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Stormarn Mahnmal gegen Kinderarmut — in Bad Oldesloe ist sie am größten
Lokales Stormarn Mahnmal gegen Kinderarmut — in Bad Oldesloe ist sie am größten
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20:19 20.09.2013
Viele Kinder halfen mit, 6500 Fähnchen zu stecken — jedes steht für ein Kind in Stormarn, das in Armut lebt. „Die Zahl der Fähnchen ist seit Jahren unverändert, und das ist das Problem“, weiß Irene Johns, die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes. Quelle: Fotos: Bettina Albrod, Dorothea von Dahlen, hfr

Der Anblick ist schön, der Anlass nicht: 6500 blaue Fähnchen haben Vertreter des Deutschen Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein (DKSB) und des Kreisverbandes Stormarn am Weltkindertag in die Schlosswiese in Ahrensburg gesteckt, von vielen Kindern tatkräftig unterstützt. Jedes Fähnchen steht für ein Kind, das in Stormarn in Armut leben muss. Die definiert sich durch die Berechtigung für das Bildungs- und Teilhabepaket. Damit ist jedes sechste Kind im Kreis betroffen, in Schleswig-Holstein mit 120 000 Betroffenen sogar jedes vierte Kind.

„Die Zahl der Fähnchen ist seit Jahren unverändert, und das ist das Problem“, erklärte DKSB-Landesvorsitzende Irene Johns. „Nichts lindert sich, die Zahlen sind auf hohem Niveau festgeschrieben.“

Bereits zum zehnten Mal weist der Kreisverband mit der Aktion auf die Nöte von Kindern hin, und diesmal hat sich der DKSB-Landesverband angeschlossen. „Stormarn ist einer der reichsten Kreise im Land, dadurch ist der Kontrast zu den anderen besonders groß“, so Irene Johns weiter. Nötig seien eine Kindergrundsicherung und die Teilhabe an qualifizierter Bildung und Betreuung. Denn Bildung sei der Weg aus der Armut, nur so könne der Kreis durchbrochen werden.

„Mit dem Ausbau der Kinderbetreuungsangebote tragen wir gemeinsam mit den Kommunen dazu bei, Kinderarmut wirksam zu bekämpfen“, erklärte Kristin Alheit, Ministerin für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung in Schleswig-Holstein. Die Fähnchenaktion in Ahrensburg sei eine Mahnung an die Politik. Besonders betroffen seien Alleinerziehende, da sie noch mehr benachteiligt seien. „Die Fähnchen müssen weniger werden.“

Spitzenreiter sind landesweit Kiel, Neumünster, Lübeck und Flensburg mit mehr als 40 Prozent Kinderarmut, in Stormarn liegt Bad Oldesloe ganz vorne, wo knapp 18 Prozent der Kinder in Armut leben müssen.

Ingo Loeding, Geschäftsführer des DKSB-Stormarn, forderte die Kommunen zum Handeln auf. „Die offenen Ganztagsschulen kosten für ihre Angebote teilweise viel Geld, so dass arme Kinder nicht teilhaben können. Glinde sei vorbildhaft, weil die Angebote dort kostenlos seien, in Großhansdorf müsse man 152 Euro pro Kind bezahlen. „Arme Kinder können nicht verreisen, deshalb sind für sie die Ferienprogramme wichtig“, sagte Loeding weiter. „Bad Oldesloe hat die höchste Kinderarmut, trotzdem sind vom Ferienprogramm 84 Prozent der Angebote kostenpflichtig.“ In Bargteheide dagegen seien drei Viertel der Angebote kostenlos.

„Alles, was zu einem durchschnittlichen Kinderleben in Deutschland gehört, ist in Familien in Armutslagen nicht selbstverständlich“, so Professor Dr. Sabine Andresen, Vizepräsidentin des DKSB. „Alle Studien machen deutlich, dass Armut die Kinder auf Dauer um gesellschaftliche Teilhabe bringt.“ So fehlte meist das Geld, um ihre Talente in Vereinen und außerschulischen Angeboten entwickeln zu lassen. „Darum müssen die Folgen von Kinder- und Familienarmut bekämpft werden.“

Kinderarmut in Zahlen
Bad Oldesloe             17,90 %

Glinde                 14,07 %

Heilshoop               12,07 %

Reinfeld               9,56 %

Klein Wesenberg           9,38 %

Rümpel               9,36 %

Hamberge             9,15 %

Ahrensburg             8,81 %

Heidekamp             8,33 %

Grabau               8,13 %

Trittau                 7,75 %

Bargteheide             6,44 %

Bettina Albrod

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