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Stormarn Mädchen unter Wasser begrapscht?
Lokales Stormarn Mädchen unter Wasser begrapscht?
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21:13 06.02.2017
Im Oldesloer Travebad sollen zwei Asylbewerber Mädchen unsittlich berührt haben. Die Ermittlungen laufen noch. Quelle: ln-archiv
Bad Oldesloe

Fünf Mädchen im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren sind möglicherweise im Oldesloer Travebad sexuell belästigt worden. Wie die Polizei mitteilt, sollen zwei Asylbewerber (23 und 34) die Schwimmerinnen unter Wasser angefasst haben. Die Mädchen meldeten dies der Hallenaufsicht, welche die Polizei rief.
„Unser Schwimmmeister hat sofort gehandelt und für die Sicherheit im Bad gesorgt. Von unserer Seite haben wir korrekt gehandelt“, sagte gestern Bädermanagerin Ulrike Handwerk von den Vereinigten Stadtwerken. Im Travebad gebe es auch überall offene Becken, so dass alle Bereiche einsehbar seien. Das Aufsichtspersonal sitze auch nicht drinnen und beobachte den Badeverkehr, sondern befinde sich direkt in der Schwimmhalle nahe den Becken, um bei Badeunfällen oder einer Situation, wie sie sich am Sonnabend ergeben habe, gleich eingreifen zu können.
„Wir werden den Fall aber nicht bewerten und verhalten uns völlig neutral. Wenn es wirklich ein Vergehen war, wird die Polizei das Richtige tun. Solange es noch nicht bewiesen ist, gilt die Unschuldsvermutung“, sagte Ulrike Handwerk. Olaf Poetzing, Geschäftsführer der Stadtwerke GmbH fügte hinzu, dass das Travebad die Baderegeln gut sichtbar in verschiedenen Sprachen ausgehängt habe und anhand von Schautafeln darauf hinweise, dass es verboten sei, fremde Frauen anzufassen. „Wir sorgen für einen unbelasteten Badebetrieb, können aber nicht für alle Besucher die Verantwortung übernehmen“, sagte Poetzing.
Im Oldesloer Kaktus, dem interkulturellen Treffpunkt für Asylbewerber, hat sich inzwischen ein junger Afghane gemeldet, der den Fall ganz anders dargestellt hat. „Er hat geschildert, dass die Polizei ihn im Schwimmbad festgenommen hat. Er habe niemanden belästigt, sondern sei beim Schwimmen versehentlich an einen Arm gestoßen“, berichtete Kaktus-Initiatorin Karin Hoffmann. Der Mann habe um Hilfe gebeten. Doch in ein laufendes Verfahren wie dieses dürfe und wolle sich niemand einmischen. Die Ermittlungen der Polizei seien ja noch nicht abgeschlossen. Diesen Standpunkt vertrat gestern auch Hartmut Jokisch aus dem Kaktus-Team. „Es ist ein sehr heikles Thema. In Kiel gab es auch so einen Vorfall und er hat sich als Finte erwiesen. Man sollte vorsichtig sein. In Null Komma nichts werden Menschen durch solche Aussagen ganz massiv beschädigt“, sagte er. Im Übrigen sei sexuelle Belästigung keine Ur-Erfindung von Migranten. Sie komme im Sport vor, an Schulen und nicht selten sogar in Familien. Es gelte abzuwarten, zu welchem Ergebnis die Polizei komme.
Das sieht auch Christiane Schütt so. Als Lehrerin für DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) und ehrenamtliche Betreuerin hat sie guten Kontakt zu Asylbewerbern aus der Region. Sie befürchtet, dass sich jetzt Vorurteile gegenüber Migranten verstetigen könnten. „Ich selbst kenne sehr viele Menschen aus Afghanistan und Syrien. Es sind so tolle Menschen, die unglaublich dankbar sind für die Hilfe, die sie bei uns erfahren“, sagte die Oldesloerin. Aber genauso wie unter Deutschen gebe es möglicherweise einen fehlgeleiteten von 100 korrekten Leuten unter den Migranten. Deshalb gebe es keinen Grund, jemanden vorzuverurteilen beziehungsweise – sollte sich der Verdacht erhärten – für ein Fehlverhalten einzelner nun Asylbewerber als Gruppe in ein schlechtes Licht zu rücken.

Von Dorothea von Dahlen

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