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Stormarn Mailänder Ködergeschäfte: Vom Opfer zur Mittäterin
Lokales Stormarn Mailänder Ködergeschäfte: Vom Opfer zur Mittäterin
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11:27 30.08.2013
Eigentlich wollte sie nur ihr Haus in Ahrensburg verkaufen, doch dann war Maria W. plötzlich selbst in dubiose Immobiliengeschäfte verwickelt. Quelle: fotolia

Zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung ist die 58-jährige Maria W. gestern am Ahrensburger Amtsgericht verurteilt worden. Grund:

Verabredung zum gewerbsmäßigen Betrug in fünf Fällen.

Begonnen hatte alles damit, dass Maria W. und ihre Kinder ihr Haus in Ahrensburg verkaufen wollten — und an einen gewissen Romanow gerieten. Der Mann war nach eigenen Angaben ein Nachkomme der Zarenfamilie. Aber eigentlich wollte er Hausbesitzer nur über den Tisch ziehen, indem er und seine Kumpane arglose Immobilien-Verkäufer nach Mailand lockte, um ihnen dort Bargeld abzunehmen und es gegen Spielgeld zu tauschen. Der Vorsitzende des Ahrensburger Schöffengerichtes Ulf Thiele konnte in der Verhandlung gestern nicht verstehen, warum man „als Verkäufer noch Geld mitbringen soll“.

Darüber will die Angeklagte nicht nachgedacht haben.

Vor allem ihre Kinder hatten sich beim Versuch, das eigene Haus zu verkaufen, ja auch nicht auf diesen Vorschlag des Anrufers eingelassen. Dennoch war Maria W. dreimal nach Mailand gereist, hatte sich in den vermeintlichen Zaren-Nachkömmling verliebt — gab sich fortan als Karin Schmitt aus und köderte Kunden. Allerdings erfolglos.

Die Hausverkäufer aus Kempten, Düsseldorf oder Hilden sprangen nämlich ab. Gefunden hatte die Angeklagte ihre Telefonnummern in Immobilien-Anzeigen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie wirkte im Auftrag von „Romanow“, der ganz anders hieß, als Lockvogel, als Leumund für seine Seriosität. Gutgläubig war sie gewesen, wurde vor Gericht deutlich.

Zumal der Mann die psychisch angeschlagene Frau umgarnte. Sie telefonierten oft. Er nannte sie „Schatzi“, hat sie nach Mailand zum Essen eingeladen. Hinterher gab er noch einen Cappuccino aus.

Sogar die Reisen hat er bezahlt, ihr aber gleich beim ersten Mal einen wertvollen Ring abgeschwatzt. Er wolle ihn über seine Großmutter verkaufen. Weder den Ring noch das Geld dafür habe sie jemals wieder gesehen, sagte die Angeklagte gestern aus.

Wie die Polizei der Bande auf die Spur kam, blieb gestern im Dunkeln. Das Verfahren ist über ganz Deutschland verzweigt. Zwei Bandenmitglieder sind bereits zu etwa einjährigen Haftstrafen mit und ohne Bewährung verurteilt. Nach Italien hat die deutsche Justiz drei Umzugskartons mit Akten für die Hauptverhandlung verschickt. Ob es dort jemals zu einem Urteil kommt, steht in den Sternen. Allein die Übersetzungskosten wären immens, sagen Experten.

Verhaftet wurde Maria W. am Morgen des 16. Dezember 2010 in Ahrensburg — von Koblenzer Beamten. Ihr Haus wurde durchsucht. Der Laptop beschlagnahmt. Sie wurde mitgenommen an den Rhein, wo ebenfalls gegen die Bande ermittelt wird. Kurz zuvor habe sie eine E-Mail erhalten, dass die deutsche Staatsanwaltschaft über ihre Machenschaften informiert sei. Einer der Auftraggeber habe angerufen: „Ich sollte alles verbrennen.“ Und sie sollte sich keine Sorgen machen. „Hab‘ ich mir aber gemacht“, sagte sie. Wochenlang saß sie in Koblenzer U-Haft.

Die Zielsicherheit, mit der die Koblenzer auf die Verdächtige zugingen, ist auf eine Telefonüberwachung zurückzuführen. Kostproben zur Tonqualität dabei und zum Umgangston zwischen den Beteiligten lieferten Mitschnitte, die im Saal vorgespielt wurden. Romanow: „Wie geht‘s dir“. Sie: „Meine Erkältung wird langsam besser. Und Dir?“ Romanow: „Halb und halb. Man braucht eben Geld.“ Sie: „Das ist auch bei mir knapp.“ Danach geht‘s um Geschäftliches. Romanow sagt: „In Mailand ist es nicht schlimm, wenn man echtes in Spielgeld tauscht.“

Uwe Krog

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