018
Uwe zum Felde auf seinem Land: Noch baut er auf den Flächen Getreide an. Hinten verläuft die Bahnstrecke von Lübeck nach Hamburg. Quelle: Foto: Carstens
Reinfeld

Zum Felde wundert sich ein wenig über einige Argumente der vor kurzem gegründeten Initiative Pro Reinfeld. Diese behauptet, dass die Flächen an der Straße Dröhnhorst häufig überschwemmt und deshalb gar nicht als Bauland geeignet seien. „Davon kann keine Rede sein“, sagt der Landwirt, dessen zwei Söhne den Betrieb nicht fortführen wollen. Schließlich nutze er diese Flächen seit Jahren landwirtschaftlich. Lediglich im vergangenen Jahr standen diese durch die massiven Regenfälle zeitweise unter Wasser.

Im Zuge der Debatte um die Schaffung von neuem Wohnraum im Südwesten Reinfelds wird auch eine mögliche Westtangente für den Straßenverkehr wieder aktuell. Im Stadtentwicklungsausschuss sind vor kurzem vier Varianten vorgestellt worden (siehe Grafik).

Grundsätzlich sei es ja legitim, eine andere Meinung zu haben und sich für die Natur vor Ort einzusetzen, so Uwe zum Felde weiter. Allerdings verhalte es sich zum Beispiel auch mit dem Seeadler-Pärchen anders, als von der Bürgerinitiative geschildert. Natürlich würden die Vögel auch am Messingschläger Teich gesichtet, die Adler hätten ihren Horst jedoch nicht in dem Gebiet, sondern am Herrenteich.

Wohnraum schaffen

Insgesamt dürfe man das Thema nicht schwarz-weiß sehen, sagt Uwe zum Felde weiter. „Sicher muss man Belange des Naturschutzes berücksichtigen. Und die Stadt muss bei einer eventuellen Bebauung ja auch alle Schritte mit Wasser- und Naturschutzbehörden abstimmen“, so der 61-jährige Landwirt. „Allerdings gibt es auch eine hohe Nachfrage nach Wohnraum gerade im Kreis Stormarn. Deshalb kann man nicht alles verhindern. Schließlich geht es um Menschen, und das müssen Kommunalpolitiker berücksichtigen.“

Das erste Mal hatte die Stadt Reinfeld bereits vor mehr als 20 Jahren Interesse an den insgesamt 48 Hektar von Uwe zum Felde. Damals war das Angebot für den Landwirt jedoch überhaupt kein Thema.

Vor nun fünf Jahren gab es dann eine erneute Anfrage aus dem Bauamt. Und weil zum Felde eben keinen Nachfolger für die Bewirtschaftung seines Hofes hat, räumte er der Stadt ein Vorkaufsrecht ein.

Dieses ist befristet bis Ende 2019. Spätestens 2020 will zum Felde als Landwirt aufhören.

Will Reinfeld wachsen?

„Sicher profitiere ich auch von einem Verkauf“, sagt Uwe zum Felde und hofft fortan auf eine sachliche Diskussion und am Ende eine vernünftige Kompromisslösung. „Ich bin gesprächsbereit, werde mich aber in Sachen Verkauf der Flächen nicht mehr umstimmen lassen.“

Die Stadtpolitik hatte auf der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses den Flächennutzungs- und Landschaftsplan dahingehend geändert, dass auf dem Gebiet Wohnbebauung möglich ist. Entstehen sollen Einfamilienhäuser genauso wie Miet- und Sozialwohnungen.

Laut einem Gutachten des Kreises benötigt Reinfeld zwischen 380 und 540 neue Wohnungen bis 2030. Die Bürgerinitiative Pro Reinfeld hat ausgerechnet, dass die Stadt dann um 1200 Einwohner wachsen würde. „Die Planung stellt die große Variante dar“, sagt Bürgermeister Heiko Gerstmann. Soll heißen: Es kann auch ein paar Nummern kleiner werden. Laut Gerstmann geht es um die Frage, ob Reinfeld grundsätzlich weiter wachsen will. Nach den Ferien gibt es eine Einwohnerversammlung.

Kommt die Westtangente?

In jedem Fall muss es eine Bahnquerung geben, vermutlich eine Brücke. Die kürzeste – und für Politik und Verwaltung derzeit interessanteste – Variante würde vom Klosterberg zur Bundesstraße 75 (Hamburger Chaussee) führen. Kommt das Neubaugebiet, erscheint auch die Erschließung über den Dröhnhorster Weg möglich. Momentan ist diese Straße, die zum Gehöft von Landwirt Uwe zum Felde führt, jedoch zu schmal. Direkt am Rand stehen einige Häuser, die für den Fall wohl weichen müssten.

Andere Möglichkeiten wären die Erschließung über den Fuhlbrucksweg oder ganz raus aus der Stadt, dann jedoch am Wald Steinkampsholz vorbei – naturschutzrechtlich ein sensibles Gebiet.

Wie auch immer: Sollte die Westtangente realisiert werden, könnten der Bahnübergang Kalkgraben dichtgemacht und die Straße dort für Autos zur Sackgasse werden. Für Fußgänger würde eine neue Querung gebaut werden.

Durch den zunehmenden Güterverkehr rechnen Verkehrsplaner schon jetzt damit, dass die Halbschranken am Kalkgraben viel häufiger schließen. Der andere Bahnübergang am Zuschlag soll im kommenden Jahrzehnt durch eine Brücke ersetzt werden.

Mc Von Markus Carstens

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