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Lebenslänglich für den Gewalttäter mit der Metallforke?

Stapelfeld Lebenslänglich für den Gewalttäter mit der Metallforke?

Die Plädoyers im Stapelfelder Schlackegabel-Prozess sind gehalten. Die Staatsanwältin und der Anwalt der Familie des Opfers haben gestern vor der Ersten Großen Strafkammer ...

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Der 23-Jährige wird zurück in seine Zelle gebracht. Dort hatte er vor einigen Wochen selber Feuer gelegt.

Quelle: ukk

Stapelfeld/Lübeck. Die Plädoyers im Stapelfelder Schlackegabel-Prozess sind gehalten. Die Staatsanwältin und der Anwalt der Familie des Opfers haben gestern vor der Ersten Großen Strafkammer am Lübecker Landgericht die höchst mögliche Strafe gefordert.

Schwere Schuld

Verurteilt das Gericht zu Lebenslang und stellt besondere Schwere der Schuld fest, darf der Verurteilte dennoch auf eine Freilassung hoffen, jedoch verlängert sich die durchschnittliche Haft von 17 bis 20 Jahre auf 23 bis 25 Jahre. Besondere Schuldschwere ist etwa erbarmungslose Brutalität. Quelle: Wiki

Lebenslänglich soll der 23-jährige Kosovo-Albaner wegen versuchten Mordes erhalten. Und zwar mit „Feststellung der besonderen Schwere der Schuld“. Das bedeutet, dass er nicht vorzeitig entlassen wird. Es wird nach 15 Jahren Freiheitsentzug nicht geprüft, ob er wieder in Freiheit darf. Der Verteidiger hat wegen versuchten Totschlags auf zwölfeinhalb Jahre plädiert.

Dem 23-Jährigen war in diesem seit Dezember laufenden Verfahren vor allem zur Last gelegt worden, am 17. Juni vergangenen Jahres in der Müllverbrennungsanlage von Stapelfeld einem 59-jährigen Kollegen in Tötungsabsicht eine Metallforke in das Gesicht gerammt zu haben. Eine Schlackegabel, die von den Arbeitern dort zum Reinigen des Ofens verwendet wird. Die Wucht seines Schlages war so groß, dass die Gabel im Kopf des Opfers stecken blieb. Danach verließ der Gewalttäter in aller Ruhe, wie eine Videokamera am Werkstor dokumentierte, das Gelände — und kehrte nach Aufforderung des Pförtners, seine Kontrollkarte abzugeben, sogar noch einmal zurück.

An einer viel befahrenen Kreuzung war er danach in das Auto einer bei Rot haltenden Autofahrerin eingedrungen und hatte der Frau eine Platzwunde zugefügt, beim Versuch, ihren Honda als Fluchtfahrzeug zu nutzen. Das scheiterte an seinem Unvermögen, den Wagen in Bewegung zu setzen. So bedrohte er weitere Autofahrer, bis er schließlich in einem Ford Focus davonraste, verfolgt von Augenzeugen.

Gestoppt wurde er in der Treptower Straße in Rahlstedt von Hamburger Polizisten. Eine Beamtin auf Streifenfahrt war dem Fahrzeug zufällig begegnet. Sie wendete und folgte dem Fluchtfahrzeug mit bis zu 80 Stundenkilometer, dirigierte per Funk gleichzeitig die Kollegen, die sich ihm nach lebensgefährlichen Manövern mit ihrem Fahrzeug in den Weg stellten. Auf dem Beifahrersitz des Fluchtwagens lag noch eine Handtasche der Autobesitzerin. Ohne Portemonnaie. Das wurde später beim Gewalttäter gefunden. Doch dieser Diebstahl wird vor dem Hintergrund der anderen Taten beim Urteil kaum eine Rolle spielen.

Zurück bleibt ein Opfer, das nach Ansicht der Ärzte nur wenige Chancen hat, jemals wieder ein normales Leben zu führen. Erst vor wenigen Wochen ist es gelungen, den 59-jährigen Patienten im Boberger Unfall-Krankenhaus in einen Rollstuhl zu setzen. Wenigstens sprechen kann der Mann, aber die Reaktionen sind verlangsamt. Er sei oft traurig, hatte die Tochter seinen seelischen Zustand beschrieben.

Tapfer hatten sie und ihre Schwester im Wechsel der Verhandlung beigewohnt. Und eine hatte sich am letzten Verhandlungstag vor den Plädoyers in der vergangenen Woche noch beschimpfen lassen müssen von einem überdrehten, sprunghaften Angeklagten. Wenigstens, und das war das einzige Mal, hatte der sich entschuldigt. In einer Art, die aber kaum Anteilnahme zeigte. „Der wird schon wieder gesund“, hatte der Gewalttäter gesagt.

Er selber kam wenigstens beim psychiatrischen Gutachter nicht durch mit seiner vorgeblichen Geisteskrankheit. Er höre Stimmen. Dämonen spukten in seinem Kopf, hatte er mehrfach betont. Und einmal, als der Nervenarzt ihn nach den familiären Verhältnissen fragte, „wollte er lieber über seine Schizophrenie reden“, beschrieb der Psychiater das Gespräch. Das würde ein wirklich Kranker niemals tun.

Das Urteil fällt am 14. März.

Von Uwe Krog

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