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Stormarn Lehrstellen: Junge Leute haben die Wahl
Lokales Stormarn Lehrstellen: Junge Leute haben die Wahl
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20:16 31.05.2016
Eine junge Frau arbeitet in einer bisherigen Männerdomäne: Samantha Sonnenschein löst mit Kraft und Geschick eine defekte Bremsscheibe. Die 17-Jährige wird in Bad Oldesloe zur Kraftfahrzeug-Mechatronikerin ausgebildet, und sie hat die Entscheidung nicht bereut. Quelle: Fotos: M. Thormählen

Samantha Sonnenschein schlägt beherzt mit dem Hammer zu und löst gekonnt die abgenutzte Bremsscheibe von der Fahrzeugachse. Die 17-Jährige wird zurzeit im Oldesloer Autohaus Blohm zur Kraftfahrzeug-Mechatroniker ausgebildet: „Ich habe die Entscheidung für eine Lehre nicht bereut. Es macht mir großen Spaß.“ Und bei den Lehrstellen „gibt es in Stormarn jetzt einen echten Bewerbermarkt“, stellt die Chefin der Agentur für Arbeit, Dr. Heike Grote-Seifert fest.

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Noch sind 645 Ausbildungsplätze in Stormarn unbesetzt – Doppelter Abi-Jahrgang bereitet kaum Probleme.

„Mit einer Ausbildung stehen den jungen Leuten alle Karriere- chancen offen.“ Heike Grote-Seifert

Die aktuellen Zahlen sprechen für sich: Bis Ende Mai wurden 1283 freie Lehrstellen gemeldet, ein Plus von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dafür haben sich insgesamt 1151 junge Leute gemeldet, ein Plus von 12,5 Prozent im Vergleich zum vergangenen Frühjahr. „Das zeigt den ungebrochenen Willen der Unternehmen, junge Menschen betrieblich auszubilden“, so Heike Grote-Seifert. Und wer im kommenden Herbst eine Ausbildung beginnen möchte, hat dafür noch gute Chancen: 645 Stellen sind nach den Zahlen der Arbeitsagentur nämlich noch frei.

Samantha Sonnenschein hat im vergangenen Jahr diesen Schritt unternommen, nachdem sie ihre Schulzeit mit dem Abschlusszeugnis der Mittleren Reife beendet hatte. Die junge Frau aus Delingsdorf hat sich für einen Handwerksberuf entschieden, der vor allem bei jungen Männern auf Platz eins der Wunschliste steht – dem des einstigen Kfz-Mechanikers, jetzt mit der Bezeichnung Mechatroniker. Die 17-Jährige war allerdings schon familiär vorbelastet: „Ich habe immer gern zugesehen, wie mein Vater Autos repariert hatte. Und deshalb hab’ ich auch ein Praktikum gemacht.“

Lehrherr Werner Blohm ist mit dem Einsatz seines Azubis äußerst zufrieden: „Bisher ist es selten, dass eine junge Frau in der Werkstatt arbeitet. Doch Samantha war gleich mit großer Begeisterung bei der Sache. Und das ist entscheidend – nicht aber, ob ein junger Mann oder eine junge Frau ausgebildet wird.“ Denn auch die ansonsten so beliebte Kraftfahrzeugbranche müsse sich anstrengen, um genügend qualifizierte Bewerber für die freien Lehrstellen zu bekommen, erläutert Werner Blohm, der auch stellvertretender Innungs- Obermeister in Stormarn ist. Die Betriebe präsentierten sich unter anderem bei der Autoroute oder bei der Nachtschwärmer-Jobtour in Bad Oldesloe, um Interesse bei jungen Leuten zu wecken.

Und das ist auch notwendig, denn die Arbeitsagentur kann nur bestätigen, dass viele Unternehmen über rückläufige Bewerberzahlen klagten. Der Grund dafür: Junge Leute entschieden sich gegen eine Ausbildung und wollten stattdessen lieber eine weiterführende Schule besuchen. Dabei, so Heike Grote-Seifert, seien das Abitur oder die Fachhochschulreife nicht zwingend die Voraussetzung für einen erfolgreichen beruflichen Werdegang: „Mit einer betrieblichen Ausbildung stehen den jungen Leuten alle Karrierechancen offen. Eine abgeschlossene Ausbildung ermöglicht außerdem die Weiterbildung zum Betriebswirt, Meister oder Techniker.“

Die Chefin der Arbeitsagentur rät Unternehmen, das vorhandene Bewerberpotenzial noch stärker auszuschöpfen: „Viele Bewerber zeigen in der betrieblichen Praxis Fähigkeiten, die sich nicht in den Schulnoten widerspiegeln.“ Klaus Faust, Geschäftsführer Operativ der Arbeitsagentur, weist auf das Projekt der assistierten Ausbildung hin – Jugendliche, die besondere Hemmnisse haben, werden von der Agentur während der Lehrzeit begleitet: „Die Resonanz aus den Betrieben ist positiv. 86 Prozent der Jugendlichen sind nach einem halben Jahr noch in der Ausbildung.“

Keine Probleme bereitet nach den Worten von Klaus Faust der doppelte Abiturienten-Jahrgang. Schüler verlassen jetzt nach 13 oder zwölf Schuljahren die Gymnasien: „Angesichts der guten Konjunktur macht sich das auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Stormarn kaum bemerkbar.“

Michael Thormählen

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