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Mann stürzte vom Dach: Prozess gegen Vorarbeiter ohne Urteil

Ahrensburg Mann stürzte vom Dach: Prozess gegen Vorarbeiter ohne Urteil

Wer trug die Verantwortung dafür, dass auf einer Baustelle in Lasbek die Unfallverhütungsvorschriften eingehalten werden? Das war die beherrschende Frage in einem Prozess gestern vor dem Ahrensburger Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung.

Ahrensburg. Angeklagt war ein 50-jähriger Mann, der 2014 zu Dachdeckarbeiten gemeinsam mit zwei weiteren Männern als Vorarbeiter auf einer Baustelle in Lasbek eingesetzt war. Im Verlauf der Arbeiten rutschte einer der Männer ab, als er über den Dachfirst klettern wollte, brach durch die Abdeckfolie und stürzte fast acht Meter tief auf eine Betonplatte. Sein Tod hätte verhindert werden können, wenn die vorgeschriebenen Auffangnetze gespannt gewesen wären.

„Ich war nicht die aufsichtführende Person“, wies der Angeklagte jegliche Verantwortung von sich. „Ich habe weder eine Einweisung bekommen noch einen Auftrag. Die Weisungen kommen aus dem Büro.“ Der Auftrag habe lediglich gelautet, dass sie das Dach decken sollten. Sie hätten sich untereinander abgestimmt, und da er Stapler fahren könne, habe er das gemacht. „Die Vorarbeiterrolle bei der Firma wird überbewertet.“ Zudem seien sie davon ausgegangen, dass die Folie, die über das Dach gespannt wurde, tragfähig sei. Dann erhob der Angeklagte schwere Vorwürfe gegen die Firma: Sie verwerte mangelhaftes Material, setze teils Leute ohne Ausbildung ein, alle würden gegeneinander ausgespielt, einer sei bekanntermaßen Alkoholiker und die erste Schulung zum Thema Sicherheit habe es erst direkt nach dem Unfall gegeben. „Vorher war schon eine Asbest-Entsorgungsfirma mit dem Dach beschäftigt“, schilderte der Angeklagte. „Der Entsorger hat erklärt, er würde erst weiter arbeiten, wenn es Netze gebe.“ Die wurden dann aufgehängt, aber nur dort, wo der Asbestentsorger tätig war.

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Stellt ein Beschäftigter Sicherheitsmängel fest, muss er sie melden.
Richter Paul Holtkamp

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„Stellt ein Beschäftigter Sicherheitsmängel fest, muss er diese melden“, erklärte Richter Paul Holtkamp. Das gelte für alle Beteiligten, aber auch für den Angeklagten. Die Zeugenaussage eines technischen Aufsehers der Berufsgenossenschaft bestätigte, dass der Angeklagte Teil eines Gefüges war, das im Ganzen nicht funktioniert hatte. „Das Unfallopfer hatte seinen ersten Arbeitstag und war für einen erkrankten Kollegen eingesprungen“, so der Zeuge. „Bei dieser Firma gab es immer wieder Grund zur Beanstandung, weil die Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten wurden.“ Der richtige Weg für Mitarbeiter sei, ihn dann zu informieren. „Die Verantwortung geht von oben nach unten, vom Unternehmer über den Bauleiter zum Vorarbeiter. Die Pflichtenübertragung hat schriftlich zu erfolgen und muss dokumentiert werden.“ Im Falle des Angeklagten sei das aber nicht erfolgt. Dennoch wäre es seine Aufgabe gewesen, Stopp zu sagen, sobald ihm die mangelnde Sicherheit bewusst geworden wäre. „Es war zu erkennen, dass die Sicherheitsnetze Lücken hatten“, so der Zeuge. In der Realität hätten die Arbeiter aber oft Angst um ihren Arbeitsplatz und würden deshalb nichts sagen.
Das Verfahren wurde schließlich vorläufig eingestellt mit der Auflage, dass der Angeklagte, der bei der Firma kündigen will und Geringverdiener ist, 300 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlt. „Der Vorwurf trifft alle, warum sitze nur ich hier?“, fragte der Angeklagte. „Ein Ermittlungsverfahren gegen die Firma wird geprüft“, kündigte der Staatsanwalt an.

Von Bettina Albrod

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