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„Man muss sich an Dinge rantrauen“

„Man muss sich an Dinge rantrauen“

LN-Serie zur Bürgermeisterwahl in Bad Oldesloe – Maria Herrmann (SPD).

Bad Oldesloe. „Willkommen in meinem Ökohaus“, sagt Maria Herrmann lachend. Die Bürgermeister-Kandidatin der SPD steht auf ihrer Auffahrt und ist gerade dabei, Plakataufsteller mit ihrem Konterfei in ihren roten VW-Caddy zu laden. „Das Wetter ist so schön. Wollen wir uns nach draußen setzen?“ Wir stehen in ihrem lichtdurchfluteten Wohnzimmer, die Tür ins Grün ist weit geöffnet. „Ja, mein wilder Garten“, meint Herrmann schmunzelnd, verschwindet dann, um kurz darauf mit blauen Sitzauflagen und Kaffee wiederzukommen. „Einmal im Jahr wird gemäht“, meint die SPD-Frau und weist auf die gelbe Löwenzahn-Pracht, die uns umgibt. Die Natur im Herrmannschen Garten ist am Explodieren: Weiße Blütenstände des Birnenbaums schaukeln sanft im Frühlingswind, davor streckt ein kleiner Apfelbaum seine mit rosa Blüten besetzten Zweige in alle Himmelsrichtungen. „Das ist ein wilder Apfelbaum. Gleich im ersten Jahr hat er Früchte getragen, und die schmeckten auch noch. Also habe ich den Stamm nicht zur Vogeltränke umfunktioniert, was ich eigentlich vorhatte.“

Über 21 Jahre wohnt Maria Herrmann in ihrem Einfamilienhaus in der Oldesloer Amalie-Dietrich-Straße. „Mit diesem Haus haben mein Exmann und ich uns einen Traum verwirklicht.“ Es ist ein Ökohaus, das sie mit natürlichen Materialien wie Lehmputz, Holz und Zellulose errichtet haben. Auch beim Innenausbau setzt sich der Ökogedanke fort: Die Böden sind aus Holz, Türen, Treppe und auch die Möbel. „Bei dem Haus haben wir viel selbst gemacht“, erzählt Herrmann. So habe die Stadtpolitikerin die Zwischenräume des Bodens eigenhändig mit Zellulose geflockt, Fliesen verlegt und Bretter mit der Kreissäge auf Länge geschnitten. „Man muss sich an Dinge einfach rantrauen. Dann stellt man fest, man kann das und hat richtig Spaß daran.“

Kinder sind bereits erwachsen

Derzeit wohnt die 57-Jährige allein in dem 160 Quadratmeter großen Eigenheim. Ihr Exmann, zu dem sie ein gutes Verhältnis habe, lebe in einer Nachbargemeinde, die beiden Kinder, Nils (27) und Ina (25), seien mittlerweile auch ausgeflogen. „Ina macht work and travel in Island, und Nils hat Schiffbau studiert und arbeitet in einem Konstruktionsbüro in Lübeck.“

„Ich könnte mir vorstellen, aus meinem Haus ein Wohnprojekt zu machen – als WG oder ähnliches. So dass man hier gemeinsam alt werden kann. Unten das Bad habe ich dafür schon mal ausgebaut“, erzählt Herrmann. Mit wem sie hier künftig zusammenleben wolle – das habe sie noch nicht entschieden.

Ursprünglich stammt Maria Herrmann aus dem Saarland. „Ich komme aus einem erzkatholischen Umfeld und bin sehr streng erzogen worden mit wenig Freiräumen.“ Schwierig sei das gewesen. Selbst im Studium habe sie zu Hause gewohnt. „Meine Eltern waren streng und konsequent in ihrer Lebensweise. Das hat es mir auch so schwer gemacht, mich abzugrenzen.“ Klavier habe sie spielen müssen, weil ihre Mutter so ein Musiktalent gewesen sei. „Ich habe Klavier von der Pike auf gelernt und die klassische Ausbildung genossen. Drei Stunden am Tag musste ich üben und an Wettbewerben wie ,Jugend musiziert‘

teilnehmen.“ Weil ihr Klavierlehrer sie als sehr gute Schülerin eingestuft habe, habe sie vor Publikum auswendig spielen müssen. „Ich war dabei immer so aufgeregt. Einmal habe ich in einem Konzert den Schluss des Stücks nicht gefunden und deshalb immer weiter gespielt.“ Doch irgendwann habe sie den Druck nicht mehr aushalten können. „Ich wollte einfach nicht mehr.“

Vor Publikum spielen – das sei für die Oldesloerin, die vor ihrem Job als Q-8-Managerin als Klavierlehrerin gearbeitet hat, heute noch ein Horror. Deshalb setze sie sich nur noch an das Tasteninstrument, wenn sie allein sei. Einen großen Traum in puncto Musik habe sie dennoch: Saxophon spielen. „Als ich 40 wurde, habe ich mir diesen Traum erfüllt und mir ein Saxophon gekauft.“

Heute liegt das gute Stück im Schlafzimmer unter ihrem Bett. „Manche Träume sollte man vielleicht einfach nur träumen und nicht umsetzen“, resümiert Herrmann. Saxophon sei für sie einfach zu schwierig in der Umsetzung gewesen. „Aber vielleicht wage ich irgendwann doch noch mal einen Anlauf.“

Auch mit der katholischen Kirche habe Maria Herrmann mittlerweile nichts mehr am Hut. „Ich habe zwar Theologie studiert. Aber irgendwann kam der Punkt, wo ich gedacht habe, ich kann mich nicht mehr damit identifizieren, was in der katholischen Kirche passiert. Das geht beim Zölibat los, und betrifft viele andere Punkte.“

Was macht Maria Herrmann, wenn sie nicht in Sachen Job und Stadtpolitik unterwegs ist? „Fahrradfahren, irische Musik hören und Lesen. Eine Freundin von mir ist Buchhändlerin, und die gibt mir immer tolle Tipps.“ Im Moment habe sie drei Bücher auf ihrem Nachtisch liegen: Dörte Hansens Debütroman „Altes Land“, „Gehen, ging, gegangen“ von Jenny Erpenbeck – ein Roman, der von den Flüchtlingen handelt, die von 2012 bis 2014 auf dem Berliner Oranienplatz gegen Abschiebung protestierten. Und „Handicap mit Todesfolge“ – ein fiktiver Krimi vom Vorstand der evangelischen Stiftung Alsterdorf, ihrem Arbeitgeber, der auf historischen Fakten aus der NS- und Nachkriegszeit der Alsterdorfer Anstalten basiert. „Was ich so toll daran finde, wie offen man mit Geschichte umgehen kann. Das finde ich bewundernswert“, so Herrmann.

„Außerdem bin ich ein Vielfraß“, sagt Hermann und lacht. Sie esse sehr gerne – Vegetarisches, aber auch Fleisch und bevorzugt scharf. „Thailändisch mag ich auch sehr.“ Dazu trinke sie am liebsten Bier statt Wein.

Zur Entspannung schaue sie Fernsehen. „Die heute-show ist ein Muss. Ansonsten auch gerne die Politsatire ,Die Anstalt‘, sonntags ,Tatort’ und Krimis. Die dürfen auch gerne gruselig sein.“

Doch ganz und gar Abschalten – das falle Maria Herrmann nicht so leicht. „Vor allem nicht, wenn ich hier in Oldesloe bin. Ich wohne ja quasi in meinem Büro, und irgendwas liegt eigentlich immer an.

Der letzte Urlaub? „Der ist ist schon zwei Jahre her.“ Aber wenn sie verreise, dann gerne nach Skandinavien – dorthin, wo es einsam sei. „Das liegt wohl auch an meiner Lebenssituation. Ich genieße es, im Urlaub Ruhe zu haben.“

Nächste Folge: Sebastian Schulz

Britta Matzen

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