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Stormarn Langer Prozess um ermordeten Trittauer
Lokales Stormarn Langer Prozess um ermordeten Trittauer
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20:25 29.06.2013

Morgen und Dienstag bekommt das Grauen weitere Facetten. Es sind die nächsten Verhandlungstermine, an denen fünf wegen Mordes angeklagte Litauer in Saal 18 am Dessauer Landgericht antreten müssen. Tage, an denen der Mord an dem Trittauer Ulf M. aufgearbeitet wird.

Die Männer sollen im Januar vergangenen Jahres den 39-jährigen Informatiker getötet haben. Er war auf dem Weg von München zu seinen Eltern in Trittau. Dort kam er nie an. Ulf M. starb in einem Waldstück bei Cobbelsdorf in Sachsen-Anhalt. Seine Leiche wurde in einem weißen Lieferwagen gefunden. Seine Peiniger hatten ihn mit unvorstellbarer Brutalität erschlagen — wegen seiner Kreditkarten.

Ulf M. starb für zwei Packungen Zigaretten, 20 Flaschen Sternburger Export, 15 Paar Handschuhe, 15 Paar Turnschuhe, vier Paar Kinderschuhe, 75 Pakete Kaffee. Derlei hatten die Täter mit seinen Kreditkarten gekauft. Knapp 4000 Euro haben sie ausgegeben. Dafür musste der Mann sterben.

Es gibt zwar einen Hauptbelastungszeugen, durch den die letzten Stunden seines Lebens nachgezeichnet werden konnten. Aber in der jüngsten Verhandlung vergangene Woche schwieg dieser Mitangeklagte plötzlich — obwohl er sich bis dahin gesprächsbereit gezeigt hatte. Er will beweisen, dass er mit der Tat nichts zu tun gehabt habe.

Doch er muss fürchten, vermuten Prozessbeobachter, dass ihn die Anwälte der anderen Angeklagten aufs Eis führen wollen. Deshalb schweige er. Weniger weil ihn, wie er sagt, ein schwerer Schicksalsschlag getroffen habe.

So gerät dieses Verfahren einmal mehr ins Stocken. Mittlerweile habe die Flut der prozessualen Anträge zu Verhandlungsterminen bis weit in den Dezember geführt, berichtet der Gerichtssprecher in Dessau. Zehn Anwälte verteidigen die Männer, die Jogginghosen und billige Hemden tragen. Ein Urteil steht nun frühestens zwei Jahre nach der Bluttat zu erwarten — vielleicht im kommenden Dezember.

Und an jedem Verhandlungstag wird der Schmerz der Famile erneut aufgewühlt. Man müsse nur vernünftig sein, hatte die Mutter des Ermordeten gesagt, als sie ihre Aussage im Dessauer Landgericht machte.

Man müsse sich an der frischen Luft bewegen, damit man es hinbekomme. Doch die 70-Jährige hat es nicht hinbekommen. Ihr Mann nicht. Die beiden Brüder nicht. Die ganze Familie nicht.

Hinzu kommt, dass ihnen der Vorsitzende Richter auf Betreiben von Verteidigern untersagte, ein Bild ihres Sohnes im Gerichtssaal aufzustellen. Allerdings verhinderten die Verteidiger nicht den Appell der Mutter an die fünf ihr gegenüber sitzenden Angeklagten. „Die sollen wissen“, sagte die Frau, „dass sie kein anonymes Opfer umgebracht, sondern einer Familie einen einmaligen Menschen entrissen haben.“

Und: „Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen sich ihrer Verantwortung stellen.“

„Sie haben einer Familie einen einmaligen Menschen entrissen.“


Die Mutter des Opfers

Uwe Krog und Thomas Steinberg

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