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Stormarn Menschen in Not: Dann packen die Helfenden Hände mit an
Lokales Stormarn Menschen in Not: Dann packen die Helfenden Hände mit an
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18:10 08.08.2018
Treffen im Bella-Donna-Haus: (v. l.) Hans-Werner Tiedemann, Ulrich Langenberg, Cornelia Ould Khessal und Dr. Heiner Garg. Quelle: Fotos: M. Thormählen
Bad Oldesloe

Seit September vergangenen Jahres ist das fünfköpfige Team im Einsatz – und auch Cornelia Ould Khessal kann sich auf die Helfenden Hände verlassen. Dabei, so gesteht die 44-Jährige ein, habe sie durchaus Hemmungen gehabt, auf ihre Lage hinzuweisen. Erst eine Freundin und ein klärendes Gespräch mit den Helfern habe sie dann davon überzeugt, dass dieser Schritt doch der richtige sei. Und so kümmern sich Hans-Werner Tiedemann und Ulrich Langenberg um die Oldesloerin, wenn es um Hilfe beim Einkauf oder die Reparatur des Rollators geht.

Das ist ein Beispiel, das auch auf Zustimmung und Unterstützung beim Minister stößt, der zum Auftakt seiner Sommertour nach Bad Oldesloe gekommen war. Sozialpolitiker müssten die Rahmenbedingungen für eine menschenwürdige Gesellschaft und ein humanitäres Miteinander schaffen, forderte Heiner Garg. Dabei seien die Aufgaben in Pflege und Betreuung nicht nur durch Profis zu meistern, es müsse auch ehrenamtliches Engagement geben. Wichtig sei, Ehrenamt mit Professionalität zu verbinden: „Im Idealfall geht beides Hand in Hand.“ Dafür gebe es bereits Beispiele, so Heiner Garg.

Die Helfenden Hände in Bad Oldesloe haben das Ziel, anderen Bürgern dank der Betreuung und Unterstützung eine Teilnahme am sozialen Leben zu ermöglichen. Das könne etwa die wöchentliche Einkaufshilfe für einen Gehbehinderten sein, erläuterte Ulrich Langenberg: „Es kann sich auch ein Hauseigentümer an uns wenden, der vielleicht aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage ist, seinen Rasen selbst zu mähen.“ Meistens soll die Hilfe eine zeitliche Begrenzung haben, bis der Betroffene wieder in der Lage ist, das Problem anderweitig zu lösen. Es sei aber auch denkbar, dass die Helfenden Hände ständig und unbegrenzt zur Stelle seien.

Minister Garg machte deutlich, dass bei allen Projekten das bürgerliche und ehrenamtliche Engagement nicht ausgenutzt werden dürfe. Es solle nur ergänzend angeboten werden – und nicht anstelle des Hauptamtes: „Wir müssen deshalb die aktuelle Situation im Bereich von Pflege und Erziehung weiter verbessern.“

Die Helfenden Hände in Bad Oldesloe haben sich eigene Grenzen gesetzt, um sich als Ehrenamtler nicht zu überfordern. „Es gibt für uns keine Verpflichtung, helfen zu müssen“, betonte Ralf Schnack. Die Mitglieder des Team entschieden eigenständig, ob sie sich eine Aufgabe zutrauten. „Und damit sind wir bisher gut gefahren“, lautete die Bilanz von Ralf Schnack nach knapp einem Jahr. Die Gruppe wird von Heike Schüler und Bernhard Sawall komplettiert. Betreut werden unter anderem betagte Seniorinnen an jeweils einem Tag pro Woche, wenn die Mitarbeiter eines professionellen Pflegedienstes nicht kommen.

Offensichtlich kommen die Helfer ohne Hilfe von außen ganz gut zurecht und wollen an dieser Situation auch künftig nichts ändern. So gab es auf die Frage der Landtagsabgeordneten und Stadtverordneten Anita Klahn (FDP), ob das Land oder die Stadt irgendeine Unterstützung leisten sollten, eine höfliche Ablehnung.

Der Sozialminister wies darauf hin, dass beim Projekt der Helfenden Hände beide Seiten profitierten – nicht nur die Menschen, die unterstützt werden, sondern auch die Ehrenamtler selbst dank ihrer wichtigen Aufgabe: „Denn der Dienst an Menschen ist keine verschenkte Lebenszeit.“ Diese Ansicht teilte auch Bürgermeister Jörg Lembke. Ehrenamtliches Engagement sei eine Bereicherung, für junge wie auch ältere Menschen in allen Bereichen: „Wir sind deshalb sehr froh darüber.“ Die Stadt unterstütze das Ehrenamt, möchte es stärken und wolle dafür noch mehr tun, sagte Jörg Lembke.

Als Seniortrainer

Das Projekt Helfende Hände wurde von Seniortrainern aus Bad Oldesloe ins Leben gerufen, die nach dem Ende ihrer Erwerbsphase neue Aufgaben für die Allgemeinheit übernehmen wollten. Sie geben durch ihren engagierten Einsatz wertvolle Berufs- und Lebenserfahrungen an die Betreuten weiter und eröffnen neue Formen der gesellschaftlichen Teilhabe. Zurzeit gibt es rund 20 Seniortrainer. Als Anlaufstelle fungiert die Volkshochschule in Bad Oldesloe.

Wer Kontakt zu den Helfenden Händen in Bad Oldesloe sucht, kann sich unter Telefon 04531/8085232 melden, im Internet unter helfende-haende@seniorentrainer-od.de.

Michael Thormählen

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