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Stormarn Mein Teddy, der pelzige Kumpel im Bett
Lokales Stormarn Mein Teddy, der pelzige Kumpel im Bett
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03:00 25.12.2012
Bad Oldesloe

Die erste Liebe ist pelzig: Fast jeder teilt in seinen Kindertagen das Bett mit einem Kuscheltier, das man hemmungslos vollsabbert und über alles informiert, ohne dass es widerspricht. Meist hat es nur Stroh im Kopf, aber das tut der Zuneigung keinen Abbruch. Die LN stellen fünf Beziehungen vor, die bis heute gehalten haben.

Der Bär von Burkhard von Hennigs, ehemaliger Kreisbaudirektor in Bad Oldesloe, hat es bis ins Museum geschafft. „Meinen Teddy, der immer nur Teddy hieß, habe ich 1947 mit drei Jahren zum Geburtstag bekommen.“ Sein Vater, ein Pastor, hatte ihn von einem Kollegen für seinen Sohn übergeben bekommen. „Der Vorbesitzer ist als Soldat im Zweiten Weltkrieg gefallen, der Bär stammt wohl aus dem Jahr 1920“, vermutet von Hennigs. Der Teddy zog in sein Kinderbett ein, erhielt eine gestrickte rote Hose, und nach Jahren kam der Tag, als er in den Kleiderschrank wanderte. „Irgendwann haben ihn wohl die Motten entdeckt. Ihm ging es im Schrank immer schlechter, bis schon die Sägespäne herauskamen.“

Als von Hennigs 1993 erfuhr, dass die Frau eines Bekannten, Mechthild Reichstein, Bären sammelte, schenkte er ihr den ramponierten Teddy. „Sie hat ihn restauriert und aus der gestrickten Hose einen Pullover gemacht. Dann ist sie mit ihrer Sammlung und dem Bären, den sie ,Justus von Hennigs‘ getauft hat, herumgereist. Ich war bei einer Ausstellung in Bad Schwartau dabei, danach war er in Rostock und in Kiel. Wenn Justus auf Ausstellungen zu sehen war, habe ich gelegentlich von Besuchern, die mich kannten, einen Gruß von Justus erhalten. Heute sitzt der Bär in Schleswig im Stadtmuseum und kann jetzt Klavier spielen.“

Rüdiger Nehberg, Menschenrechtler und „Sir Vival“ aus Rausdorf, hat sein Herz erst spät an ein Kuscheltier verloren. „Ich habe mir vor vier oder fünf Jahren am Bahnhof in einem Plüschtiergeschäft einen Geier gekauft, den fand ich so niedlich. Er hockt auf einem Balken in meinem Wohnzimmer. Er ist quasi der erste, der bereits geduldig über mir kreist. Auch wenn er noch lange kreisen muss, bevor ich ihm die Landung gestatte. Ich habe noch mehr Pläne als Restlebenszeit, und es ist immer gut, wenn man seine Gegner kennt. Ich fand Geier immer interessant, sie sind quasi die Ordnungspolizei wie Bakterien oder Piranhas. Als Kind hatte ich kein Kuscheltier, weil wir so oft umgezogen sind, aber im Auto hatte ich lange eine Stoffschlange.“

Landrat Klaus Plöger ist seinen einstigen Spielgefährten treu geblieben. „Ich habe als Kind mit einem Bären, einem Affen, einem Hund und einer Katze gespielt, alles Steiff-Tiere. Die Namen weiß ich heute noch: Petz, Munki, Snobby und Peter. Dem Affen ist der Kopf abgeklappt, das Fell ist ziemlich abgeschabt, aber ich habe sie behalten. Als ich klein war, mussten immer ein oder zwei von ihnen mit in den Urlaub. Und ich habe sie Fußball spielen lassen, ich glaube, 1958 zur Weltmeisterschaft, mit einem Tischtennis-Ball als Fußball. Die Tiere habe ich natürlich alle noch, mittlerweile aber nur noch als Dekoration.“

Jan Roßmanek, Pastor in Bargteheide, hat seinen Karli zum Familientier gemacht. „Ich habe einen Affen, den immer der jeweils Jüngste in der Familie bekommt. Im Moment ist das mein Sohn Enno. Meine Mutter lag bei meiner Geburt mit einer Gräfin in einem Zimmer, bei der sie später zur Taufe eingeladen war. Als Geschenk hatte sie einen Affen aus einer Steiff-Sonderkollektion geholt. Mit dem habe ich so gerne gespielt, dass sie mir zu Weihnachten den gleichen gekauft hat. Karli war immer in meinem Bett, bis ich in das Alter kam, wo man Freundinnen hat, da ist er ins Regal gewandert. Seit ich selber Kinder habe, war der Affe in der Teddy-Reinigung und dann immer für das jüngste Kind da. Er wird wie eine Fackel weitergegeben: Vor Enno haben schon meine beiden Töchter mit Karli gespielt.

Meine Mutter schenkt jedem Kind aber zum ersten Weihnachten ein eigenes Steiff-Tier.“

Auf ihren eigenen Teddy musste Wilma Griese, Museumsleiterin in Bargteheide, lange warten. „Ich habe mir als Kind immer einen Teddy gewünscht, aber nie einen bekommen. Meine Tante wohnte mit im Haus.

In ihrem Zimmer stand eine Vitrine, in der hinter Glas ein kleiner Teddybär war. Ich durfte ab und zu mit ihm spielen, aber nur, wenn meine Tante dabei war. Irgendwann habe ich mich über das Verbot hinweggesetzt und heimlich mit dem Bären gespielt. Ich habe ihn aber immer genauso wieder hingesetzt, wie er vorher war. Aber daneben stand eine Puderdose, und weil ich auch den Puder benutzt habe, ist die Sache aufgeflogen. Beim Einrichten der Weihnachtsstube in diesem Jahr war ich bei einer Dame in Bargteheide, die Bären selber näht. Sie hat mir einen kleinen Teddy geschenkt, über den ich mich sehr freue. Mit 60 Jahren habe ich so meinen ersten eigenen Teddybären.“

Bettina Albrod

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