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Stormarn Meddewader rügt rechte Gewalt
Lokales Stormarn Meddewader rügt rechte Gewalt
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20:20 25.02.2016
Werner Fiedler mit Dose aus Aleppo.

Werner Fiedler ist in Sorge. Mit Entsetzen verfolgt der Meddewader die Medienberichte über rechte Gruppierungen, die immer lauter gegen Flüchtlinge hetzen und sogar Anschläge verüben. „Es kann nicht sein, dass eine aufgeputschte Menge Molotowcocktails in Asylbewerberheime wirft“, entzürnt er sich.

Fiedler weiß, was Menschen durchmachen müssen, wenn sie gezwungen sind, von heute auf morgen ihre Heimat zu verlassen. „Ich selbst bin schon zweimal mit Sack und Pack ins Ungewisse aufgebrochen“, erzählt der 76-Jährige, der jenseits der Oder in Berlinchen im heutigen Polen aufgewachsen ist. Im eisigen Winter 1945 marschierte dort die Rote Armee ein. Von der Front war pausenlos das Rattern der Maschinengewehre zu hören, verwundete Soldaten brüllten vor Schmerz. Gerade noch rechtzeitig beschloss die Familie zu fliehen. Fiedler war gerade einmal fünf Jahre alt, als er sich mit den Eltern in Richtung Westen aufmachte. Wenige Habseligkeiten auf einen Karren gepackt, machten sich alle auf den beschwerlichen Weg.

Von Hunger und den schrecklichen Erlebnissen gezeichnet wurde er in der Fremde auch er nicht von allen mit offenen Armen empfangen. „Manche blickten auf uns herab. Wir waren arme Würstchen, hatten nichts anzuziehen“, erinnert sich Fiedler. Seine Mutter nähte Mäntel aus Decken, um die Familie vor der Kälte zu schützen. Nur mühsam gelang es, in der neuen Umgebung Fuß zu fassen.

„Ich habe deshalb großes Verständnis für die Menschen aus Syrien, die alles stehen und liegen lassen, weil sie dem Terror zu Hause entkommen wollen“, sagt der Meddewader. Die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten hätten es ungleich schwerer als seine Familie damals, da sie die Sprache nicht verstehen und mit einer völlig fremden Kultur konfrontiert seien.

Das Land, das sie verlassen mussten, hat Fiedler sogar schon mit seiner Frau Helga bereist. „Obwohl wir die Sprache nicht konnten, haben sich alle um uns bemüht“, erzählt er und holt ein silbernes Döschen mit aufwändig gearbeiteten Verzierungen hervor. Diese kunstvolle Handarbeit stamme noch aus Aleppo, der Stadt im Norden des Landes, die inzwischen von IS-Gruppen zu großen Teilen zerstört wurde. Auch die antike Oasenstadt Palmyra mit ihren prächtigen antiken Bauwerken, die zum Unesco-Kulturerbe gehörten, habe er noch besichtigen können. Jetzt liege alles in Schutt und Asche, von religiösen Fanatikern vernichtet.

Gewalt sei in keiner Gesellschaft wünschenswert, auch hierzulande nicht, sagt Fiedler. Deshalb gelte es, dagegenzuhalten, wenn jemand Vorurteile über Menschen anderer Herkunft schüre. „Leider sinkt die Hemmschwelle der aufgepeitschten Menge immer weiter“, sagt der Meddewader.

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