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Meddewade blüht auf

Meddewade Meddewade blüht auf

Das Gemeinschaftsprojekt Alte Schule hat die Dorfbewohner zusammengeschweißt.

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Adolf Schwartau betreibt in Meddewade einen Pferdehof. Seine Schwester, Bürgermeisterin Marleen Wulf, wohnt gegenüber und kommt öfter zu Besuch. Der alte Kartoffelroder ist noch eine Erinnerung an den Hof ihrer Eltern.

Meddewade. Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn – die werden in Meddewade groß geschrieben. „Ein Dorf packt an!“ lautete das Motto, als die Meddewader im Jahr 2000 begannen, ihre alte Schule zum Gemeinschaftshaus umzubauen. „Außer in den Ferien wurde hier jeden Samstag gearbeitet. Architekt Michael Stropeit hat das Material besorgt, ich habe die Leute zusammengetrommelt und für Verpflegung gesorgt“, erinnert sich Bürgermeisterin Marleen Wulf. Praktisch das ganze Dorf habe mitgeholfen – und das über Jahre. Sogar ein Förderverein wurde gegründet, der viel Geld heranschaffte. 2010 wurde das Gemeinschaftshaus Alte Schule eingeweiht. Eine Wahnsinns-Erfolgsgeschichte bis heute.

LN-Bild

Das Gemeinschaftsprojekt Alte Schule hat die Dorfbewohner zusammengeschweißt.

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Dabei war die Entscheidung für die Sanierung des alten Schulgebäudes in der Gemeinde gar nicht so einhellig ausgefallen. Einige Gemeindevertreter wollten die Immobilie lieber verkaufen und Wohnungen daraus machen. „Wir waren dagegen. So ist auch unsere Wählergemeinschaft Team (Tolerante, engagierte, aktive Meddewader) entstanden“, so die Bürgermeisterin. Die Mehrheit habe sich schließlich entschieden, die alte Schule zu sanieren. „Heute sind alle glücklich, dass es so gekommen ist“, so Wulf. Denn das Gebäude aus dem Jahr 1858 ist seitdem wieder mit Leben gefüllt. Krabbel- und Qi-Gong-Gruppe, Damenstammtisch, Sparclub, Förderverein, Sportler, Gemeindevertreter, Club 60plus – alles trifft sich im Gemeinschaftshaus. „Auch der Herbstmarkt und die Weihnachtsfeier finden hier statt. Bei Fußball-Meisterschaften haben wir sogar Public Viewing im Garten – einmalig ist das“, so die Bürgermeisterin.

„Das ist übrigens ein Objekt, das man mieten kann“, lautet der Hinweis von Lizzy und Rudi Gliewe, die als Hausmeisterehepaar für die Alte Schule zuständig sind und dafür sorgen, dass hier alles tiptop in Schuss ist. „Beliebt sind wir wohl nicht gerade“, sagt Lizzy Gliewe lachend. „Was habt ihr wieder zu meckern“, würden sie öfters von den Leuten im Dorf gefragt. Einiges. Licht sei nicht ausgeknipst, Aschenbecher nicht geleert, Klimaanlage noch auf vollen Touren. „Und im Winter ist Heizung auf fünf gedreht – das muss nicht sein“, meint Rudi Gliewe. Jeden Morgen würden sie im Gemeinschaftshaus nach dem Rechten schauen. „Wir geben uns Mühe, dass alles ordentlich ist.“ Nur bei der Gartenarbeit hätten sie inzwischen Unterstützung. „Da helfen uns junge Männer, die auch in Rente sind.“

In Meddewade geboren, hier zur Schule gegangen, gebaut, geheiratet und 43 Jahre im Dorf in der Brotfabrik gearbeitet: „Ich kenne nicht viel anderes“, gesteht Lizzy Gliewe. Aber manchmal komme ihr doch der Gedanke, Großstadt wäre auch ganz nett. „Wenn man das Salz beim Einkaufen vergessen hat, kann man das in der Stadt schnell noch holen.“ In Meddewade gebe es keinen Kaufmann. „Hier gehst du zum Nachbarn, wenn du Salz brauchst“, wirft Marleen Wulf ein. Stimme auch wieder, so die 77-jährige Hausmeisterin.

Die Brotfabrik – fünf Jahrzehnte war sie ein großer Arbeitgeber im Dorf. Bis die Kamps AG 2006 die Entscheidung traf, mit der Produktion nach Nordwestmecklenburg zu gehen. Werner Storm war Angestellter der Fabrik und wohnte seit 1973 zur Miete in einem Firmenhaus. „Als die Fabrik zumachte, konnten wir das Haus günstig kaufen“, berichtet der Meddewader. Der 80-Jährige und seine Frau haben die Immobilie in ein Schmuckkästchen verwandelt. Rosen, Hortensien, Sonnenblumen, Rambler und Zinnien – im Garten grünt und blüht es in jedem Winkel, dass sogar Fremde, die vorbeifahren, Gas wegnehmen, um die Blumenpracht zu bewundern.

Auch der älteste Einwohner von Meddewade hat einen grünen Daumen: Rudolf Schulz, auch Opa Schulz genannt. Er hat es allerdings mehr mit Gemüse. In seinem Hochbeet gedeihen Kohlrabi, Bohnen, Karotten, Petersilie und Salat aufs Prächtigste. Im Gewächshaus züchtet der 92-jährige ehemalige Gemeindearbeiter, der sich am liebsten mit Holzpantinen und Nietenhose im seinem Garten aufhält, Tomaten und Gurken.

Als in Meddewade die Back-Ära zu Ende ging, war es für die Gemeinde ein Glücksfall, dass ein Investor das ganze Gelände aufkaufte. „Das war wie ein Lottogewinn, dass Rudolf Schönwald aus Bargteheide das Gelände von Kamps gekauft hat. Sonst hätten wir eine Bauruine mitten im Dorf gehabt, mit Bauzaun, Ratten und dem ganzen Müll“, ist sich Bürgermeisterin Wulf sicher. So wurde aus Kamps ein Neubaugebiet, das immerhin ein Drittel der Dorffläche einnimmt. „58 Wohneinheiten sind hier innerhalb kürzester Zeit entstanden“, sagt Marleen Wulf. Familien mit vielen Kindern seien hinzugezogen, das Dorf habe sich verjüngt. 72 kleine Kinder hätten sie jetzt in Meddewade. „Das ist alles gut und schön. Doch finanziell können wir uns das gar nicht leisten. Wir müssen Kita-Plätze vorhalten. Doch dafür brauchen wir mehr Geld. Der Verteilungsschlüssel im Land muss sich ändern.“ 55 Prozent zahle die Gemeinde momentan. Wulf plädiert für die Ein-Drittel-Lösung. „Ein Drittel Land, ein Drittel Kommune, ein Drittel die Gemeinde – das wäre gerecht.“

Sie ist die Retterin alter Bücher

Eselsohren, Stockflecken, brüchige Seiten – eigentlich ist es nur noch eine Loseblatt-Sammlung, die Ursela Christie vor sich liegen hat. „Es ist ein altes Kochbuch, das eine Kundin von ihrer Tante geerbt hat und das ihr sehr am Herzen liegt.“ Seite für Seite wird das alte Werk von der Meddewaderin restauriert.

Mit einem Mini-Plätteisen bügelt sie zunächst die Seiten glatt. „Dann nehme ich feines Papier, ähnlich Japanpapier, in dem Leim enthalten ist, und bessere damit die fehlenden Stellen aus“, sagt die 49-jährige Buchbinderin. Für diese Arbeit brauche sie eine ruhige Hand und volle Konzentration. Anschließend würden die Seiten mit Nadel undFaden wieder zusammengenäht und mit einem passenden Einband versehen.

Auch die Altarbibel der Schlosskirche Ahrensburg hat Christie in Handarbeit instandgesetzt. Die meisten Aufträge seien Bibeln, Kochbücher und Märchen. „Es kommen aber auch Leute mit ihren hundertmal gelesenen Lieblingsbüchern, die ich wieder auf Vordermann bringe.“ Mit Hilfe von Computertechnik könne sie sogar Texte ersetzen, wenn Seiten fehlten. Sie müsse nur den Wortlaut kennen.

Gelernt hat Christie ihr Handwerk bei Schacht in Ahrensburg. „Danach bin ich nach Schottland gegangen und habe Buchbinderei und -reparatur studiert.“

Bma Britta Matzen

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