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Stormarn Legionellen-Befall im Travebad
Lokales Stormarn Legionellen-Befall im Travebad
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00:39 22.09.2017
Seit dem 5. September ist das Travebad geschlossen. Besonders bitter für Schulen und Vereine, die das Schwimmen ausfallen lassen müssen. Quelle: Fotos: Matzen
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Bad Oldesloe

Auch gestern standen Schwimmer vergebens vor dem Hallenbad. Ein rotes „Geschlossen“- Schild hing an der gläsernen Eingangstür – ohne einen Hinweis, wann die Besucher wieder mit der Öffnung der Schwimmhalle rechnen können.

Schlechte Nachrichten für das Travebad in Bad Oldesloe: In einer Duschwasserleitung wurden Legionellen entdeckt. „Die Schwimmhalle bleibt deshalb vorerst geschlossen“, teilten die Vereinigten Stadtwerke gestern Nachmittag mit. Wann der Betrieb wieder starte, sei noch offen.

Legionellen

Gefahr aus der Dusche: Legionellen sind gefährliche Keime, die über die Atemwege aufgenommen werden können. Die Infektion beginnt mit Husten und Fieber. Im Verlauf kann es zu schweren Lungenetzündungen kommen. Immer wieder gibt es Todesfälle durch die Bakterien.

Seit dem 5. September hat das Travebad geschlossen. Wegen einer Störung der technischen Anlage musste der Hallenbetrieb eingestellt werden. „Wir hatten einen Totalausfall der Wasseraufbereitungsanlage“, berichtete Hallenbad- Chefin Ulrike Handwerk am Mittwochabend im Hauptausschuss. Eine defekte Platine hätte ausgetauscht werden müssen. Die Anlage habe man einen Tag später wieder hochfahren können.

Vom Gesundheitsamt gab es aber die Auflage, das Wasser in sämtlichen Bereichen zu beproben. „Das Ergebnis ist Dienstag gekommen. Wir haben eine Dusche, die auffällig ist. Die ist jetzt gesperrt“, so Handwerk. Die Untersuchungen hätten eine mittlere Legionellen-Kontamination ergeben. Zurzeit sei ein Gefährdungsanalyst im Haus, der eine thermische Behandlung und Desinfektion ausführe. Gestern wollten die Fachleute sich beraten, wie es weitergehen soll. „Wenn wir morgen das Siegel bekommen, dann öffnen wir wieder am Freitag“, sagte die Hallenbad-Chefin am Mittwoch während der Ausschusssitzung noch ganz zuversichtlich. Doch gestern am späten Nachmittag kam die enttäuschende Nachricht: „Das Stadtwerke-Team ist noch in der Krisensitzung. Sie haben entschieden, dass das Travebad vorerst noch geschlossen bleibt“, sagte Pressesprecherin Sabine Sager. Das Badewasser sei einwandfrei – „schon die ganze Zeit über“. Die technische Instandsetzung habe auch geklappt. „Aber wegen des Legionellenbefunds müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden. Aus dem Grund bleibt das Travebad vorerst geschlossen.“

Bereits im April waren die Duschen des Travebads wegen Legionellenbefalls gesperrt worden. Der Vorfall war aber erst im Juni an die Öffentlichkeit gelangt. Damals mussten die Duschköpfe ausgetauscht werden. „Die Problematik ist, dass wir ganz alte Leitungen haben“, so Handwerk. Auch die Duschen seien großer Belastung ausgesetzt. „Wir haben 450 Leute täglich, die das Bad nutzen. Die Duschen drücken sie zwei- bis dreimal.“ So sei es nicht verwunderlich, dass ab und zu die eine oder andere Dusche nicht mehr laufe. „Wir machen aber täglich morgens den Test. Sobald eine Dusche nicht mehr funktioniert, beauftragen wir die Fachfirma, die sich um unsere Armaturen kümmert.“ Beschwerden, dass Duschen nicht mehr funktionierten, gibt es öfter. Auch im Hauptausschuss meldete sich eine Nutzerin zu Wort: „Für was braucht das Travebad eine Bad-Managerin? Der ganze Pfusch am Bau! Ständig funktionieren Duschen nicht, oder die Automatik am Eingang ist kaputt“, schimpfte Ingrid Brigitte Richter aus Reinfeld, die seit Jahrzehnten nach Oldesloe zum Schwimmen kommt.

„Sehr vieles, was mit der Schwimmhalle zu tun hat, ist die Verantwortung der Stadt. Vor allem der Bauzustand. Wann können wir eigentlich mit einem ungestörten Betrieb rechnen?“, fragte Hendrik Holtz (Linke) in die Runde. Defekte Duschen, Legionellen, Wasseraufbereitung – ihm komme die Einrichtung wie eine „antike Pyramide“ vor. „Mit jedem Tag der Ausgrabung gibt es immer wieder neue Schätze zu entdecken. Das schreit doch danach, dass wir uns darum kümmern“, so der Stadtpolitiker.

Dominic Geerken, Vorstand des DLRG in Bad Oldesloe, fragte, wann er mit seinen Kindern wieder ins Schwimmbad gehen könne. „Wenn das Travebad zum Wochenende wieder geöffnet hat, möchte ich auch wissen, ob die Duschen alle über eine Leitung laufen?“ Er hätte ansonsten 120 aufgebrachte Eltern am Telefon.

Eckhard Käding vom VfL Bad Oldesloe wies darauf hin, dass junge Talente seit Wochen nicht zum Training könnten. „Das ist bitter“, so Käding. Zudem richtete er eine Anfrage an die Stadtwerke: „Ich bitte die Stadtwerke um eine Investition in Filteranlagen, damit der Betrieb bei Problemen innerhalb weniger Stunden wieder läuft.“

Hendrik Holtz richte nochmals einen Appel an den Hauptausschussmitglieder: „Ich sehe die Politik höchstgradig in der Pflicht, so dass man zumindest die baulichen Mängel ausschließen kann.“

Neue Parkschein-Regelung Drei Stunden maximal erlaubt

Das Schwimmbad hat geschlossen, aber die Fläche vor dem Travebad war in den vergangenen Wochen trotzdem zugeparkt. „Unsere Parkplätze werden vielfach von Nichtkunden genutzt“, teilte Stadtwerke-Leiter Jürgen Fahl mit. Besucher vom Krankenhaus, Kita-Eltern, Leute, die in der Umgebung arbeiteten oder Mieter aus dem gegenüberliegenden Haus würden zum Teil sogar vor dem Travebad dauerparken. Dementsprechend häuften sich die Beschwerden von Schwimmern, die keinen Parkplatz fänden.

Zur Erhöhung der Attraktivität des Schwimmbads soll deshalb eine Lösung angestrebt werden, die sicherstellt, dass den Travebad-Kunden möglichst viele Parkplätze kostenfrei zur Verfügung stehen.

Beibehaltung des Ist-Zustandes mit dem Hinweis, dass widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge kostenpflichtig entfernt werden, Parkscheibenregelung, Parkscheinautomat oder Schranke – das waren die vier Varianten, über die der Hauptausschuss am Mittwochabend beriet. Investitionskosten in Höhe von 50000 Euro waren für das Schrankensystem veranschlagt. Die Mehrheit der Ausschussmitglieder war sich einig, dass das zu viel Geld sei. Lediglich Vertreter der CDU wiesen darauf hin, dass eine Schrankenanlage die einzige Möglichkeit sei, Parkplätze für Badbenutzer zu schaffen. „Wenn alle die Parkplätze mit Parkschein benutzen können, haben wir trotzdem nicht mehr Parkplätze für die Bader“, so Birgit Reichardt-Mewes.

Mit sieben Ja-Stimmen und vier Enthaltungen votierte der Hauptausschuss dennoch für die Parkplatzüberwachung durch Parkscheiben. Drei Stunden sollen künftig erlaubt sein. bma

 Britta Matzen

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