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Löwen mit Skalpell zu Leibe gerückt

Reinfeld Löwen mit Skalpell zu Leibe gerückt

Roland Hooss restauriert die beiden steinernen Tiere vor dem Reinfelder Heimatmuseum.

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Die Farbe der alten Ziegelsteine ist wieder zu erkennen: Roland Hooss hat die erste Figur von den alten Anstrich befreit.

Quelle: Fotos: M. Thormählen

Reinfeld. Mit einem Skalpell, das Chirurgen normalerweise im Operationssaal verwenden, nähert sich Roland Hooss ganz vorsichtig einem Löwen in Reinfeld. Der Diplom-Restaurator hat mittlerweile die dicke Farbschicht von einem der beiden steinernen Figuren entfernt, die vor dem Heimatmuseum liegen. Im kommenden Monat soll die aufwändige Sanierung eines Tieres abgeschlossen sein, das zweite kommt dann erst im nächsten Frühjahr an die Reihe.

LN-Bild

Roland Hooss restauriert die beiden steinernen Tiere vor dem Reinfelder Heimatmuseum.

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„Das Abbeizen ist meistens Glückssache“, so der Experte. Und er hat die Reste von mindestens fünf Anstrichen gefunden, mit denen die Steinlöwen im Laufe ihres rund 100-jährigen Daseins überzogen worden sind. Es habe zunächst zwei Rottöne gegeben, dann sei offenbar ein „dicker grauer Anstrich“ erfolgt, bis die Figuren ihr bis dahin aktuelles Aussehen mit einer goldähnlichen Farbe erhielten.

„Mit diesem Überzug sollte vermutlich die Imitation von wertvollem Gold erzielt werden“, lautet eine Erklärung des Restaurators.

Roland Hooss hat aber einwandfrei festgestellt, dass die ursprüngliche Farbe ein Rotton gewesen sein müsse – und die sollte vermutlich an die Herstellung der Löwen erinnern. Sie wurden in einer früheren Ziegelei in Zarpen angefertigt. Und sie sollten auch später ihr ursprüngliches Aussehen wieder bekommen, regt der Fachmann an. Dass es abschließend einen Anstrich wieder geben sollte, steht außer Zweifel. Über die Farbe ist allerdings noch nicht entschieden: „Ich plädiere für einen Ziegelrotton. Wir kommen damit so nah wie möglich an das Original heran“, sagt Roland Hooss. Beide Tiere haben es sich auf großen Betonsockeln bequem gemacht – und deren spätere Farbgebung ist ebenso noch in der Diskussion.

Bis zum Anstrich ist es aber noch weit. Denn nach dem Ablösen der obersten Schichten folgt jetzt die schonende Behandlung mit einem Dampfreiniger, um auch noch möglichst viele kleine Partikel von der Oberfläche zu entfernen. Anschließend will der Diplom-Restaurator damit beginnen, zwei bis drei Bruchstücke zu ersetzen. Insgesamt, so die aktuelle Erkenntnis, sei jedes Tier aus rund zehn Einzelteilen zusammengesetzt worden. Verwendet wurden dafür gebranntte Ziegelsteine.

Für die Ausbesserung mischt Roland Hooss einen speziellen Ergänzungsmörtel an. Unter anderen muss dabei eine Löwenpranke behandelt werden – sie drohte sich aufzulösen. Mit Injektionen aus dem extra hergestellten Mörtel müssen außerdem die jetzt erkennbaren Risse und Fugen wieder verfüllt werden. „Ich will in erster Linie mineralische Stoffe verwenden“, so die Absicht des Restaurators. Wenn es allerdings notwendig sei, dann müsste auch schon mal Kunststoffmaterial eingesetzt werden. Der Restaurator hat in den vergangenen Tagen direkt vor dem Eingang des Heimatmuseums gearbeitet. Und im Neuen Garten sind auch zahlreiche Reinfelder unterwegs, die interessiert stehen blieben, um Roland Hooss über die Schulter zu schauen. Der ist über die Besucher in seiner Freiluft-Werkstatt erfreut sowie über die geführten Gespräche: „Die Reinfelder fragen, wie es weitergeht. Und sie äußern sich sehr positiv über die Aktion.“

Nicht immer hat allerdings das Wetter mitgespielt. Angesichts der kräftigen Regengüsse mussten bei Sanierung auch längere Pausen eingelegt werden. „Bei Nässe kann ich keine Farbe einsetzen. Auch Abbeizmittel verlieren dann ihre Wirkung“, so Roland Hooss. Auf jeden Fall soll die Restaurierung des rechts vom Museumseingang liegenden Tieren im kommenden Monat abgeschlossen werden. Die Reinfelder können dann die Unterschied zum daneben liegenden Löwen erkennen, denn der kommt erst im nächsten Frühjahr unter das Chirurgenmesser.

Raubtiere stammen aus Zarpen

Die Löwen entstanden vermutlich um 1917, als in Zarpen noch eine Ziegelei existierte. Besitzer Adolf Moll hatte die Figuren für seine Schwester Marie anfertigen lassen, die damals den Mühlenbesitzer Siems ehelichte. 1927 wurden die Löwen nach Reinfeld gebracht. Sie streckten sich zunächst vor dem ehemaligen Kurhotel an der Ahrensböker Straße aus – heute befinden sich auf dem Gelände das Rettungszentrum und die Polizeistation. Der Komplex des Kurhotels wurde 1973 abgerissen, und die steinernen Figuren fristeten anschließend ein einsames Dasein auf dem Areal des städtischen Bauhofes in Reinfeld. Seit 1983 haben sie einen festen Platz vor dem Eingang des Heimatmuseums am Neuen Garten.

Das Heimatmuseum hat zwar den Auftrag zur Restaurierung der beiden Löwen erteilt. Dennoch entstehen für die Stadt Reinfeld keine Kosten, weil die Fielmann-Stiftung, die bereits der Vergangenheit diverse Projekte des Reinfelder Museums förderte, auch diese Aktion finanzieren will. Über deren Kosten ist allerdings noch nichts bekannt.

Michael Thormählen

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