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Stormarn Medizin-Studium: Klage aus Stormarn kippt Vergabepraxis
Lokales Stormarn Medizin-Studium: Klage aus Stormarn kippt Vergabepraxis
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19:13 19.12.2017
Laut BVG soll die Abiturnote nicht mehr einziges Auswahlkriterium für einen Medizinstudienplatz sein. Es müssen zusätzliche Auswahlmaßnahmen standarisiert und berücksichtigt werden. Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa
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Karlsruhe/Lübeck/Kiel

Jetzt sind Bund und Länder aufgefordert, bis Ende 2019 die Mängel zu beheben.

Schleswig-Holsteins Wissenschafts- und Bildungsministerin Karin Prien will das Karlsruher Urteil nun genau prüfen, um die Weichen richtig zu stellen. Die Frist zur Änderung der Regelung sei allerdings kurz bemessen, sagte die CDU-Politikerin. Laut BVG soll die Abiturnote nicht mehr einziges Auswahlkriterium für einen Medizinstudienplatz sein. Es müssen zusätzliche Auswahlmaßnahmen standarisiert und berücksichtigt werden.

Die Abiturnote bleibe aber ein wichtiges Kriterium, betonte Prien. „Es zeigt sich, dass die Bemühungen der Länder um eine immer bessere Vergleichbarkeit der Abiturnoten dringend notwendig waren und sind“, sagte die Ministerin.

Der Ärzteverband Marburger Bund in Schleswig-Holstein begrüßte die Entscheidung der obersten Richter. „Die heutige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts schafft die Möglichkeit für ein neues, sachgerechtes Verfahren bei der Studienplatzvergabe für das Fach Humanmedizin“, sagte der Landesvorsitzende Henrik Herrmann.

Für Prof. Jürgen Westermann, Studiengangsleiter Medizin an der Universität zu Lübeck, war der juristische Denkanstoß aus Karlsruhe überfällig. „Zum Beispiel wurde vorgegeben, dass bei einer Neuregelung die Wartezeit auf einen Medizinstudienplatz zukünftig nicht vier Jahre überschreiten dürfe“, erklärte der Chef des Instituts für Anatomie. Denn eine Wartezeit von bis zu sieben Jahren – wie momentan zulässig – sei nicht zumutbar.

An der Hochschule der Hansestadt werden 60 Prozent der jährlich rund 190 verfügbaren Medizin-Studienplätze im Auswahlverfahren vergeben. So kommen auch Bewerber mit „schlechteren“ Abiturnoten in einem Bewerbungsgespräch zum Zuge und können sich verschiedene „Bonierungen“ anrechnen lassen. „Wir sehen einer Reform also gelassen entgegen, da wir die Forderungen des BVG schon erfüllen“, sagte Westermann.

Die Hamburger Rechtsanwältin Stefanie Nießen, die in Karlsruhe den Fall einer jungen Stormanerin vorgebracht hatte, äußerte sich ebenfalls zufrieden. „Dass die Richter das grundsätzliche Recht auf einen Studienplatz bestätigten, ist ein wichtiges Zeichen“, betonte die Juristin. Allerdings seien die Nachbesserungen, die das BVG gefordert habe, in Bezug auf die weiteren Zulassungskriterien noch zu unkonkret. Jetzt müsse man eben erstmal abwarten, was der Gesetzgeber daraus mache.

Von Michael Hollinde

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