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Stormarn Lauben zerstört: Kleingärtner in Angst
Lokales Stormarn Lauben zerstört: Kleingärtner in Angst
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22:32 31.10.2013
Diese Laube galt als die schickste in der Kleingartenanlage an der Obertrave. Nun ist sie ein einziges, verkohltes Trümmerfeld. Quelle: Verena Bosslet
Bad Oldesloe

Fassungslos steht Rolf Erdorf in den schwarzen, verrußten Resten einer Gartenlaube. „Das ist alles nur noch Kohle“, sagt der Vorsitzende des Bad Oldesloer Bootsvereins Obertrave (BVO) traurig. In der Nacht zu gestern waren Unbekannte durch die idyllische Kleingartensiedlung des BVO an der Heimstraße gezogen, steckten fünf liebevoll gepflegte Holzhäuschen an, zerstörten Zäune, brachen in eine Laube ein, banden Boote los, die dann herrenlos auf der Trave trieben. Doch das ist nicht der einzige Vorfall: Kurze Zeit später gab es einen weiteren Feueralarm, weil ein Geräteschuppen auf der Minigolfanlage am Exer in Flammen steht — auch hier handelt es sich vermutlich um Brandstiftung.

„Dass ab und an mal eingebrochen wird, kommt vor“, sagt Rolf Erdorf. „Das ist Schabernack. Aber das hier hat eine ganz andere Dimension. Die sind mit großer krimineller Energie vorgegangen.“ Eine halbe Stunde nach Mitternacht erreichte die Polizei der Notruf, der eine brennende Gartenlaube meldete. Beim Eintreffen der Feuerwehr standen fünf Holzhäuser in Flammen, brannten teils komplett ab.

Die Buschtrommeln haben funktioniert. Am Morgen nach der unheimlichen Brandnacht schauen viele Kleingärtner nach ihrem Besitz. „Ja, ich habe Angst. Das ist nicht lustig“, sagt eine Frau, die in ihrem Garten Laub zusammenfegt. Ihren Namen will sie nicht nennen. „Das ist die schlimmste Katastrophe, die der Verein erlebt“, sagt sie. „Aber was sollen wir machen?“

Auf Parzelle drei wurde das kleine grüne Refugium einer jungen Bad Oldesloerin ein Raub der Flammen. Rolf Erdorf ist erschüttert. „Sie hatte den Garten erst drei Monate“, sagt er. „Ein paar tausend Euro sind dahin, einmal ganz abgesehen von dem ideellen Verlust.“ Zwei Parzellen weiter ist ein Senior froh, dass es seine Hütte nicht getroffen hat. „Ich habe heute Morgen schnell eine Versicherung abgeschlossen“, ruft er herüber. 79 Euro koste die im Jahr. Wie hoch der Sachschaden in der Kleingartenanlage ist, kann derzeit noch niemand absehen.

Rund 15 000 Euro, so eine Schätzung der Polizei, beträgt der auf dem Exer angerichtete Schaden. „Die Feuerwehrleute, die auf dem Weg zu den Kleingärtnern unterwegs waren, haben die Flammen bei uns gesehen“, sagt die Betreiberin des Minigolfplatzes, Karla Burmester. Sie steht fassungslos vor den verkohlten Trümmern, die aus dem Geräteschuppen geholt wurden: „Wir haben am 20. Oktober unsere Saison beendet und deshalb Geräte, Tische, Stühle und Werkzeuge untergestellt.“

Glücklicherweise waren die von Oldesloer Wehr und der Polizei alarmierten Aktiven aus Poggensee und Seefeld rasch zur Stelle, um Schlimmeres zu verhindern — und das ist ihnen auch gelungen. Der hölzerne Minigolf-Schuppen steht nämlich direkt neben dem Lagerraum eines angrenzenden Restaurants. Wände und auch das Dach des Lokals wurden von den Flammen in Mitleidenschaft gezogen. Die Feuerwehrleute suchten noch in der Nacht mit Hilfe von Wärmebildkameras nach möglichen Glutnestern in dem Nachbarhaus, berichtet Karla Burmester.

„Wir haben ja schon viel erlebt, aber damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Karla Burmester. Einbrüche hätte es in das Gebäude des Minigolfplatzes bereits öfter gegeben, auch gegen einen Feuerschaden sei dieses Holzhaus versichert — nicht jedoch der dicht daneben stehende Schuppen. „Das war ganz sicher Brandstiftung, und zwar mit einer Flüssigkeit an drei verschiedenen Stellen“, erklärt Karla Burmester.

Davon geht auch die Kripo nach ersten Ermittlungen aus, auch wegen der zeitlichen Nähe der insgesamt sechs Feuer. Ein konkreter Tatverdacht bestehe noch nicht.

Unheimliche Brandserie in Bad Oldesloe
8. Januar 2013: Am Kirchberg in Bad Oldesloe wird eine Gartenlaube angezündet. Die Laube, die neben zwei anderen auf dem Gelände des Kirchenvereins stand, brannte komplett nieder. Der Schaden: 1000 Euro. Die Polizei vermutet Brandstiftung.

19. Juli 2013: Unbekannte ziehen in den frühen Morgenstunden zündelnd durch Bad Oldesloe. Drei Autos, zwei Carports und zig Papiercontainer werden beim Streifzug durch die Breslauer Straße und Feldstraße beschädigt. Menschen werden zum Glück nicht verletzt. Von den Tätern fehlt jede Spur.
1. Oktober 2013: In Bad Oldesloe werden zwei Motorroller gestohlen und wenig später völlig ausgebrannt unter der Travebrücke im Berliner Ring aufgefunden.

17. Oktober 2013: Eine Holzlaube auf dem Kleingartengelände Radeland am Rümpeler Weg in Bad Oldesloe brennt ab. Das Feuer bricht gegen 4.15 Uhr aus, eine Stunde später hat die Freiwillige Feuerwehr Bad Oldesloe den Brand gelöscht. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, Menschen kommen nicht zu Schaden. Auch ein Motorroller neben der Gartenlaube verbrennt.
„Das ist kein Schabernack. Die sind mit großer
 krimineller Energie vorgegangen.“
Rolf Erdorf, Vorsitzender des BVO

V. Bosslet und M. Thormählen

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