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Mais-Rekordernte zahlt sich nicht aus

Wolkenwehe Mais-Rekordernte zahlt sich nicht aus

Ertragssteigerung durch gute Witterung – bei Lohnunternehmen und Bauern bleibt trotzdem zu wenig hängen.

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Bei Delingsdorf wird der Mais von den Feldern geholt. Durch den heißen September ist die Ernte zwei Wochen früher reif als in den vergangenen Jahren.

Quelle: Fotos: Matzen

Wolkenwehe. Auf Stormarns Feldern ist die Maisernte in vollem Gang – zwei Wochen früher als sonst. „Das ist ein Wetterphänomen in diesem Jahr. Der Regen in den Sommermonaten war sehr gut für den Mais, und der heiße September hat die Abreife enorm beschleunigt“, sagt Carsten Walkling vom gleichnamigen landtechnischen Lohnunternehmen in Wolkenwehe. 1400 Hektar Mais erntet Walkling pro Jahr, davon 1200 Hektar Futtermais für Milchviehbetriebe und 200 Hektar für Biogasanlagen.

LN-Bild

Ertragssteigerung durch gute Witterung – bei Lohnunternehmen und Bauern bleibt trotzdem zu wenig hängen.

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Elf Schlepper sowie drei eigene und einen angemieteten Häcksler hat der 50-jährige Lohnunternehmer im Maiseinsatz. Bei Delingsdorf steuert Junior Kevin Walkling gerade einen dieser 400000- Euro-Häcksler und rasiert in einem Höllentempo ein Maisfeld ab. Der Häcksler ist ein imposantes Gerät – riesig und laut. „Komplett ausgeklappt hat er eine Arbeitsbreite von 7,50 Meter. Zehn Reihen Mais kann die Maschine auf einmal zerhäckseln“, sagt Walkling. Im Innern befinden sich zwei Walzen, die die Maiskörner zercräckern. „Das ist nötig, weil Kühe keine ganzen Maiskörner verdauen können.“

Parallel zur Erntemaschine fährt ein Trecker mit Hänger, der noch auf dem Feld mit dem gehäckselten Mais beladen wird. Bei der Geschwindigkeit müssen sich die beiden Fahrer einander anpassen, damit von der Ernte nichts daneben geht. In vier Minuten ist der erste Hänger mit 15 Tonnen Erntegut randvoll beladen und rollt zum Silo des Bauern, wo der Mais verdichtet wird. Der nächste Schlepper steht schon bereit. „Stillstand bei den Maschinen kostet uns richtig Geld – 400 bis 600 Euro pro Stunde“, erklärt Walkling.

Am Feldrand hinterm Knick steht unterdessen Torsten Schmidt mit Gewehr im Anschlag. „Ich befürchte, dass sich Wildschweine im Maisfeld versteckt haben“, so der Jagdaufseher. Während der Häcksler seine Bahnen zieht, behält Schmidt das Feld genau im Blick. Plötzlich huscht ein Fuchs aus dem Grün, schlägt dann aber einen flinken Haken, so dass er dem Jäger nicht vor die Flinte läuft. Eine halbe Stunde später ist das Feld abgeerntet – von Wildschweinen keine Spur. „Den Bauern wird es freuen. Dann haben die Tiere, deren Bestände seit der Grenzöffnung bei uns in Stormarn enorm zugelegt haben, jedenfalls keinen Schaden angerichtet“, so Schmidt. Wildschweine fressen mit Vorliebe den reifen Mais und wühlen dabei ganze Felder um.

Etwa 50 Prozent hat das Lohnunternehmen Carsten Walkling bisher von der Maisernte eingefahren. Eine Prognose kann der Chef bereits abgeben: „Wie es aussieht, wird es eine Rekordernte.“ Die Erträge gingen rauf auf 60 Tonnen pro Hektar. „In den vergangenen zehn Jahren lagen wir im Schnitt bei 40 Tonnen“, so der Landwirt. Die Pflanzen hätten in diesem Jahr auch beeindruckende Höhen erreicht. „Bis zu fünf Meter zwanzig haben wir bei den Beständen gemessen“, sagt Walkling. Normal seien drei Meter.

Grund zum Jubeln haben Lohnunternehmer und Landwirte dennoch nicht. Für die Betriebe wird es teurer, die Maisernte einzuholen, denn es muss mehr Masse bewegt werden“, weiß Walkling. Angesichts niedriger Weltmarktpreise würde es deshalb immer schwieriger für die Bauern werden, Geld zu berappen. „Die Zahlungsmoral lässt nach. Das heißt, wir als Lohnunternehmer warten auf unser Geld. Im Moment liegen wir bei 250 000 Euro, die wir für unsere Kunden vorfinanzieren. Dadurch kommen auch wir irgendwann in Schwierigkeiten.“

18 000 Liter Diesel verbraucht Walkling mit seinen Maschinen derzeit die Woche, hinzu kommen 30000 Euro an Löhnen und Gehältern sowie Finanzierungskosten für Maschinen und Reparaturen. „All das muss ja auch bezahlt werden. Im Moment sind wir am Grübeln, ob sich das Geschäft für uns überhaupt noch lohnt.“

Viele seiner Kunden hätten mittlerweile aufgegeben. „Früher in den 80er Jahren hatten wir 60 Betriebe, heute sind es noch 30. Und es sind immer die Kleinen, die aufgeben, nie die Großen. Allein in Delingsdorf hatten wir mal vier Milchviehbetriebe als Kunden, einer ist noch übrig.“

Britta Matzen

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