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Stormarn #MeToo: Oper im KuB regt Debatte an
Lokales Stormarn #MeToo: Oper im KuB regt Debatte an
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20:25 14.06.2018
Prinz Tarquinius, hier gespielt von Timothy Choi, berührt die noch schlafende Lucretia (Luzia Tietze). Als sie langsam zu sich kommt, wähnt sie zunächst ihren Ehemann neben sich. FOTOS (2): PATRICK NIEMEYER/HFR
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Bad Oldesloe

In der gängigen deutschen Übersetzung des Titels „Der Raub der Lucretia“ wird das nicht so deutlich. Sie deckt gewissermaßen den Mantel der Diskretion und des Schweigens über den Gewaltakt, der sich im Stück vollzieht, bedeutet der Begriff „Rape“ doch in Wirklichkeit Vergewaltigung. Deshalb ist für die Aufführung in Bad Oldesloe der Originaltitel beibehalten worden.

Klein, aber nicht unbedeutend: Mit der Kammer-Oper „The Rape of Lucretia“ wird im Oldesloer KuB heute nicht nur eine anspruchsvolle Aufführung des „Jungen Musiktheaters“ unter Regie von Anthony Pilavachi zu sehen sein, das Stück umreißt zudem ein hochaktuelles Thema.

Die Geschichte ist im antiken Rom angesiedelt. Lucretia ist für ihre Schönheit und Treue weithin bekannt. Das betrachtet der Sohn des Königs, Tarquinius, als besondere Herausforderung, sie zu verführen. In der Schlüsselszene glaubt die noch schlaftrunkene Lucretia ihren Ehemann an ihrer Seite. Doch es ist in Wahrheit Tarquinius. Als sie den Irrtum erkennt und ihn abwehren will, wird sie von ihm vergewaltigt. Mit dieser Schmach will Lucretia nicht leben und begeht Selbstmord.

Inmitten der derzeit geführten #MeToo-Debatte scheint es, als hätte die Aufführung des Stücks nicht passender sein können. Das bestätigt in gewisser Weise auch der irische Regisseur Anthony Pilavachi (56). Die Unterdrückung von Frauen und Kindern durch sexuelle Gewalt sei schon ein ganz altes Thema. „Es wurde aber immer verschwiegen. Jetzt endlich hat man den Mut, darüber zu sprechen“, sagt er.

Und doch waren in erster Linie praktische Gründe dafür verantwortlich, dass die Wahl auf diesen Stoff fiel. Pilavachi, der als erfahrener Regisseur schon viele große Opern inszeniert hat – unter anderem Alban Bergs „Lulu“, Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ und Richard Wagners „Ring der Nibelungen“ – zeichnet dieses Mal verantwortlich für das relativ kleine Ensemble der Gesangsstudenten der Lübecker Musikhochschule. Insofern stellte Brittens Zweiakter für die 15 Master- und Bachelorstudenten die ideale Vorlage dar. Die acht Rollen im Stück sind bis auf eine doppelt besetzt.

„Bei der Zusammenarbeit mit einem Regisseur von Weltniveau lernen unsere Studenten ja unglaublich viel“, sagt Robert Roche, der seit 2015 eine Professur für Korrepetition in Lübeck innehat. Er untermauert damit, wie wichtig die Kooperation ist, die in diesem Jahr bereits zum vierten Mal mit Leben erfüllt wird. Zuvor brachten Studierende aus Lübeck die Produktionen „Mad Love“, „Gefährliche Liebschaften“ und „Faust“ im KuB auf die Bühne. Dabei handelte es sich um so genannte Pasticcios, einer Art Medley von Gesangsstücken aus verschiedenen Werken, die thematisch zueinander passen.

Als Übergang zur Königsklasse bezeichnet Oldesloes Kulturmanagerin Inken Kautter den Schritt, dieses Mal eine in sich abgeschlossene Oper aufzuführen. „Das ist schon noch eine andere Herausforderung“, sagt sie. Bei den vorangegangenen Inszenierungen habe mehr experimentiert und bei der Auswahl der Stücke mehr Rücksicht auf besondere Stimmlagen genommen werden können. „Dieses Mal muss jeder seine Rolle halten und im Stück die Entwicklung der Figuren ausspielen“, sagt Kautter.

Begleitet werden die Sängerinnen und Sänger übrigens von zwölf Kammermusikern. Wie Roche berichtet, ist Brittens Musik alles andere als überbordend-bombastisch, sondern sehr klar und farbenreich, was sich in der Auswahl der Instrumente äußert. Neben Alt- und Piccoloflöte kämen auch Harfe, Klarinette und viel Schlagzeug zum Einsatz, kündigt er an.

Aufgeführt wird „The Rape of Lucretia“ am heutigen Freitag und am morgigen Sonnabend jeweils um 20 Uhr im KuB, die Sonntagsvorstellung am 17. Juni beginnt um 17 Uhr. Tickets für 18,50 Euro, ermäßigt 12,50 Euro gibt’s im Vorverkauf unter Telefon 04531/ 504199 oder www.kub-badoldesloe.de

Aufführung unter hochkarätiger Regie

„The Rape of Lucretia“ wurde 1946 im Opernhaus Glyndebourne in Sussex uraufgeführt.

Die Besetzung der Rollen in der Inszenierung des Lübecker Musiktheaters in Bad Oldesloe – zum Teil wechselnd – lautet wie folgt:

Chor männl.: Eungdae Han/Daniel Schliewa;

Chor weibl.: Dorothee Bienert, General Collatinus: Tom Kessler/Maxim Sankirov;

General Junis: Jeremy Almeida Uy/Johannes Pietruska;

Prinz Tarquinius Superbus: Hussain Atfah/Timothy Choi;

Lucretia: Annemarie Wolf/Luzia Tietze;

Amme Bianca: Johanna Michalik/Iris Meyer;

Zimmermädchen Lucia: Celina Charlotte Denden/Lea Bublitz.

Regisseur Anthony Pilavachi wurde auf Zypern geboren. Er wuchs in Frankreich auf, ist aber irischer Staatsbürger. Pilavachi studierte an der Guildhall School of Music and Drama in London. Seit 32 Jahren lebt er in Deutschland. Der international tätige Regisseur inszenierte Opern unter anderem in Houston, Taipei, St. Gallen Bern, Bordeaux, Göteborg und vielen deutschen Städten – in Lübeck allein 18 Mal.

Ausgezeichnet wurde Pilavachi unter anderem 2012 mit dem Echo Klassik in der Kategorie beste DVD-Produktion für seine Inszenierung von Wagners „Ring des Nibelungen“, die er am Theater Lübeck erarbeitete.

Dorothea von Dahlen

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